Forum diskutiert: VOX wählen, um Spaniens Regierung zu stürzen
In der politischen Debatte macht sich ein Paradox breit: Menschen, die seit zwei Jahrzehnten nicht wählen, erwägen es jetzt wieder – nicht aus demokratischer Überzeugung, sondern um die Regierung zu stürzen. Die Argumentation ist einfach und zynisch: Wenn Wählen dazu dient, schlechte Regierungsarbeit zu bestrafen, wird die Stimmabgabe zu einem Akt der Hygiene. Der Autor fasst es schonungslos zusammen: «Ich sage weiterhin, dass Wählen nichts bewirkt, hier bräuchte es einen verdammten Krieg und eine gute Ausrottung, aber wenigstens werden wir diesen Abschaum los, diese ekelhafte ganze verdammte Regierung und ihre kriminellen Koalitionspartner».
Die These des Eröffnungsposts lautet, dass die klassische Enthaltung nicht mehr reicht. Der Autor, ein bekennender Langzeit-Enthaltungswähler, kündigt an, VOX mit einem erklärten Ziel zu wählen: Die rechte Oppositionspartei soll so weit wachsen, dass Sánchez nicht mehr als «blaue PSOE» regieren kann, und die PSOE soll zugleich so geschwächt werden, dass sie sich mangels Finanzierung auflösen muss. Die Strategie ist Nullsummenspiel: Man wählt nicht, um aufzubauen, sondern um abzureißen.
Die Stimme als Strafe, nicht als Aufbau
Der Thread beginnt mit einer Absichtserklärung, die das Handbuch des Durchschnittswählers bricht. Der Autor verbirgt seine Verachtung für das System nicht: Er wählt seit zwei Jahrzehnten nicht, die Parteien wissen es, weil sie am Ende jeder Wahl den durchgestrichenen Wählerverzeichnissen entnehmen – und trotzdem wird er wählen. Warum? Weil es nicht darum geht, ein Programm zu wählen, sondern denen den maximal möglichen Schaden zuzufügen, die er für das Desaster verantwortlich macht.
Die dahinterliegende Logik ist die umgekehrte taktische Stimme: Wenn man nichts reparieren kann, soll wenigstens denjenigen geschadet werden, die den jetzigen Zustand geschaffen haben. Mehrere Beiträge greifen diese Idee in unterschiedlichen Formulierungen auf. Einer der häufigsten lautet: «Statt für das kleinste Übel oder den Sympathischsten zu wählen, wählt man den, der den Machern des jetzigen Zustands am meisten schadet; wer schaden kann, soll schaden». Es ist Politik als Abrechnung.
Der Autor des Eröffnungsposts treibt es auf die Spitze: Es genügt nicht, dass die PSOE verliert, sie muss «so endgültig erledigt» sein, dass sie nie zurückkommen kann. Das Argument: Vier weitere Regierungsjahre würden genügen, um die Anklagen der Opposition (sogenannte acusaciones populares, Strafanträge oppositioneller Parteien) zu kippen, unabhängige Richter einzuschüchtern und den Obersten Gerichtshof zu zerlegen, den er als letzten Widerstand betrachtet. Deshalb ruft er dazu auf, «die hispanochistischen Zionisten von VOX massenhaft» zu wählen.
Die Arithmetik der Auslandswähler und der Sitz, der sich nicht ändert
An einem Punkt wird der Thread besonders technisch: beim CERA-Wahlrecht, der Stimme der im Ausland lebenden Spanier. Die Diskussion beginnt mit der Warnung, dass Umfragen darauf hindeuten, dass eine halbe Million Wähler SALF wählen wird, und dass sich das bei knapper Ausgangslage bemerkbar machen könnte. Die Antwort kommt prompt: Man bezweifelt, dass sich dieses Volumen in Sitze übersetzt.
Die Rechnung in der Diskussion lautet: Von diesen 400.000 potenziellen Wählern würde nur ein kleiner Bruchteil Optionen außerhalb des Systems wählen. Die optimistischste Schätzung nennt 50.000 Stimmen, das Dreifache des Üblichen im CERA-Verzeichnis – und selbst das gilt als unzureichend, um auch nur einen Sitz zu verschieben. Die Umfragen, so das Argument, zeigten eine ausgeglichene Gruppe mit leichtem Vorsprung für die PP, was jeden Überraschungseffekt verwässere.
Die gezogene Schlussfolgerung: Die Auslandsstimme wird, so sehr sie auch beschworen wird, die Sitzverteilung nicht verändern. Die einzige mögliche Überraschung, räumt ein anderer Beitrag ein, wäre ein Aufschwung von VOX. Und genau dort schließt der Thread an die ursprüngliche Strategie an: Wenn das Ziel ist, die Regierung zu stürzen, liegt die taktische Stimme nicht in der Mitte, sondern am Flügel.
Die Option der Parteien außerhalb des Systems
Als Gegenentwurf zur Bestrafungsstrategie VOX entsteht die Alternative, Parteien zu wählen, die nie den Weg ins Parlament geschafft haben: Escaños en Blanco, PACMA, Falange oder die Piratenpartei, unter anderen. Der Vorschlag wird als Möglichkeit präsentiert, den großen Parteien die Legitimation zu verweigern und sich trotzdem zu beteiligen.
Die Antwort ist schnell und schonungslos: Diese Parteien erneuern die Pfründe nicht, weil sie nicht genug Stimmen bekommen. Das Argument: Die symbolische Stimme hat keinen institutionellen Weg, und im aktuellen Kontext schadet VOX den anderen am meisten. Die Logik wird weitergesponnen: Wenn VOX später auch geschadet werden muss, wird das getan – so wie in Italien nach einem Ersatz für Meloni gesucht wird.
Der Thread hinterlässt ein bitteres Gefühl: das von jemandem, der weiß, in einem System gefangen zu sein, das ihn nicht repräsentiert, und der sich dennoch entscheidet, die Karte zu spielen, die dem Gegner den größten Schaden zufügt. Die Frage, die über allem schwebt: Ob diese Strafstimme am Ende nicht genau das legitimiert, was sie zerstören wollte.
Was, wenn das Problem nicht wäre, wen man wählt, sondern dass niemand mehr daran glaubt, dass Wählen etwas bewirkt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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