FEMSOC-These: Spaniens Gleichstellungspolitik als neuer Sozialismus

Die FEMSOC-Theorie sieht in der Gleichstellungspolitik einen wiedergeborenen Sozialismus, gestützt auf 55 Femizide 2019 und 166.961 Anzeigen 2018.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Peking 1995 und der Wandel vom Klassenkampf zur Geschlechterfrage

1982 gewann die PSOE die Wahlen mit einem Programm, das geschlechtsspezifische Gewalt und Lohnunterschiede ignorierte. Dreizehn Jahre später fand im September 1995 die Weltfrauenkonferenz in Peking statt. Manche bezeichnen die daraus entstandene Staatsideologie als FEMSOC – Sozialismus mit lila Anstrich –, während andere sie als übliche europäische Gleichstellungspolitik betrachten. Diese Uneinigkeit definiert, wo im 20. Jahrhundert die ideologische Grenze gezogen wurde.

Die These: Vom Klassenkampf zum Geschlechterkampf

Befürworter des Konzepts FEMSOC argumentieren, dass die Linke nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks zwischen 1989 und 1991 einen neuen Bezugspunkt brauchte. Dieser sei durch den Austausch von Kategorien entstanden: Wo Marx Proletarier und Kapitalist setzte, stehen nun Frau und Mann. Kritiker verweisen auf die institutionelle Sprache: „Frauen schützen“ habe „Arbeiter schützen“ ersetzt. Nicht alle Analysen teilen diese Diagnose; einige sehen im institutionellen Feminismus eine natürliche Entwicklung der 90er-Jahre, nicht als recycelten Sozialismus. Befürworter betonen, dass vor 1995 moderne Normen wie Ausnahmegesetze und Opferzähler nicht existierten.

Das Gesetz von 2004: Einstimmigkeit und internationale Ursprünge

Ein wiederkehrendes Datum ist das Organgesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt, das 2004 einstimmig und ohne nennenswerte Parlamentsdebatte verabschiedet wurde. Der Text erkennt an, dass er den Empfehlungen internationaler Organisationen folgt, um eine globale Antwort zu geben. FEMSOC-Befürworter sehen darin einen Souveränitätsverlust, während Kritiker darauf hinweisen, dass die Berufung auf internationale Standards bei modernen Gesetzen üblich ist.

Das zeitliche Argument hebt hervor, dass die PSOE zwischen 1982 und 1995 regierte, ohne spezielle Schutznormen zu erlassen, sondern stattdessen diskriminierende Passagen aus dem frankistischen Strafgesetzbuch strich. Das Schlüsseljahr ist die Pekinger Konferenz von 1995, abgehalten in einem Land ohne freie Wahlen – ein Paradoxon, das Verteidiger als zufällig und Kritiker als aufschlussreich betrachten.

Von Restfällen zu öffentlichen Zählern

Archive der 80er-Jahre zeigen, dass Tötungen durch Partner, damals „häusliche Gewalt“ genannt, als Randerscheinungen mit 30 bis 40 Fällen pro Jahr behandelt wurden. Es gab keine öffentlichen Zähler. Das änderte sich. 2019 wurden 55 Femizide registriert, laut zitierten Aufzeichnungen die höchste Zahl seit fünf Jahren.

Der quantitative Sprung beschränkte sich nicht nur auf die Zählung. 2018 gab es 166.961 Anzeigen wegen geschlechtsspezifischer Gewalt und 17.113 vorsorgliche Zivilmaßnahmen, meist zum Schutz von Minderjährigen. Die Kluft zwischen Anzeigen und Maßnahmen – weniger als eine pro neun Anzeigen – wird von einigen als Beweis für ineffiziente Verwaltung gesehen, während andere argumentieren, dass viele Anzeigen keine solchen Maßnahmen erfordern.



La Manada und La Arandina: Urteile und Beweisdiskussion

Zwei konkrete Fälle nähren den schärfsten Teil der Debatte: die 15-jährigen Haftstrafen für fünf junge Männer im Fall La Manada und 38 Jahre im Fall La Arandina. FEMSOC-Befürworter beschreiben diese Prozesse als solche, in denen die Unschuldsvermutung hinter der Erzählung des Opfers zurücktrat. Verteidiger der Urteile weisen darauf hin, dass zwei Instanzen existieren, Gerichte auf Basis von Beweisen entscheiden und die Bezeichnung „politischer Prozess“ Delegitimierung ohne Argumentation darstellt.

Ein oft betontes Detail ist, dass ein Urteil Widersprüche in der Zeugenaussage anerkannte. Für manche entwertet dies das gesamte Urteil; für andere spiegelt es genau wider, wie die gerichtliche Beweiswürdigung funktioniert, die keine perfekte Kohärenz verlangt.

Der Bruch, der nicht in Schlagzeilen steht

Die Front ist nicht homogen. In den letzten Jahren hat der Streit zwischen klassischem Feminismus und der Trans-Bewegung den Raum gespalten. Lidia Falcón kritisierte offen das von Irene Montero geförderte Trans-Gesetz und stellte Fragen zur Hormonbehandlung von Minderjährigen. Dies ist dieselbe Linke, die 2004 das Organgesetz einstimmig verabschiedete, aber nun uneins ist über das Subjekt der geschützten Rechte.

Der Vorfall, in dem die sozialistische Fraktion im Kongress versuchte, Personen zu verfolgen, die der Prämisse widersprechen, dass Gewalt allein aufgrund des weiblichen Geschlechts erfolgt, schürt die Kontroverse weiter. Manche sehen darin eine Einschränkung der Meinungsfreiheit; andere betrachten es als Maßnahme ohne strafrechtliche Wirkung, deren Bedeutung übertrieben wurde.

Konflikt, Pandemie und statistische Widersprüche

Eine Kuriosität im letzten Abschnitt betrifft die Daten von 2020. Während des Lockdowns starben zwei Frauen in zwei Monaten. In den vorhergehenden zweieinhalb Monaten waren es sechzehn. Einige argumentieren, der Rückgang zeige, dass die Isolation die Erfassungsdynamik veränderte; andere sagen, der Lockdown habe die Exposition gegenüber Tätern reduziert. Dieselben Daten stützen je nach Interpretation gegensätzliche Thesen.



Ist FEMSOC eine Staatsideologie oder nur ein Name, den manche der Gleichstellungspolitik geben? Die Antwort hängt davon ab, wann man den Wendepunkt datiert und ob man glaubt, dass Peking 1995 mehr als nur das Ministeriumsvokabular geändert hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (135 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver