Exorzismus und Psychiatrie: Der Besessenheits-Streit, den die Wissenschaft nicht beendet

Exorzismus lebt in der Vorstellungswelt weiter, während die Psychiatrie ihn als Epilepsie, Schizophrenie oder extremen Stress erklärt. Manche behaupten, dass in fast 100 % der Fälle…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Exorzismus und Psychiatrie: Der Besessenheits-Streit, den die Wissenschaft nicht beendet
Besessenheit: Wenn das Gehirn ausfällt und der Priester zu spät kommt

Ein Mann mit fortgeschrittener Demenz glaubt, dreizehn zu sein, und dass seine Mutter noch lebt. Sein Enkel erzählt es ohne Dramatik, wie man ein defektes Haushaltsgerät beschreibt: Wenn das Betriebssystem und die Festplatten ausfallen, ist alles plausibel. Die Szene, banal und schrecklich zugleich, ist dieselbe, die sich jahrhundertelang in Ritual, Weihwasser und Latein kleidete. Die Frage, die über der Sache schwebt, ist nicht, ob der Teufel existiert, sondern warum wir weiterhin Besessenheit nennen, was die Neurologie seit Jahrzehnten als ein kurzgeschlossenes Gehirn beschreibt.

Was Besessenheit für die Psychiatrie bedeutet

Die dominante These der Analyse lautet: Ohne vorausgehende Pathologie gibt es keine Besessenheit. Die Krankheitsbilder, die die Tradition dem Teufel zuschrieb, passen zu Epilepsie, Schizophrenie oder unbewältigten Kindheitstraumata, so die Deutung, die bereits Freud, Charcot und Freeman vornahmen. Der klassische Besessene —Krampfanfälle, Stimmen, übermenschliche Kraft, Amnesie— ist ein Katalog neurologischer Symptome, gelesen mit den Augen von 1650.

Manche gehen weiter und behaupten, der Teufel existiere nur, wenn man an ihn glaube. Besessenheit wäre dann ein kulturelles Phänomen, eine Form, die jede Epoche mit dem füllt, was gerade zur Hand ist: gestern war es Satan, heute der Nervenzusammenbruch. Der Vergleich mit Frankenstein, Zombies oder Slenderman ist kein Zufall: Es sind Erzählungen, die sich genauso verbreiten wie eine Diagnose, durch soziale Ansteckung.

Brutaler Stress und das Gehirn, das sich so gut es kann wehrt

Die am häufigsten genannte Erklärung verweist auf anhaltenden Stress. Menschen unter einer unerträglichen Last aktivieren am Ende Mechanismen, die sie selbst nicht verstehen, und das Ergebnis sieht den dämonisch Besessenen der Filme verdächtig ähnlich. Bemerkenswert ist nicht, dass es passiert, sondern dass die Wissenschaft immer noch nicht gründlich untersucht, warum das Gehirn so reagiert, wenn jemand diesen Zustand erreicht.

Die Zahl, die den Streit einfriert: Manche behaupten, dass in fast 100 % der Besessenheitsfälle der Besessene am Ende tot ist. Nicht durch den Teufel, sondern durch sein Umfeld. Addiert man zu einem unbehandelten psychiatrischen Krankheitsbild zwei Priester und ein Ritual, wird die Prognose nicht mehr medizinisch, sondern forensisch.

Suizid, Krebs und ALS: der Widerspruch, den niemand auflöst

Hier wird die Sache verdreht. Menschen mit unheilbarem Krebs oder ALS nehmen sich nicht das Leben, Menschen mit psychischen Erkrankungen dagegen schon — wobei alle drei Erkrankungen schwer sind. Die Beobachtung, ohne abschließende Antwort in den Raum gestellt, verweist auf etwas Unbequemes: Psychische Krankheit tötet nicht über den Körper, sie tötet über den Kopf, und das macht sie in allem anders, auch darin, wie die Gesellschaft sie betrachtet.

Der stichhaltigste Einwand lautet, dass Suizid fast immer mit langanhaltender Depression zusammenhängt, nicht mit der Krebsdiagnose selbst. Ein lange gedrückter Geist sammelt Risikofaktoren an, die ein Tumor nicht erzeugt. Die Diskussion ist weiterhin offen und wird sich wohl nicht mit einer Statistik beenden lassen.

Demenz, Alter und der Exorzist, der nicht kommt

Demenz und Alzheimer holen das Thema ins Häusliche zurück. Ältere Menschen, die Jahrzehnte zurückfallen, die glauben, dreizehn zu sein, die nach einer Mutter fragen, die seit einem halben Jahrhundert tot ist. Fügt man eine Gesellschaft hinzu, die das Alter nicht mehr zu lesen weiß, ergibt sich der perfekte Kandidat für das Ritual: jemand, der Dinge schreit, die man nicht versteht, und nicht auf seinen Namen reagiert.

Der Exorzist ist in diesem Rahmen kein Priester: Er ist das Geständnis, dass uns die Werkzeuge fehlen. Und der Besessene landet am Ende fast immer dort, wo alles begann, nur mit weniger Zeit.



Bleibt die verstörende Zahl. Die Kirche bildet weiter Exorzisten aus, die Psychiatrie verschreibt weiter Antipsychotika, und die beiden Institutionen vergleichen seit Jahrhunderten ihre Akten nicht. Inzwischen bleibt der einzige belegte Fall von Besessenheit der eines Menschen, der glaubte, besessen zu sein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (22 Antworten).

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