Schüsse in Pozuelo: Ex-Berater von Janukowitsch vor der Schule seiner Kinder erschossen
Ein Mann bringt seine Kinder zum Tor der American School of Madrid in Pozuelo de Alarcón und wird von mehreren Schüssen getroffen. Es geschieht um 9:15 Uhr morgens, im Beisein von Passanten. Das Opfer ist kein gewöhnlicher Vater: Es handelt sich um Andriy Portnow, ehemaligen Berater des gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, der in Spanien in einer Art Exil lebte und wegen seiner Nähe zu Moskau im Visier des eigenen Geheimdienstes stand. Nach ersten Berichten schoss der Angreifer von hinten, traf ihn am Hals und gab ihm den Rest, als er am Boden lag. Zwei oder drei Personen waren beteiligt; bei Redaktionsschluss war niemand festgenommen worden.
Wer war Andriy Portnow und warum war er in Pozuelo?
Portnow war in der Ukraine keine unbekannte Größe. Während der Präsidentschaft Janukowitschs war er stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung mit Aufsicht über Gerichte und Strafverfolgung. Nach dem Maidan und dem Sturz seines Chefs wurde sein Name mit der Unterdrückung dieser Proteste in Verbindung gebracht. Unter Selenskyj wurde er ein erklärter Gegner des Präsidenten. Beobachter sagen, er habe sich jahrelang aus der ukrainischen Politik zurückgezogen und in Spanien gelebt.
Das Detail, das viele überrascht, sind die Schulgebühren. Die American School of Madrid ist laut Brancheninsidern die zweit teuerste in Spanien. Pozuelo de Alarcón ist zudem die Gemeinde mit dem höchsten Einkommen in der Autonomen Region Madrid. Ein ukrainischer politischer Berater im Exil, dessen zwei Töchter eine so exklusive Einrichtung besuchen, passt nicht ins Profil eines mittellosen Flüchtlings. Manche argumentieren, dass Anwälte in Spanien ohne Zulassung nicht praktizieren dürfen, die historisch leicht an EU-Bürger vergeben wurde. Die Berechnung der Kosten für zwei Einschreibungen an dieser Schule, aufgeschlüsselt nach Posten, ergibt eine überraschende Summe.
Die zweite Abrechnung am selben Tor
Dies ist nicht das erste Mal, dass jemand in dieser Gegend erschossen wird. Im März 2018 wurde ein 44-jähriger kolumbianisch-stämmiger Spanier unter sehr ähnlichen Umständen ermordet, während er seinen Sohn zur Schule brachte. Er hieß José Ricardo Rojas Montes, bekannt als „Richi“, und Ermittler verbanden ihn mit einigen der wichtigsten Verbrecherbossen des Landes, die mit einer Bande verbunden waren, die sich auf großangelegten Drogenhandel, Erpressung und Geldwäsche spezialisiert hatte. Die Übereinstimmung des Tatorts hat dazu geführt, dass viele alte Fälle durchforsteten.
Die offene Frage lautet, warum eine Elite-Schule in Pozuelo zum wiederholten Schauplatz solcher Hinrichtungen wird. Kenner der Szene geben eine einfache Antwort: Reiche Familien schicken ihre Kinder dorthin, und unter ihnen mischen sich Profile, die nicht unbedingt aus lokalen Gehaltsabrechnungen stammen.
Das Immobiliengeschäft und nicht deklariertes Geld
Die Diskussion schnell auf ein Thema lenkt, das relevanter ist als das Verbrechen selbst: Woher kommt das Bargeld für Luxusvillen und Wohnungen? Die vorherrschende These besagt, dass Spanien zu einem Zentrum für Geldwäsche geworden ist, wobei Madrid, Málaga, Alicante und die Inseln dieses Phänomen konzentrieren. Es wird argumentiert, dass Gastronomie- und Nachtlebenbetriebe als Deckmantel gedient haben und dass die Mode, in bestimmten Lokalen bar zu zahlen, nicht Nostalgie widerspiegelt, sondern das Bedürfnis, keine Spuren zu hinterlassen.
Der Zusammenhang mit den Wohnungspreisen ist in dieser Lesart direkt: Wenn intransparentes Geld eindringt und um denselben begrenzten Bestand an Wohnungen konkurriert, verlieren Durchschnittsverdiener. Der Arbeitnehmer, der alles richtig macht, Steuern zahlt und sich nicht einmischt, sieht hilflos zu, wie der Quadratmeterpreis steigt, ohne dass sein Gehalt mithält. Diese Diagnose findet sich auch in anderen Wirtschaftsdiskussionen, aber hier nimmt sie eine unbequeme Spezifität an: Das Geld, das einen Mann am Schultor tötet, ist dasselbe, das auf das Penthouse nebenan bietet.
Wer zahlt die Schule der Kinder anderer Leute?
Eine Analyse geht über den Vorfall hinaus und berührt die öffentliche Politik. Es wird behauptet, dass Eliten, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit, nur eine Ideologie teilen: Geld. Dass ein prorussischer ukrainischer Oppositioneller seine Töchter an der American School einschreibt, der zweitteuersten in Spanien, während er Selenskyj kritisiert, sehen manche als Beweis dafür, dass Überzeugungen dort enden, wo die Gebühren beginnen. Für andere ist es einfach das, was jeder wohlhabende Elternteil tut, wenn er seine Kinder vom öffentlichen System fernhalten will.
Parallel dazu entsteht eine Debatte darüber, wer diese Schulen füllt. Es wird darauf hingewiesen, dass mehrere Minister und Unternehmer ihre Kinder in Einrichtungen dieses Profils schicken, weit weg von der öffentlichen Bildung. Die Kritik richtet sich weniger gegen die Schule selbst als gegen den doppelten Maßstab: Dieselben, die Gesetze zur Schulpflicht und zur Finanzierung öffentlicher Schulen erlassen, schreiben ihre eigenen Kinder in private Kreise ein, die zwanzigtausend Euro im Jahr kosten. Nach dieser Lesart ist die Exklusivität der Eliten, die in den Siebzigern Familien mit dubiosen Geschäften aus den Schulen Barcelonas ausschloss, tot. Jetzt muss man einfach nur zahlen.
Geopolitischer Kontext: Ukraine, Russland und Abrechnungen in Spanien
Die internationale Dimension des Falls lässt verschiedene Interpretationen zu. Eine deutet auf eine Abrechnung zwischen ukrainischen Diensten hin, angesichts von Portnows Geschichte als Vertrauensmann Janukowitschs und seiner Opposition gegen Selenskyj. Eine andere legt nahe, dass das Attentat mit sensiblen Informationen über den ukrainischen Präsidenten während Friedensgesprächen zusammenhängen könnte. Keine der beiden Theorien wird durch öffentliche Beweise gestützt. Was bestätigt wird, ist ein Muster: In Alicante wurde ein russischer Deserteur ermordet, und nun fällt ein prorussischer Ukrainer in Madrid. Die Häufung der Fälle hat dazu geführt, von einem Sumpf von Todesschwadronen in Spanien zu sprechen.
Das Profil des Opfers verkompliziert die Erzählung. Ein Mann, der Schlüsselrolle bei der Unterdrückung des Maidans spielte, später Selenskyj ablehnte und im goldenen Exil in Pozuelo lebte, passt weder ins Martyrer- noch ins Schurkenbild. Er passt eher in die Beschreibung eines großen Fisches mit vielen Feinden und wenigen Freunden.
Die Szene bleibt: Ein Vater, der seine Töchter an einer Schule absetzt, die zwanzigtausend Euro im Jahr kostet, und ein Angreifer, der von hinten schießt und ihn am Boden erledigt. Die Suche nach dem Täter dauert an. Niemand hat jemanden festgenommen. Unterdessen sinkt in Pozuelo der Preis pro Quadratmeter nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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