Forum: Steuerfreies Spanien mit doppeltem Gehalt

Steuerabschaffung verspricht doppeltes Netto und sinkende Preise, erfordert aber private Kosten für Gesundheit, Bildung und Feuerwehr.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Forum: Steuerfreies Spanien mit doppeltem Gehalt
Feuerwehr, Gesundheitswesen und Müllabfuhr ohne Steuern

Zwei Personen streiten sich am Samstagabend in einer Diskothek und erstatten beide Anzeige. In einem Szenario ohne Steuern würde jede Partei ihr eigenes Justizunternehmen beauftragen – eines „Juezsegur“, das andere „Ley Iberia“ – und jemand müsste entscheiden, welches Urteil gültig ist. Diese Szene dient dazu, die Tragweite einer Meinungsmache zu messen, die darauf abzielt, alle Steuern abzuschaffen und jeden Dienst bei der Nutzung direkt zu bezahlen. Einschließlich Feuerwehr. Auch Müllabfuhr.

Steuern abschaffen: Vom 1.500-Euro-Gehalt zum 3.000-Euro-Gehalt

Der Ausgangspunkt behauptet, dass durch den Wegfall des Arbeitgeberbeitrags von 30 % und der Einkommensteuer (IRPF) von 20–40 % der Arbeitnehmer praktisch das Doppelte verdienen würde: Ein Durchschnittsgehalt von 1.500 Euro würde auf 3.000 Euro steigen. Produkte würden durch den Wegfall der Mehrwertsteuer (IVA) zwischen 10 % und 20 % günstiger sein, sodass das Geld mehr Kaufkraft hätte. Und Unternehmen würden ohne Umsatzsteuer, ohne Sozialversicherungsbeiträge und ohne die 25 % Körperschaftsteuer ihre Gewinne verdoppeln, investieren und einstellen. Bei Vollbeschäftigung würden die Löhne wieder steigen: nicht doppelt so hoch, sondern „vielleicht um den Faktor 2,5“.

Nicht alle kaufen diese Rechnung. Derselbe Text räumt ein, dass öffentliche Renten, öffentliche Bildung und das öffentliche Gesundheitssystem wegfallen und durch konkrete Preise ersetzt werden: eine Krankenversicherung für 350 Euro pro Jahr, eine durchschnittliche Privatschule für 250 Euro pro Monat. Mit diesen monatlichen 300 Euro, heißt es, wäre die Auswirkung bereits 15 % des steuerfreien Gehalts. Die Sarracena von der Geschicht' ist immer dieselbe: Jeder muss selbst für Arbeitslosigkeit und Ruhestand vorsorgen.

Gesundheit für 350 Euro im Jahr: Die Rechnung geht nicht auf

Hier bricht der Konsens zusammen. Laut einem Beitrag im Thread liegen die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Spanien bei rund 2.000 Euro pro Person und Jahr, und eine vierköpfige Familie bräuchte etwa 8.000 Euro jährlich, bevor man den Unternehmensgewinn hinzurechnet. Die billige Versicherung funktioniere, wird argumentiert, weil schwere und teure Fälle weiterhin vom öffentlichen Gesundheitssystem übernommen werden: Wer wirklich operiert wird, ist nicht der Kunde der Low-Cost-Police.

Das Kleingedruckte endet hier nicht. Laut einer Nachricht, die das europäische Transparenzregister zitiert, haben mehrere spanische Verbände des privaten Gesundheitswesens 2018 200.000 Euro für Lobbyarbeit in Brüssel ausgegeben. Und der Einwand ist nicht nur wirtschaftlicher Natur. Für einen anderen Teilnehmer, einen Zahnarzt, werden Zähne, Haut, Traumatologie oder Psychologe heute bereits weitgehend aus der eigenen Tasche bezahlt, sodass die Linie zwischen öffentlich und privat seit Jahren verschwommen ist. Allerdings würde das öffentliche Gesundheitssystem laut diesem Beitrag weiterhin Operationen abdecken.

Renten: Von zwei Arbeitnehmern pro Rentner zu einem

Das Rentensystem ist das Argument mit den meisten Zahlen und dem geringsten Einvernehmen. Der ursprüngliche Ansatz besagt, dass die Kasse bei zwei Arbeitnehmern pro Rentner nicht mehr aufgeht; in zehn Jahren wird es nur noch einen pro Rentner geben, und die zukünftige Leistung wäre halb so hoch wie die aktuelle, mit einer jährlichen Abwärtskurve. Heute zwangsweise mehr als das Doppelte dessen zu zahlen, was man in drei Jahrzehnten erhalten wird, ist in dieser Lesart die Definition eines schlechten Geschäfts.

Die Gegenargumentation zielt auf den Mechanismus, nicht auf die Diagnose: Wenn die Beiträge wegfallen, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass dieses Geld beim Lohn landet statt in der Tasche des Arbeitgebers. Renten, erinnern sie, sind eine von Bismarck eingeführte und später in Spanien reformierte Versicherung, kein Gefallen. Eine andere Antwortlinie konzentriert sich auf die Demografie: Wenn die Geburtenrate stabil geblieben wäre, würde die Kasse halten.

Straßenlaternen, Müllabfuhr und Polizei per Abo

Beleuchtung, Reinigung und Sicherheit sind das Terrain, auf dem das Ideal an der Realität gemessen wird. Ein Müllwerker, der von einer Eigentümergemeinschaft eingestellt wurde und schlecht arbeitet, kann ausgetauscht werden; ein Sicherheitsunternehmen, das das Eigentum nicht schützt, verliert den Vertrag. Das Argument des souveränen Verbrauchers, angewandt auf die öffentliche Sicherheit, kollidiert mit einer unbequemen Frage: Wechseln Sie Ihre Polizei, wenn Ihr Viertel schlecht überwacht wird, oder wechseln Sie das Viertel?

Die lokale Besteuerung kommt stark ins Spiel. Wer mehr Grundsteuer (IBI) zahlt, weil er in einem Haus mit Garten lebt, finanziert nicht nur seine Straßenlaterne: Er trägt auch, zum Beispiel, zur Finanzierung des Festgeländes bei, auf dem Amaral auftritt, der nicht immer in seiner Straße liegt. Die Verteidigung der Gemeindesteuer antwortet, dass mehr Fläche, mehr Infrastruktur und mehr Wert mehr Beiträge erfordern, und dass Proportionalität die einzige tragfähige Regel ist. Die Zahlung nach Nutzung hat ihre eigene Falle: Wenn Asphalt und Licht nur mir gehören, muss jeder Nachbar, der vorbeikommt, mir die Rechnung zahlen.

Die 5 % Einkommensbesteuerung der sechziger Jahre

Um zu beweisen, dass es ein Land gab, das kaum Steuern erhob und dennoch Dienstleistungen bot, wird auf das Spanien vor der Demokratie verwiesen: „symbolische“ Steuern, um die 5 % des Einkommens, und trotzdem Armee, öffentliche Arbeiten, Nachtwächter, Gefängnisse, Schulen und Staudämme, finanziert durch Staatsunternehmen. Der letzte Schlag ist die Inflation: 1960 sank sie auf 1 % und war mehrfach null.

Die Gegenreaktion ist ebenso schlagkräftig. Jene Epoche war keine fiskalische Arkadien: Steuern sind so alt wie Armeen, und die Sozialversicherungsbeiträge datieren mindestens aus den Sechzigern. Die damalige Geldpolitik wird zudem als eine Maschine beschrieben, die Banknoten druckte und je nach Bedarf beschleunigte oder bremste, mit Inflationshöchstwerten, die deutlich über denen der demokratischen Ära lagen. Steuern existierten, auch wenn sie anders erhoben wurden.



Im Hintergrund bleibt die Zahl, die irritiert: Zwischen 10 % und 15 % der Einnahmen würden laut dem ursprünglichen Ansatz ausreichen, um Richter, Polizei und zeitweise Eingliederungshilfen zu finanzieren, mit Schul- und Gesundheitsgutscheinen für Geringverdiener. Es bleibt abzuwarten, wie viel der Rest kosten würde – die Müllwerker, die Feuerwehrleute, die Straßenlaternen und der Asphalt – und wer die Rechnung der Diskothek zahlt, wenn sich die beiden Kunden der Privatjustiz nicht einigen können.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (253 Antworten).

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