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Ferraz am 9. November: Viele Kameras, wenige Demonstranten
Die Proteste vom 9. November 2023 in Ferraz verzeichneten hohe Medienpräsenz bei geringer Beteiligung, während das CGPJ den PSOE-Junts-Pakt kritisierte.
Proteste am 9. November: Live-Übertragungen, Festnahmen und geringe Beteiligung
Der Aufruf durchzog ganz Spanien: Am Donnerstag, dem 9. November 2023, sollte man auf die Straße gehen – vor der PSOE-Zentrale in Ferraz und im übrigen Land. Dies geschah Stunden nach der Unterzeichnung des Investiturabkommens zwischen PSOE und Junts sowie kurz nach dem Anschlag auf Vidal-Quadras. Die Berichterstattung wurde als dauerhafte Kameraüberwachung inszeniert. Was die Straßen zurückgaben, war jedoch weniger spektakulär: Hohe Medienpräsenz und eine Teilnehmerzahl, die nicht einmal die Bürgersteige füllte. Der Tag ließ sich besser daran messen, was nicht geschah, als an dem, was tatsächlich passierte.
Wann fanden die Demonstrationen am 9. November statt?
Die Uhrzeit wurde nie endgültig festgelegt: je nach Befragung um sieben oder acht Uhr abends. Diese Unklarheit spiegelte die allgemeine Lage wider. Zur zeitlichen Verwirrung kam die übliche Frage: Wer hatte eigentlich mobilisiert? Das generische Label „Protest vor der PSOE-Zentrale“ fungierte als Organisator, ohne konkrete Namen oder Plattformen dahinter.
Wer einen Massenstrom erwartete, sah stattdessen verstreute Gruppen und das Gefühl, dass der Kalender mehr Einfluss hatte als der Aufruf selbst. Das Datum war kein Zufall: Das Investiturabkommen war gerade unterzeichnet worden, und der Anschlag auf den Politiker hatte die Gemüter erhitzt. Alles deutete auf einen Höhepunkt der Mobilisierung hin. Kameras ja, Füße weniger.
Anschlag auf Vidal-Quadras: Keine bestätigte Täterschaft
Der Anschlag auf Vidal-Quadras diente als Auslöser für die Protestaufrufe. Bezüglich der Hintermänner bewegte sich die öffentliche Diskussion im Bereich der Vermutungen: Es wurde spekuliert, dass ein iranischer Reisepass unter den Hinweisen des Attentäters gefunden worden sei – ein Umstand, der nicht bestätigt war und nur als Hypothese gehandelt wurde, niemals als gesicherte Tatsache. Zum Zeitpunkt dieser Debatte liefen die Ermittlungen noch.
Die politische Nutzung dieses zeitlichen Zusammentreffens erfolgte sofort. Einige Analysen behaupten, der Angriff habe den Ton der Woche verändert und die Resonanz jeder einzelnen Demonstration verstärkt. Andere warnen genau vor dem Gegenteil: Eine Instrumentalisierung, bevor Fakten geklärt sind, schwäche jede spätere Protestbewegung. Dieser Punkt bleibt ungelöst.
CGPJ verurteilt den Pakt zwischen PSOE und Junts
Das Ständige Komitee des Generalrats der Justiz (Consejo General del Poder Judicial, CGPJ) sprach sich gegen das Abkommen aus. In einem Text vom 9. November 2023 um 21:36 Uhr bezeichnete das Gremium die Unterwerfung gerichtlicher Entscheidungen unter parlamentarische Überprüfung als „unzulässige Einmischung in die richterliche Unabhängigkeit“ und als „offenen Angriff auf die Gewaltenteilung“. Es gab keine halben Töne.
Diese Stellungnahme lieferte Munition für jene, die seit Wochen von einem institutionellen Konflikt sprachen. Andere argumentierten, das Kommuniqué komme zu spät und benenne keine konkreten Verantwortlichen. Parallel dazu kursierte eine Erklärung von Justizminister Bolaños, in der er laut verbreiteter Version einen „schmutzigen juristischen Krieg“ leugnete, aber von gefälschten Beweisen gegen politische Gegner sprach. Der Streit war damit entfacht.
Ferraz: Viele Live-Streams und ein halb leerer Bürgersteig
Trotz der laufenden Kameras war das Ergebnis gemischt. Die Übertragungen wurden mitten in der Nacht für etwa drei Minuten unterbrochen, was mit unbestätigten Festnahmen zusammenfiel. Manche verbrachten die ganze Nacht vor der sozialistischen Zentrale und kehrten mit einer unbequemen Erkenntnis zurück: Es protestierte niemand. Der Witz, man sei hereingelegt worden, fasst die Kluft zwischen digitalem Rauschen und realer Straße besser zusammen als jeder Bericht.
Es gab auch Platz für Unerwartetes. Der Livestream von Iker Jiménez, der um 22:00 Uhr begann, wurde zum Pflichttermin. Manche sahen in der zeitlichen Übereinstimmung einen Hinweis darauf, wie die Empörung kanalisiert wurde. Die städtische Infrastruktur blieb übrigens weitgehend unbeschädigt.
Zehntausend Friedliche, fünfzig Radikale: Die These der Infiltration
Eine Berechnung machte die Runde: Von den Teilnehmern eines jeden Tages seien etwa 10.000 friedlich gewesen, während nur rund 50 Chaos suchten; von diesen 50 seien die Hälfte Zivilbeamte gewesen, und von den verbleibenden 25 würden etwa zehn pro Nacht festgenommen. Diese Zahlen stammen von keiner offiziellen Quelle und müssen als Schätzung betrachtet werden. Sie ordneten jedoch gut die Erzählung jener, die behaupten, die Versammlungen dienten als Lockmittel, um die Aufgebrachten zu identifizieren.
Parallel dazu schätzten Beobachter den Polizeieinsatz auf etwa 3.000 Mitglieder der Einsatzkräfte. Offiziell äußerte man sich dazu nicht. Informelle Kanäle betonten, dass das Verhältnis zwischen Polizisten und Demonstranten der eigentliche Indikator des Tages sei.
Pazifismus, Boykott und Gewalt: Der tiefe Graben
Hier beginnt die Debatte, die nie endet. Eine Strömung verteidigt, dass Pazifismus der schnellste Weg sei, um eine Diktatur zu verhindern; eine andere entgegnet, dass in einem Land, in dem Gewalttäter ihre Ziele erreicht haben, der Ruf nach Mäßigung bedeute, Blumen an jene zu verteilen, die sie nicht wollen. „Gewalt funktioniert“, lautet eines der häufigsten Argumente.
Dagegen steht die Gegenargumentation: Man dürfe nicht auf beschriebene Unterdrückung mit denselben Mitteln reagieren, und Salonradikalismus nähre nur die Karikatur. Dazwischen liegen Vorschläge des alltäglichen Widerstands, vom kommerziellen Boykott bis zum Rückzug aus der institutionellen Politik. Nichts davon führte an diesem Tag zu vollen Straßen.
Mit dieser Mischung hinterließ der Tag eher Schlagzeilen über rechtliche Schritte – insbesondere das Urteil des CGPJ – als über die Situation auf der Straße. Der Protest, der als großes Erwachen angekündigt wurde, blieb bei einem Tropfen von Live-Übertragungen, Festnahmen ohne offizielle Zahlen und einer Frage, die täglich neu auftaucht: Wie viele derer, die minütlich online folgen, sind bereit, physisch auf die Straße zu gehen? Am 9. November ging diese Rechnung nicht auf. Und die Analyse scheitert genau dort.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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