Estás usando un navegador desactualizado. Es posible que no muestre este u otros sitios web correctamente. Debe actualizar o usar un navegador alternativo.
Finkelstein und das Geschäft mit der Holocaust-Erinnerung
Finkelstein argumentiert, dass die Erinnerung an den Holocaust nach 1967 kommerzialisiert wurde. Sein Buch leugnet den Völkermord nicht; er verlor seine Professur 2007.
Norman Finkelstein veröffentlichte im Jahr 2000 «The Holocaust Industry», ein Buch, das behauptet, die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord sei ab 1967 zu einem Geschäftsmodell geworden. Die Paradoxie um den Autor ist kaum zu übertreiben: Als Sohn von Überlebenden hat er den Holocaust nie geleugnet, wurde dennoch des Antisemitismus bezichtigt und aus dem Lehrbetrieb entfernt.
Worum geht es in dem Buch also? Nicht darum, ob der Völkermord stattgefunden hat, sondern darum, dass das Leid wirtschaftlich und politisch instrumentalisiert wurde. Seine These lautet, dass ein Großteil der Entschädigungen, Klagen und öffentlichen Narrative bei Organisationen, Anwälten und Plattformen landet, die selbst kein Lager betreten haben.
Welche Zahlen nennt «The Holocaust Industry»?
Finkelstein schätzt, dass am Ende des Krieges etwa 100.000 Überlebende durch Ghettos, Konzentrations- und Arbeitslager gegangen waren. Er geht davon aus, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Jahr 2000 nur noch ein Viertel von ihnen am Leben war. Der unbequeme Punkt daraus: Während die tatsächlichen Überlebenden altern und sterben, vermehren sich die institutionellen Profiteure ihres Leidens unentwegt.
Der beschriebene Mechanismus ist weder mystisch noch geheim. Deutsche Wiedergutmachungen, Klagen, Stiftungen, Repräsentationsquoten und ein Narrativ, das mit der Zeit zum politischen Tauschmittel wird. Wer das Lager erlebte, erhält wenig. Wer seine Verwaltung übernimmt, nicht immer.
Warum 1967 der Wendepunkt ist
Die zentrale These datiert den Beginn des Phänomens auf den Sechstagekrieg im Juni 1967. Vor diesem Datum, so der Autor, nahmen Israel und der Völkermord einen eher untergeordneten Platz im Leben der US-amerikanischen jüdischen Gemeinde ein. Eine Analyse des Soziologen Nathan Glazer aus dem Jahr 1957 wies bereits darauf hin, dass die „Endlösung“ „bemerkenswert wenig Einfluss auf das Innenleben“ dieser Gemeinschaft hatte.
In diesen Jahren unterstützten die großen Organisationen Washingtons Politik für ein wiederaufgerüstetes und kaum entnazifiziertes Deutschland. Der Jüdische Weltkongress hörte auf, Widerstand zu leisten, nachdem er Anfang der 1950er Jahre ein Entschädigungsabkommen unterzeichnet hatte, und eine der großen Anti-Verleumdungs-Ligen entsandte 1954 ihre erste offizielle Delegation nach Deutschland. Das Ziel war laut dieser Lesart, die Welle antideutscher Gefühle einzudämmen.
Nach 1967, so das Buch, ändert sich alles: Der Holocaust wird zum zentralen Bestandteil des öffentlichen Diskurses. Die etablierte Geschichtsschreibung widerspricht dieser These heftig, und der Autor betont, dass die beiden großen Dogmen, die diese Struktur tragen – die absolute Einzigartigkeit des Ereignisses und die Idee eines ewigen, irrationalen Hasses – in seriösen akademischen Arbeiten zum Thema nicht vorkommen.
Die beruflichen Kosten dieser These
Finkelstein war Professor an der DePaul University in Chicago. Im Juni 2007 wurde er vom Unterricht suspendiert und für das Studienjahr 2007–2008 in administrative Positionen versetzt. Im September desselben Jahres verließ er die Universität. Für seine Unterstützer bestätigt diese Sequenz genau die Argumentation des Buches: Wer am Narrativ rüttelt, zahlt dafür.
Leugnung ist etwas anderes und entbehrt jeder Grundlage
Man sollte zwei Diskussionen nicht vermischen. Eine ist ökonomischer und politischer Natur. Die andere, völlig unterschiedliche, betrifft jene, die dieses Feld nutzen, um den Völkermord zu leugnen oder die Opferzahlen infrage zu stellen. Diese Positionen – wiederholt im Zusammenhang mit Opferbilanzen, der technischen Machbarkeit von Gaskammern oder den Bedingungen in den Lagern – werden durch keine Beweise gestützt, und Finkelsteins eigene These lehnt sie ab.
Was mit Zahlen diskutiert wird, ist die Proportion. Die jüdischen Opfer machen rund 8 % der gesamten Todesopfer des Zweiten Weltkriegs aus. Dass eine einzige Zahl fast das gesamte öffentliche Gedächtnis dominiert, während andere im Schatten bleiben, bedarf einer Erklärung. Dass das Ereignis nicht stattgefunden hat, ist diese Erklärung nicht.
Churchill, das Gesetz und die Daten, die nicht passen
Ein oft wiederholter Punkt in dieser Debatte: Winston Churchill starb 1965 und erwähnte, wie behauptet wird, den Holocaust in seinem umfangreichen Werk nicht. Der Aufstieg des Narrativs kam erst danach, mit dem Krieg im Juni 1967. In diesem Konflikt entsandten die USA ihre VI. Flotte in die Region, und das US-Schiff Liberty wurde angegriffen, was 34 Tote und 173 Verletzte zur Folge hatte; dreizehn offizielle Untersuchungskommissionen führten dies auf eine Identifikationspanne zurück.
Und ein juristisches Detail, das ebenfalls oft genannt wird: In Spanien wurde die Leugnung des Holocausts 2007, nach gängiger Darstellung, entkriminalisiert. Seit wann braucht eine Wahrheit den Schutz eines Gesetzes?
Mit diesen Fakten bleibt die Frage offen. Wenn das Kernproblem das auf der Erinnerung errichtete Geschäft ist, warum füllt dann die Leugner-Szene das Feld ohne einen einzigen Beweis? Und umgekehrt: Warum endet jemand, der dieses Geschäft anprangert, ohne etwas zu leugnen, außerhalb seines Lehrstuhls?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (331 Antworten).