EZB warnt vor fast systemischem Risiko durch Krypto

Der FSB stuft Kryptoassets mit 3,4 Billionen USD als nahezu systemisches Risiko ein. Über die Hälfte der gelisteten Tokens ist bereits gescheitert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EZB warnt vor fast systemischem Risiko durch Krypto
EZB stuft Kryptoassets von harmlos auf systemische Bedrohung hoch

Der Financial Stability Board (FSB) hat jahrelang betont, dass Kryptoassets kein Risiko für das Finanzsystem darstellen. Diese Haltung ändert sich nun. Sein Präsident, der niederländische Zentralbanker Klaas Knot, warnte in Madrid, dass der Markt einen «Kipppunkt» erreicht habe, an dem er «nahezu als systemisches Risiko» eingestuft werden könnte – ähnlich wie Immobilien oder Aktien und Anleihen. Die Zahl hinter dieser Diagnose: 3,4 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung, mehr als zwei ganze spanische Volkswirtschaften. Das Paradoxe daran ist die Ursache. Es war nicht ein Crash, der die Alarmglocken läutete, sondern der Erfolg des Marktes selbst.

Warum die EZB jetzt von einer systemischen Bedrohung spricht

Jahrelang lautete das offizielle Argument, dass die extreme Volatilität von Bitcoin & Co. den Rest des Systems nicht anstecke. Dieser Schutzschild ist nun durchbrochen. Das Wachstum des Marktes und seine Verflechtung mit dem traditionellen Bankensektor führen dazu, dass Preisschocks oder Vertrauensverluste erhebliche Auswirkungen auf die Finanzstabilität und damit auf die Realwirtschaft haben können. Die praktische Konsequenz, die der Aufseher nennt, ist unbequem: Zentralbanken müssen diesen Markt bei der Gestaltung der Geldpolitik und Regulierung in ihre Variablen einbeziehen. Übersetzt bedeutet das, dass Krypto kein Nischenthema mehr ist, sondern auf die Tagesordnung der Zinsentscheider rückt.

Der Token-Friedhof: 3,7 Millionen sind nicht mehr notiert

Die Warnung trifft auf ein Ökosystem, das von unten her blutet. Von den fast 7 Millionen auf GeckoTerminal gelisteten Tokens haben 3,7 Millionen ihre Notierung eingestellt, was 52,7% der Gesamtzahl entspricht. Mehr als die Hälfte der seit 2021 gegründeten Projekte sind heute digitale Leichen: gebrochene Versprechen, Launches ohne Produkt und Tokens, die nie etwas wert waren. Die Branche prahlt mit disruptiver Innovation; ihr Sterberegister sagt etwas anderes aus. Dass der Markt nahe seinen Höchstständen notiert, während sich die Peripherie auflöst, ist kein geringfügiger Widerspruch: Es ist das Porträt einer Struktur, in der wenige Namen das Wasser abgraben und der Rest die Wüste teilt.

Tether, die Brücke zwischen Bitcoin und US-Schulden

Es gibt eine Verbindung, die oft aus den Schlagzeilen fällt. Tether, der größte Emittent von Stablecoins, investiert Fiat-Geldzuflüsse in kurzfristige US-Schatzwechsel. Im Thread wird für 2025 eine Summe von 120 Milliarden US-Dollar genannt, eine Position, die sie als Halter von US-Staatsschulden vor ganze Länder stellen würde. Nach diesem Ansatz vergrößert jeder Kauf von USDT – egal wie kurz der Käufer ihn hält – diese Bilanz und treibt die Nachfrage nach Anleihen. Das heißt, ein Teil des Geldes, das in das Krypto-Ökosystem fließt, würde letztlich das mächtigste Schatzamt der Welt finanzieren, während die Erzählung genau das Gegenteil verkauft. Ob Bitcoin dem System dient oder das System Bitcoin, ist eine Diskussion, die niemand abgeschlossen hat.

Ist Bitcoin wertlos oder die beste Wertanlage?

Hier bricht die Diskussion auseinander. Eine Strömung der Analyse behauptet, der Bitcoin-Preis sei spekulativer Rauch: Ohne Nutzenwert, ohne wahrgenommenen Wert außerhalb des Kults und ohne staatlichen Zwang wäre sein Zielwert null, sobald die Blase abgezogen ist. Der Vergleich mit dem Nasdaq von 1999 ist gängig: Laut dieser Analyse wurde damals ein spekulativer Anteil von 78% geschätzt, der sich später korrigierte und nur das übrig ließ, was ein echtes Geschäft dahinter hatte. Die andere Seite am Tisch antwortet mit unbequemen Daten für die offizielle Erzählung: Es ist das erste Asset, das jeder rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, überprüfen kann, es hat eine begrenzte Emission, hängt von keiner Zentralbank oder Regierung ab und bewegt sich ohne Erlaubnis. Und sie fügen ein Detail hinzu, das schmerzt: Laut seinen Befürwortern steht es bereits als fünftgrößtes Asset weltweit nach Marktkapitalisierung, knapp davor, zwei weitere Positionen zu überholen. Keine der beiden Seiten scheint bereit nachzugeben.

Die Euro-Inflation, die nicht auf den Titelseiten erscheint

Mitten in der Debatte taucht die verwirrende Frage auf: Welchen Wert haben die Bürger der EU seit 2021 durch die Inflation des Euro verloren? Laut demjenigen, der diese Frage stellt, verschiebt der Vergleich mit den Verlusten durch Kryptowährungen die Diskussion auf eine andere Ebene. Der stille Raub des Fiat-Geldes erzeugt keine Crash-Charts oder Panikschlagzeilen, weil er kontinuierlich und allgegenwärtig ist: Alle verlieren jedes Jahr ein wenig, und kaum jemand bemerkt es. Der Verlust bei Bitcoin geht, wenn er eintritt, in eine einzige Richtung: von denen, die mit Glauben eingestiegen sind, hin zu denen, die das Geschäft von Anfang an kontrollierten, so dieselbe Stimme. Dies ist das Argument, das die bedingungslosen Verteidiger der Einheitswährung am meisten beunruhigt.



Mit 3,4 Billionen US-Dollar im Spiel und einem Aufseher, der das Wort «systemisch» nun ausspricht, bleibt abzuwarten, ob die Warnung der EZB das Prolog zu strenger Regulierung ist oder der erste Schritt, um nicht vom Verteilungskampf ausgeschlossen zu werden.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (206 Antworten).

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