FNAC in Spanien: Filialen schrumpfen, Lagerbestand sinkt

In spanischen FNAC-Filialen werden Etagen geschlossen und das Sortiment drastisch reduziert. Nutzer berichten von einem langsamen Verfall des Einzelhändlers.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

FNAC in Spanien: Filialen schrumpfen, Lagerbestand sinkt

In zwei Städten mit FNAC-Filalen zeigt sich laut Nutzeraussagen dasselbe Muster: Nach monatelangen Renovierungsarbeiten sind alle nach Kategorien getrennten Stockwerke geschlossen. Die Fläche wurde auf eine einzige Etage reduziert, auf der, wie beschrieben, nur noch vier Blu-rays, vier Videospiele und keine Fernseher mehr angeboten werden. Stattdessen gibt es Webcams, Bücher, Kabel für Handys und wenig anderes. Der Nutzer schätzt, dass 80 % des Lagerbestands entfernt wurden. Diese Szene wiederholt sich und strahlt Verfall aus. Die Frage ist nicht mehr, ob FNAC insolvent ist, sondern wie lange es dauert, bis die Marke zu einer Website mit schwacher Amazon-Konkurrenz wird.

Der Zombie-Einzelhandel: Flächen reduzieren, um Verluste zu begrenzen

Diese Strategie ist kein Masterplan. Sie entspricht dem Verhalten eines "Zombie-Einzelhändlers", so ein Teilnehmer: Mieten aus den 80er- und 90er-Jahren passen nicht mehr zu den aktuellen Margen, und die Kosten für Personal und Logistik lassen sich durch den Verkauf von Blu-rays auf einer ganzen Etage nicht decken. Es geht darum, die Präsenz im stationären Handel aufrechtzuerhalten, ohne weitere Verluste zu machen. Nicht rotierende Ware wird geopfert. Währenddessen bleibt das Geschäft offen, wie ein toter Krebs, der seinen Tod nicht ankündigt: Er verliert Bein für Bein, bis nur noch der Panzer übrig ist.

Das Beispiel Palma de Mallorca ist illustrativ, so ein anderer Nutzer: FNAC eröffnete 2019 mitten im Zentrum ein teures Geschäft, um Funko-Pop-Figuren, Elektronik und Bücher zu verkaufen. Das Lokal arbeitet darauf hin, dass Touristen eine Tasse und billige Kopfhörer mitnehmen. Den Rest des Jahres muss die hohe Miete mit Funkos und Ramsch-Romanen gedeckt werden. Die teuerste Miete im Zentrum für ein Inventar mit der Marge einer generischen Webcam. Hier zeigt sich, wer wirklich in der Kette bestimmt, argumentiert er: Nicht der Verkäufer, sondern der Eigentümer der Immobilie.

Warum schließt FNAC Filialen in Spanien?

Die Schließung der FNAC-Filiale in Sevilla vor zehn Jahren war der Vorreiter, erinnert sich ein Nutzer. Vier Stockwerke mit Büchern, CDs, DVDs und Kultur an einem privilegierten Ort, wo man alles kaufen konnte: CDs, Computer, externe Festplatten. Über Nacht verschwand sie. In Barcelona ist die Filiale am Plaça Catalunya, zentraler geht es kaum, geschlossen; die in La Maquinista hatte immer Kunden. In Alicante ist sie direkt geschlossen. Es hieß, es gebe Probleme mit dem Vermieter, der zu viel verlange, und man werde an anderer Stelle neu eröffnen. Nichts davon geschah. Profiteure dieser Entwicklung sind Buchhandlungen wie La Casa del Libro, die nun sehr gut läuft, so ein weiterer Teilnehmer.

Das Muster wiederholt sich, weil das Modell erschöpft ist, sagen mehrere Kommentatoren. Der Verkauf von physischen Büchern, Filmen und Musik ist eingebrochen. Alles ist digital über das Internet. Auch Videospiele auf Datenträgern werden bald verschwinden. Was bleibt? Ein paar Romane und Funko-Pop-Figuren, deren Trend offenbar vorbei ist. In Geschäften wie MediaMarkt kann man noch Haushaltsgeräte ansehen. Bei FNAC immer weniger.

Physische Medien als politisches und kulturelles Werkzeug

Einige vertreten die Ansicht, dass physische Formate ein mächtiges Werkzeug sind: Der Inhalt kann nicht verändert werden, anders als bei digitalen Medien, wo Informationen, die der Macht missfallen, manipuliert oder gelöscht werden können. Früher wurden in totalitären Regimen Bücher verbrannt. Deshalb, so das Argument, will man nicht, dass Menschen zu Hause Bücher oder DVDs haben, die gegen die dominante politische Agenda stehen. Der Bezug zu Fahrenheit 451, dem Roman und Film, in dem Feuerwehrleute Bücher verbrennen, taucht in der Diskussion auf. Dies ist eine Minderheitenanalyse, verdeutlicht aber, wie sehr das Verschwinden physischer Träger als kultureller, nicht nur kommerzieller Verlust empfunden wird.

Ein Teil des Publikums ignoriert dies einfach. Interessante Kultur, so ihr Argument, sei im Internet frei verfügbar, da seit Jahren keine Kunst mehr produziert werde, die ihren Preis wert sei. Was heute veröffentlicht, aufgenommen und gefilmt wird, sei größtenteils minderwertig, und das wenige Gute sei über Amazon oder andere Online-Händler günstiger zu bekommen. Für Nischenfans seien Streaming-Dienste besser.

Das Erlebnis im Laden: Mitarbeiter, Preise und Nostalgie

Nostalgie spielt eine Rolle. In den 2000er-Jahren waren FNAC und MediaMarkt beeindruckend, so ein Nutzer: Vielfalt, gute Preise. Das Angebot an DVDs war überwältigend, man konnte stundenlang Stöcke durchgehen, mit gestrichenen Preisen und Angeboten. Bei MediaMarkt stapelten sich die DVDs, und man fand Filme, die bei Carrefour 19 Euro kosteten, für 0,99 oder 1,99 Euro. Es war der DVD-Boom. Mit der Zeit glichen sich die Preise an und das Einkaufserlebnis verblasste.

Heute ist die häufigste Beschwerde die der Mitarbeiter: Vom Experten, der dir den einen CD-Tipp gab, der dein Leben veränderte, zu Praktikanten, die auf ihr Tablet schauen und sagen: "Dazu habe ich keine Information." Das sei kein Verfall, sondern das Geschäftsmodell des Praktikanten, ironisiert ein Teilnehmer. Andere kritisieren Ausstellungspreise: Monitore, die aussehen wie bei Cash Converters, zum Neupreis verkauft, obwohl sie jahrelang im Schaufenster standen, in der Hoffnung, ein Unwissender kaufe sie.

Die Zukunft: Alles online, Läden nur für das Erlebnis

Das chinesische Vorbild zeigt den Weg, so ein Nutzer: Alles online und bestenfalls Läden, die ein Nutzererlebnis bieten. Die Leute kaufen keine Filme, CDs oder Spiele auf Datenträgern mehr. Antiquariate dominieren, mit Büchern für 1 oder 3 Euro. In einem verarmten Land, das die Unkultur fördert, sei dies eine angekündigte Tragödie, meint er. Beim letzten Besuch hatte das Geschäft vier Blu-rays und vier Videospiele. 80 % des Bestands fehlten, so sein Bericht. FNAC kündigt seine Insolvenz nicht an: Es verliert einfach Bein für Bein, bis nur noch der Panzer übrig ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (174 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver