Brüssel beziffert die von Spanien nicht gezählten versteckten Arbeitslosen auf 985.000
An einem Donnerstagmittag ist eine der Hauptstraßen einer spanischen Stadt voller Menschen. Diese Beobachtung wird nun durch offizielle Daten untermauert: Eurostat hat die Zahl der Arbeitslosen, die Spanien nicht als solche verbucht, auf 985.000 geschätzt. Hinzu kommen 1,1 Millionen Unterbeschäftigte und die 3,02 Millionen registrierten Arbeitslosen. Es handelt sich nicht um eine Momentaufnahme, sondern um das neueste Röntgenbild eines Arbeitsmarktes, der seit fast einem halben Jahrhundert ungelöst bleibt.
Was sind die 985.000 Arbeitslosen, die nicht in den Listen auftauchen?
Die erste Interpretation lautet statistische Schönfärberei, doch dies muss vor Schlussfolgerungen differenziert betrachtet werden. Niemand versteckt diese knapp 985.000 Personen: Die spanische Arbeitskräfteerhebung (EPA) klassifiziert sie als Inaktive. Diese Kategorie umfasst Personen, die Arbeit suchen, aber nicht sofort verfügbar sind, sowie solche, die zwar arbeiten könnten, aber nicht aktiv suchen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berücksichtigt diesen Graubereich, und Eurostat veröffentlicht die Zahlen, weil ihr Umfang nicht mehr vernachlässigbar ist.
Es ist legitim, über die methodischen Kriterien zu diskutieren. Zu ignorieren, dass dieser Pool existiert und wächst, wenn sich die Beschäftigungslage verschlechtert, ist jedoch kaum haltbar. Die Daten sind auf der Website des INE (Nationales Statistikinstitut) innerhalb der EPA im Abschnitt für Inaktive einsehbar: Es gibt keine Blackbox, sondern nur ein buchhalterisches Kriterium, das festlegt, wer zur Arbeitslosenquote zählt und wer nicht.
Mehr als eine Million Unterbeschäftigte: Weniger arbeiten als gewünscht
Der zweite Block erzeugt weniger Schlagzeilen, erklärt aber das tiefergehende Unbehagen am besten: Mehr als eine Million Menschen arbeiten Teilzeit, weil sie keine Vollzeitstelle finden. Sie stehen nicht auf der Liste der Arbeitslosen, haben aber auch nicht die Beschäftigung, die sie suchen. Sie sind beschäftigt, können oft aber kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Hier zeigt sich die unbequeme Seite des spanischen Modells: Die Beschäftigung wächst durch lose Stundenverträge, befristete Jobs und Saisons, die im Oktober enden. Für einen erheblichen Teil der aktiven Bevölkerung schließen sich Erwerbstätigkeit und Armut nicht aus. Die Unterbeschäftigung fungiert als Puffer, der verhindert, dass die Arbeitslosenquote stärker steigt, verlagert das Problem aber auf die Löhne.
Warum wiederholt sich der Befund: 47 Jahre an der Spitze der OECD-Arbeitslosigkeit
Der strukturelle Befund, der in der Diskussion immer wiederkehrt, ist hartnäckig: Laut den von den Teilnehmern genannten Zahlen führt Spanien seit 47 Jahren die Rangliste der Arbeitslosigkeit in der OECD und der EU an. Jedes Mal, wenn neue Zahlen veröffentlicht werden, stellt sich dieselbe Frage, und die Antwort deutet meist auf die Wirtschaftsstruktur hin. Ein Land, dessen Haupteinnahmequellen Tourismus und Gastronomie sind, hat nur begrenzte Kapazitäten, qualifizierte Arbeitskräfte aufzunehmen und steigende Löhne zu tragen.
Eine in solchen Analysen kursierende Berechnung besagt, dass die spanische Produktionsstruktur nur für 34 bis 36 Millionen Einwohner ausgelegt ist und das übrige Ungleichgewicht auf gestalterische Entscheidungen zurückzuführen ist, nicht auf Konjunkturschwankungen. Diese Diagnose hat eine unbequeme Konsequenz: Ihre Korrektur erfordert die Umwandlung ganzer Branchen und politische Kosten, die niemand in einem Wahlzyklus tragen will.
Erstbewerber und Über-50-Jährige
Wenn man die Zahlen weiter aufschlüsselt, wächst der Pool laut der Zählung eines Diskussionsteilnehmers noch: Die EPA des zweiten Quartals 2021 zählte 947.000 Arbeitslose ab 50 Jahren, was 26,72 % der Gesamtzahl entspricht. Hinzu kommen weitere 322.000 Spanier, die zum ersten Mal Arbeit suchen und nach seiner Meinung ebenfalls nicht in den üblichen Listen erscheinen. Zusammen ergibt dies nach derselben Berechnung etwa 1,3 Millionen zusätzliche Personen im grauen Bereich des Arbeitsmarktes.
Das Profil schmerzt: Menschen mit Erfahrung, die sich nach dem 50. Lebensjahr nicht neu qualifizieren können, und junge Leute, die nie Beiträge gezahlt haben und mit fast leeren Lebensläufen die Dreißig erreichen. Ersteres ist das Gesicht der Langzeitarbeitslosigkeit; Letzteres das Prolog eines Problems, das sich festsetzt, bevor es richtig beginnt.
Renten, jährliche Zuwanderung und ein System, das bröckelt
Ein dritter Aspekt zieht sich durch die Thematik: der demografische Faktor. Manche schätzen die jährliche Zuwanderung nach Spanien auf etwa 456.000 Personen. Bei einer Wirtschaftsstruktur, die auf Tourismus und Gastronomie konzentriert ist, ist es schwierig, dieses Volumen in stabile Beschäftigungsverhältnisse zu integrieren. Das Argument ist nicht, wer kommt, sondern wie viele qualifizierte Stellen die Wirtschaft schaffen kann, um alle unterzubringen.
Das Grundproblem ist aktuarischer Natur. Das spanische Rentensystem wurde auf einer Pyramide aufgebaut, bei der viele Junge wenige Rentner trugen. Diese Pyramide hat sich durch sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung umgekehrt. Millionen stehen kurz vor der Pensionierung, während weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter sind. Eine Änderung des Systems kollidiert mit einer enormen Wählerschaft und lässt wenig Spielraum für Übergangsphasen.
Sind die Daten des INE im Vergleich zu Eurostat zuverlässig?
Im Bereich der Skepsis wird auf Wechsel in der Führung des INE hingewiesen, als Zeichen dafür, dass die Zahlen im Takt der Regierung schwanken. Dies ist eine Interpretation, kein Fakt: Die spanische Statistik wird von Brüssel geprüft und revidiert, und die von Eurostat zitierten Daten stammen aus derselben Erhebung, die das nationale Institut veröffentlicht. Eine andere Frage ist, ob das Kriterium für Inaktivität großzügig angewandt wird.
Es bleibt abzuwarten, ob sich das Bild ändert. Die verfügbaren Evidenzen sagen nein: Die Beschäftigung wächst in der Anzahl der Verträge, nicht in der Qualität der Arbeit, und der Pool der Personen, die arbeiten wollen, aber nicht als arbeitslos gelten, bleibt bestehen. Während diskutiert wird, ob das Problem die Zahl oder die Erzählung ist, kündigen Zeitarbeitsfirmen bereits Stellenangebote in Deutschland an.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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