Europa ist überbankt: Die EZB öffnet die Tür zur Anpassung
„Europa ist im Vergleich zu den Vereinigten Staaten überbankt, und ein gewisses Maß an Konsolidierung ist erforderlich.“ Dies sind die Worte von Elizabeth McCaul, Mitglied des Aufsichtsgremiums der Banco Central Europeo (Europäische Zentralbank), in einem Interview mit dem Medium Capital, das über den offiziellen Account der Institution verbreitet wurde. Übersetzt in die Sprache der Straße: Es gibt zu viele Banken. Und wenn es zu viele Banken gibt, gibt es zu viele Filialen, zu viel Doppelarbeit und, obwohl niemand dies in die Schlagzeile setzt, wird am Ende ein Teil der Belegschaft überflüssig.
Das Paradoxon besteht darin, dass die Warnung kommt, als die Anpassung bereits weit fortgeschritten ist. Die Branche schließt seit Jahren Filialen, kürzt Öffnungszeiten und ersetzt Schalter durch Apps. Manche schätzen, dass das Bankgewerbe sein Personal in den letzten Jahren durch Automatisierung und Serviceverschlechterung um mehr als 50-60 % reduziert hat. Was Frankfurt daher verlangt, wäre nicht der Beginn der Schrumpfkur, sondern der letzte Dreh an der Schraube.
Was Banken-Konsolidierung in der EZB-Sprache bedeutet
Konsolidieren bedeutet im Aufsichts-Jargon fusionieren. Weniger Institute, größer und besser kapitalisiert. Wenn zwei Banken zusammengehen, verschwindet zuerst die doppelte Struktur: regionale Direktionen, sich gegenseitig konkurrenzierende Filialen, parallele Abteilungen. Die Branche nennt dies Synergien. Die Straße nennt es Entlassungen, und sie liegt damit nicht allzu falsch.
Die unter Beobachtern vorherrschende Lesart ist, dass die Institution von Konzentration spricht: Dass es zu viele Banken gibt, die weder gescheitert noch von den Großen übernommen wurden. Das heißt, Lizenzen und Einlagen, die die großen Player noch nicht vollständig kontrollieren.
Warum Konsolidierung nach Entlassungen klingt
Weil es nie anders klang. Jede Bankenfusion der letzten Jahrzehnte ging einher mit Personalabbauplänen und verdeckten Vorruhestandsregelungen. Wer behauptet, diesmal sei alles anders, hat die Bilanzen der bereits fusionierten Institute nicht geprüft.
Ein Nuance sollte man nicht außer Acht lassen: Vorruhestand ist kein regulärer Ruhestand, auch wenn er so genannt wird. Wer ihn bezieht, zahlt Sozialversicherungsbeiträge und Einkommensteuer wie jeder andere Angestellte. Das tröstet kaum jemanden, der 52 Jahre alt ist und eine Hypothek hat.
Der Kunde, der die Filiale nicht mehr betritt
Mobiles Banking funktioniert. Überweisungen, Kontostände, Aktien, Produktabschlüsse: Manche haben einen Hypothekenvertrag unterschrieben, ohne jemanden von der Bank gesehen zu haben, und betrachten dies als enorme Verbesserung, bis hin zur Weigerung, wieder in einer Schlange zu stehen. Dieser Kunde existiert und wird immer zahlreicher.
Das Problem tritt auf, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Ein gesperrtes Konto zwang dazu, drei Filialen aufzusuchen, weil das System verlangte, den Personalausweis in der ursprünglichen Filiale vorzulegen, die 40 Kilometer entfernt im Zentrum einer Großstadt lag. Ein anderer Fall: 800 Kilometer Hin- und Rückweg für eine Unterschrift nach 30 Jahren Kundenhistorie, gefolgt von der Kündigung des Kontos beim Verlassen des Gebäudes. Die unbequeme Frage: Wenn die Filiale kaum noch nützlich ist, warum muss der wichtige Vorgang dann noch halbwegs quer durch die Provinz führen?
Und dann sind da die Öffnungszeiten. Filialen öffnen nur vormittags, Termine sind nötig, um Gebühren zu reklamieren, bestimmte Vorgänge sind zeitlich begrenzt. Für Berufstätige ist die Bank eine weitere Behörde: Man geht entweder im Urlaub oder beantragt frei.
Bargeld, Geldautomaten und der Tag, an dem der Strom ausfällt
Bargeld geht zurück, und damit das physische Netz. Eine Geldstrafe, die keine elektronische Zahlung akzeptierte, wurde schließlich am Schalter bezahlt, mit einem Aufschlag von zwei Euro für die Betreuung und eine Zufriedenheitsumfrage als Trinkgeld. Neue Karten haben nicht einmal mehr eingeprägte Nummern: Man muss den dynamischen Sicherheitscode in der App prüfen, und dieser Code verfällt innerhalb weniger Minuten.
Hier beginnt die grundlegende Debatte. Es wird wiederholt, dass physisches Geld weniger als 7 % der Geldmenge darstellt und dass Guthaben nichts anderes als Daten auf einem Server sind. Wenn das stimmt, wird jeder längere Strom- oder Netzausfall von einer Anekdote zu einem primären Problem. Einen Papier-Nachweis gibt es nicht, weil niemand daran gedacht hat.
In diesem Umfeld kursiert der Verdacht, dass Schließungen darauf abzielen, den digitalen Euro zu erzwingen und Zahlungen zu kontrollieren. Es ist eine Hypothese ohne Beweise, die als solche behandelt werden sollte: ein Verdacht.
Beamte und Banken: Zwei Wege, einen Service zu verschlechtern
Die Parallele zur öffentlichen Verwaltung drängt sich auf. Das Bankgewerbe hat Personal durch Automatisierung und schlechteren Service abgebaut; die Verwaltung hat ebenfalls in Automatisierung investiert, den Service verschlechtert und dennoch Jahr für Jahr Personal aufgebaut. Bei der Sozialversicherung wurde das Personal einst um ein Drittel gekürzt, inklusive Protesten, und nun wird es durch massive Einstellungsrunden wieder aufgefüllt.
Im Bildungswesen ging die Anpassung in die andere Richtung: Das Verhältnis von Schülern zu Lehrern sank von 40 auf 25. Im Kern der Sache stehen Vertretungskräfte und Stabilisierungsverfahren, die jene fest angestellt haben, die kaum eine Stelle ergatterten, mit Gewerkschaften, die angeblich jede Reform torpedieren. Das alles ist Meinung, keine Tatsache. Aber es erklärt, warum die Debatte so hitzig geführt wird.
Wie viele Banken sind in Europa überflüssig?
Niemand hat eine Zahl auf den Tisch gelegt. Die EZB sagt, es gebe Überkapazitäten, aber nicht wie viele. Dort liegt die Schwachstelle des Arguments: Ohne Zahl gibt es keinen Plan, und ohne Plan ist das Einzige vorhersehbare, dass Fusionen kommen und die Kürzungen von denen getragen werden, die hinter dem Schalter stehen.
1994 erklärte Bill Gates, dass Banking notwendig sei, Banken aber nicht. Drei Jahrzehnte später gibt es weiterhin Banking, weiterhin Banken, aber Filialen verschwinden. Gewinnt der Kunde mit weniger Instituten und mehr Apps? Frankfurt scheint sich sicher zu sein. Wer 40 Kilometer von seiner Filiale entfernt lebt, sieht das anders.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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