60% der Mieter zahlen mehr als 30% des Gehalts für die Miete
Nahezu die Hälfte der Bevölkerung – 45,7% – musste in den letzten zwölf Monaten ihre Ausgaben für Nahrungsmittel, Strom, Wasser oder Heizung senken. Gleichzeitig wenden 60% der Mieter mehr als 30% ihres Einkommens für die Mietzahlung an den Vermieter auf, und jeder fünfte Haushalt gibt über die Hälfte seines gesamten Einkommens dafür aus. Die Daten stammen aus einer Umfrage von 40dB mit über 4.000 Interviews und Fokusgruppen. Das Gesamtbild bleibt düster: 38,2% könnten eine unerwartete Ausgabe von mehr als 600 Euro nicht stemmen.
Auf der anderen Seite sieht das Bild anders aus. Die Schuld liege nicht beim Vermieter, heißt es. Hier beginnt ein seit Jahren festgefahrener Streit, der Gesetze, Inflation, Wohnungsangebot und Löhne vermischt.
40% sparen bereits bei Fleisch oder Fisch
Vier von zehn Befragten haben ihren Kauf von Fleisch oder Fisch reduziert. Je kleiner das Budget, desto größer die Einschnitte: In niedrigen sozioökonomischen Schichten liegen die Kürzungen bei Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und anderen Grundnahrungsmitteln – Milch, Eier, Kartoffeln, Öl – mehr als zehn Punkte über dem Durchschnitt, ebenso wie die Reduktion bei Kleidung und Schuhen. Es ist keine Frage der Diät, sondern der Haushaltsarithmetik: Wenn das Geld nicht reicht, fehlt zuerst das Essen und die Bekleidung.
Die Kluft vertieft sich nach Geschlecht und Herkunft. Jene 45,7%, die bei Essen oder Grundversorgern gespart haben, liegt bei Frauen über 49% und bei ethnischen Minderheiten bei 58,4%. Die Variable, die alles andere bestimmt, bleibt jedoch das Einkommen.
Mieten, die das gesamte Gehalt auffressen
Die Hälfte der Hypothekenzahler und 60% der Mieter geben mehr als 30% ihres Einkommens für Wohnkosten aus. Unter den Mietern muss jeder fünfte Haushalt mehr als die Hälfte seines gesamten Einkommens an den Vermieter abführen. Ein Indikator für die finanzielle Not vor einem Zahlungsausfall zeigt: 30,4% der Mieter unter 25 Jahren konnten ihre vertraglichen Zahlungsfristen nicht einhalten, im Vergleich zu knapp 20% im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.
In Euro umgerechnet wird das Bild konkret. In Madrid erreichen die meisten Mieten 1.000 Euro; im Umland – Torrejón, Alcalá, Fuenlabrada – sinken sie nicht unter 800 oder 900 Euro. Diese Rate zu decken erfordert Nettoeinkommen zwischen 2.400 und 2.700 Euro, eine Spanne, die viele Menschen nicht erreichen. Egal wohin man schaut: Die Bandbreite wiederholt sich.
Schuld des Vermieters, des Gesetzes oder des Marktes?
Ein Argument besagt, dass der Anstieg nicht auf Gier des Vermieters zurückzuführen sei, sondern auf den rechtlichen Rahmen und die Rechtsunsicherheit. Die Rücknahme einer Wohnung wegen Mietschulden kann Jahre dauern, das Gerichtsverfahren ist langsam und endet oft damit, dass der Mieter in ein Verzeichnis der Zahlungsverweigerer eingetragen wird, was ihm zukünftige Anmietungen erschwert. Ein anderer Blickwinkel richtet sich auf die steuerliche Last: 20% Einkommensteuer, 32% Sozialversicherungsbeiträge und 21% Mehrwertsteuer lassen wenig Spielraum, während der Vermieter die Miete nur um 2% oder 3% erhöhen darf, obwohl die Verbraucherpreisindex (VPI) stark ansteigt.
Dagegen steht die gegenteilige Diagnose. Der Preis wird nicht durch Kosten bestimmt, sondern durch das, was der Markt trägt. Wenn die Wohnung im Viertel für 900 Euro vermietet wird, geht die daneben auch für 900 Euro raus, selbst wenn sie dieselben Möbel aus den 90ern hat. Die häufigste Analogie ist keine Immobilienfrage: Wer versucht, ein gebrauchtes Handy für 500 Euro zu verkaufen, wenn es auf dem Gebrauchtmarkt für 50 Euro gehandelt wird, findet keinen Käufer. Mit Wohnungen wäre es ähnlich, argumentiert man, nur dass das verfügbare Angebot so knapp ist, dass der Mieter nirgendwohin gehen kann.
Der Streit ist nicht trivial. Er definiert, ob das Problem durch Regulierung, Neubau oder Marktliberalisierung gelöst wird, und jede dieser drei Antworten hat ihre eigenen Kosten.
Weniger Bau, mehr Nachfrage
Das am häufigsten genannte Argument für die Wurzel des Problems ist das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Im letzten Jahrzehnt wurde weniger gebaut als nötig, was zu einem harten Wettbewerb um jede verfügbare Wohnung führt; manche führen dies zusätzlich auf die steigende Nachfrage nach Mietwohnungen zurück. In Madrid trifft dieser Sturm auf ein sehr starres Angebot und eine regionale Steuerpolitik, die Kapital anziehen soll: Die sogenannte Mbappé-Gesetzgebung ermöglicht ausländischen Investoren eine 20%-Steuerabschreibung für Investitionen in der Region.
Manche verteidigen, dass das Problem nicht Gier sei, sondern Marktmechanismen: Wohlbefinden hängt nicht vom guten Willen des Vermieters ab, sondern davon, dass ein wettbewerbsfähiger Markt existiert. Die unbequeme Schlussfolgerung lautet, dass ein Sektor, der mehr Angebot braucht, auf ein Klima stößt, das dieses hemmt. Angebot lässt sich nicht über Nacht schaffen, und jedes Jahr ohne Baustellen erhöht den Druck auf die bestehenden Wohnungen. Wer Geld hat, kann ins Ausland gehen und weiter mieten. Wer ein Dach über dem Kopf braucht, nicht.
Mit diesen Zahlen kollidiert die offizielle Rhetorik mit der Realität: Fast die Hälfte der Bevölkerung spart bei Essen, während die Wohnkosten die Hälfte eines Gehalts absorbieren. Der Konflikt dreht sich nicht mehr darum, wie sehr es wehtut, sondern wer die Rechnung zahlt. Und genau an diesem Punkt gerät die Analyse ins Stocken.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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