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Fast 25 % der jungen Spanier halten Demokratie für nicht besser als den Franquismus
Laut einer CIS-Umfrage, auf die Ana Iris Simón verweist, halten fast 25 % der jungen Menschen die Demokratie für gleich schlecht oder schlechter als den Franquismus.
Jeder vierte junge Spanier hält die Demokratie für gleich schlecht oder schlechter als den Franquismus
Die CIS-Zahl, die den politischen Herbst in Spanien erschüttert hat, lautet: Fast 25 % der 18- bis 24-Jährigen halten das heutige demokratische System für gleich schlecht oder schlechter als die Franco-Diktatur. Ana Iris Simón hat sie in einem Artikel in El País veröffentlicht, der eine unbequeme Debatte ausgelöst hat, weil er die jungen Leute nicht einfach verspottet, sondern fragt, welche unerfüllten Versprechen diese Nostalgie genährt haben. Die Autorin, die sich als Enkelin eines kommunistischen Häftlings in Valdenoceda bezeichnet, bestreitet die Zahl nicht: Sie ordnet sie ein. Und dabei trifft sie einen Nerv, der über Spanien hinausreicht.
Was wird am Franquismus eigentlich vermisst?
Die zentrale These des Artikels lautet, dass junge Menschen nicht den Faschismus vermissen, sondern Souveränität, Gewissheiten und die Möglichkeit, von ihrer Arbeit leben zu können. Simón veranschaulicht das mit einem Vergleich, der wehtut: Der Bau von öffentlichem Wohnraum während des Franquismus war weit größer als heute. „Was nützt es, Joch und Pfeile von den Sozialwohnungen zu entfernen, wenn keine vergleichbaren Blöcke mehr gebaut werden?“, fragt sie. Es ist eine kalkulierte Provokation. Denn der Franquismus, so erinnert sie, stecke nicht nur in Geschichtsbüchern, sondern in der Literatur, in den Nachrichtensendungen, in Museen und in der mündlichen Erinnerung vieler Familien.
Der Artikel verfällt nicht der Falle, Diktatur und Demokratie gleichzusetzen. Im Gegenteil: Er weist darauf hin, dass sich das Phänomen in Ländern des ehemaligen Sowjetblocks wiederholt, wo Bauern mit kommunistischen Flaggen auf die Straße gingen. Dahinter stehe, so das Argument, eine gemeinsame Frustration über die unerfüllten Versprechen der Globalisierung und der liberalen Demokratie. Die Antwort, die junge Menschen erhalten, laute: Nicht beschweren, es könnte schlimmer sein. Und so wahr das auch sein mag – Zukunft baut das nicht auf.
Wohnraum als Symbol der Generationenspaltung
Das Thema Wohnraum zieht sich durch die gesamte Debatte. Kein Zufall. Unter Franco wurden Tausende geförderter Wohnblöcke gebaut, die bis heute stehen, manche mit Joch und Pfeilen an der Fassade. Heute ist die Klage die gegenteilige: Es wird kein öffentlicher Wohnraum gebaut, und die Mieten fressen den Mindestlohn auf. Manche halten diesen Kontrast für eine bessere Erklärung der Jugendverdrossenheit als jede Rede. Im Grunde wird nicht das Regime vermisst, sondern die materielle Stabilität, die ein intervenierender Staat bot.
Die Diskussion driftet hin zur Rolle des Staates in der Wirtschaft. Eine Analyserichtung vertritt die Auffassung, dass der Nachkriegswohlstand nicht vom Liberalismus kam, sondern von staatstragenden Politiken, die im West- wie im Sowjetblock gleichermaßen galten. Die sogenannten dreißig glorreichen Jahre wären mit dem Aufkommen des Neoliberalismus in den Achtzigern zu Ende gegangen. Von da an, so das Argument, wurde Wohnraum zum Finanzaktiv und stabile Beschäftigung zur Erinnerung. Das ist keine neue Lesart, aber sie trifft den Unmut einer Generation, die nichts anderes als Krisen und Prekarität kennengelernt hat.
Der Unmut ist kein spanisches Phänomen
Simón betont, dass sich das Phänomen in Osteuropa wiederholt, wo die Nostalgie auf den Kommunismus ebenfalls bei jungen Menschen verfängt. Der Vergleich ist nicht belanglos: Er deutet an, dass das Problem nicht die historische Erinnerung jedes Landes ist, sondern etwas Tieferes. Die Globalisierung versprach Wohlstand und Demokratie; hinterlassen hat sie vielerorts Ungleichheit und Enttäuschung. Junge Menschen wählen keine Diktaturen, aber sie verteidigen auch kein System, das ihnen nicht gegeben hat, was sie erwartet hatten.
Manche lesen in diesem Unmut einen bloßen Generationenstrotz. Andere sehen ein Warnsignal. Der Artikel löst die Spannung nicht auf, stellt aber unbequeme Fragen: Auf welchen Franquismus beziehen sich die jungen Leute? Auf den der vierziger oder den der siebziger Jahre? Was erscheint ihnen beneidenswert: die rechtliche Ungerechtigkeit gegenüber Frauen oder der öffentliche Wohnungsbau? Das sind Fragen, die alle verunsichern – auch jene, die jeden jungen Menschen mit Zweifeln schnell als Faschisten abstempeln.
Die Schlussfolgerung, falls es eine gibt, lautet: Die Unzufriedenheit der Jugend bekämpft man nicht mit Memes oder Herabwürdigungen, sondern mit materiellen Antworten. Und die fehlen vorerst weitgehend. Wenn der Trend anhält, wird der Prozentsatz wohl weiter steigen, wobei niemand so recht weiß, wohin das führen kann. Klar ist: Das Problem wird sich nicht dadurch lösen lassen, dass man es ignoriert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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