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Feindschaft im Internet: Mythos, Pose oder Filterwerkzeug
Die Frage, ob man Feinde im Internet hat, spaltet die Nutzer: Die einen tragen keinen Groll, die anderen prahlen mit ihrer Blockierliste als Qualitätsfilter.
Digitale Feindschaft: zwischen Mythos und Filterwerkzeug
Haben Sie Feinde im Internet? Die Frage, ungeschönt gestellt, spaltet die Runde in zwei unvereinbare Lager: diejenigen, die behaupten, niemandem Groll zu hegen, und diejenigen, die zugeben, eine Liste zu führen – kurz, aber erlesen. Das Gespräch beginnt mit einem Eingeständnis von Skepsis – sich zu ärgern ist nicht dasselbe wie ein Feind zu sein, da liegt ein Unterschied – und mündet in ein Inventar alter Rivalitäten, die wie IKEA-Möbel ewig schienen und am Ende demontiert wurden.
Die Erinnerung an die Scharmützel
Ein stillschweigender Konsens herrscht: Die großen Feindschaften des Netzes sind allmählich verklungen. Was damals wie die Weltbedeutung wirkte – mit seiner Seifenoper, seinen gebannten Accounts und seinem verlorenen Archiv – wird heute als Nichtigkeit in Erinnerung gerufen, die von allein verkümmerte. Einer der Protagonisten jener Auseinandersetzungen fasst es ohne Dramatik zusammen: "Diese Geschichte ist längst vorbei." Der Schluss daraus: Digitale Feindschaft hat ein Verfallsdatum, und das kommt fast immer früher, als man erwartet.
Das andere Lager glaubt hingegen nicht an Versöhnung. Wer sich zeigt, hat Feinde, behaupten manche, und präsentieren das als Zeichen guter psychischer Gesundheit. Die Logik ist einfach: Wenn dir niemand widerspricht, liest dich vielleicht niemand. Die Zahl, die da kursiert – ohne statistische Genauigkeit –, liegt bei rund zweihundert Personen, die von einer einzigen Person ignoriert werden, was die Blockierliste zu einer Art umgekehrtem Lebenslauf macht.
Die Ignorieren-Taste als Qualitätsfilter
Das Star-Werkzeug ist nicht die Beleidigung, sondern das Schweigen. Die Ignorieren-Funktion wird als große Erfindung gefeiert: Sie filtert die Feindseligen aus, lässt die Sympathischen sichtbar und spart Zeit und Energie. Mehrere Teilnehmer geben zu, sie ohne Skrupel zu nutzen, und empfehlen die Praxis, wie man eine Diät empfiehlt. Das Ergebnis ist eine Community nach Maß, in der sich jeder sein eigenes Ökosystem aus wohlwollenden Stimmen baut.
Es fehlt nicht an denen, die die Ironie auf die Spitze treiben und gestehen, keine Feinde zu haben, weil sie auch keine Freunde haben. Einsamkeit als Schild. Und jemand, der in einer unerwarteten Wendung warnt, die eigentliche Gefahr drohe nicht von vorn, sondern von Freunden, die einen von hinten erdolchen. Misstrauen ist jedenfalls im Aufwind.
Von der Feindschaft zur Schau
Die Angelegenheit hat auch ihre Unterhaltungsseite. Die alten Streitereien werden wie ein Kultfilm in Erinnerung gerufen, den nur die Veteranen gesehen haben, und man bedauert, dass ein guter Teil des Materials durch Bans und gelöschte Archive verloren gegangen ist. Manche behaupten, bestimmte Figuren seien Säulen der lokalen Mythologie, selbst wenn sie ihre Angewohnheiten abgelegt haben. Feindschaft ist im Grunde geteilte Erinnerung.
Die Frage, die in der Luft hängt: Ist das alles Pose oder Notwendigkeit? Wahre Gesundheit, ironisieren manche, bestehe darin, die Freunde nahe und die Feinde noch näher zu haben. Andere ziehen dagegen den Frieden der Ignorieren-Taste vor und lesen schlicht nicht mehr, wer ihnen nichts bringt. Am Ende hängt die Antwort davon ab, ob man das Netz als Debattiersalon oder als Schlachtfeld versteht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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