EU-Zölle für AliExpress: 3€ pro Kategorie statt Paket

Die EU streicht die 150-€-Freigrenze. Eine 13-€-Bestellung kostet nun 20€, da der Zoll pro TARIC-Kategorie und nicht pro Paket anfällt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Ende der 150-€-Freigrenze: 10€ Warenwert, 30€ Zoll

Das Auslaufen der zollfreien Grenze von 150 Euro ist keine neue Steuer für den Verbraucher. In der Praxis funktionieren diese Zölle genauso wie bisherige Einfuhrabgaben. Brüssel hat die größte Änderung im Importregime für chinesische Pakete seit Jahren beschlossen, und der Empfänger wird dies als Erster spüren, mit einem festen Datum: dem 1. Juli.

Was sich bei den Zöllen für AliExpress, Shein und Temu genau ändert

Bisher konnten alle Pakete unter 150 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden, was praktisch alles abdeckte, was Privatpersonen auf diesen Plattformen kaufen. Ein europäischer Hersteller, der Stoff, Chips oder Schrauben importiert, zollt jede Tonne, die sein Werk verlässt; ein Verkäufer aus Shenzhen, der das fertige Produkt in einem Umschlag verschickt, zahlte nichts. Diese Asymmetrie — tragbar als Lücke, untragbar als freier Markt — wird nun beseitigt.

Das offizielle Argument ist klassisch: Handels-Dumping stoppen und verhindern, dass der Vorteil des lokalen Handels darin besteht, Steuern zu zahlen, die andere nicht entrichten. Die erwarteten Einnahmen liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro. Die MwSt.-Frage wurde vor Jahren durch in Europa ansässige steuerliche Vertreter gelöst. Zölle sind jedoch teurer und deutlich schwieriger zu verwalten.

Von 13 auf 20 Euro: Der Aufschlag, der nicht aufgeht

Die häufigste Schlagzeile lautet simpel: 10 Euro Bestellung, 30 Euro Zoll. Die Realität ist weniger apokalyptisch, aber nerviger. Ein Warenkorb mit einer 3-Euro-Uhrenarmband und einer 10-Euro-Bidet-Dusche (insgesamt 13 Euro) erscheint bereits mit 7 Euro Aufschlag. Gesamtsumme: 20 Euro. Das sind nicht 30% auf die Bestellung, sondern mehr als die Hälfte.

Der unbequeme Detail: 7 auf 13 entspricht nicht 3 auf 10. Wer kleine Mengen verschiedener Artikel kauft, bemerkt es bei jeder Position im Warenkorb, wer einzelne Ersatzteile kauft, noch stärker.

Warum TARIC ein Paket in drei verwandelt

Der Aufschlag gilt pro Produktkategorie, nicht pro Paket oder Einheit. Und die Kategorien sind die des TARIC-Codes: über 15.000 verschiedene Codes, wobei eine Lampe je nach Material und ob sie integrierte LEDs hat, anders eingestuft wird. Zwei Artikel, die der Käufer als Eisenwaren sieht, können in unterschiedliche Kategorien fallen und den Betrag verdoppeln. Eine Menge von fünf verschiedenen Kleinigkeiten wird nicht als Menge bewertet: sie wird als fünf Einzelpositionen bewertet.

Wer zahlt: Die Steuerinzidenz

Hier bricht jeder Konsens. Manche argumentieren, die Last sollte beim Ursprung liegen, also bei Hersteller, Händler und Distributor, die unfair konkurrieren, und nicht beim Endkunden, der am Ende immer zahlt. Das Gegenargument ist klassisch und solide: Jede indirekte Steuer auf Handelsgeschäfte landet letztlich im Preis. Vom Huhn oben bis zum Huhn unten.

Die Unterscheidung ist wichtig. Wenn die Abgabe nur den Käufer trifft, wird sie zu 100% auf den Endpreis umgelegt. Trifft sie den Importeur, kann man erwarten, dass er einen Teil absorbiert. Der Kontext hilft nicht: Mit einer spanischen Arbeitslosenquote von 10,4% und einer Jugendarbeitslosigkeit von 25% ist billiger Konsum kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für den privaten Geldbeutel.

Lager in Europa, konsolidierte Flugzeuge und die Marokko-Route

Das optimistische Szenario besagt, dass Plattformen, wenn sie aus europäischem Boden versenden müssen, investieren, Jobs schaffen, Garantien und Rücksendungen verbessern und dabei den heute unversteuerten Müll aussortieren müssen. Zwei Euro mehr für etwas, das zehn Euro kostet, im Austausch für Garantie und problemlose Rücksendung.

Das zynische Szenario braucht keine Lager: reine Logistik-Ingenieurskunst. Ein volles Flugzeug in China konsolidieren, bei Ankunft über einen europäischen Importeur derselben Gruppe dekonsolidieren und von dort verteilen. Da es nicht durch das IOSS-Regime läuft, greift die Gebühr anders. Eine weitere Variante: Bestellungen mehrerer Kunden unter 150 Euro und gleicher Zollkategorie bündeln. Und der geografische Shortcut: Marokko, das schon als Eingangstor für russischen Diesel diente, als das EU-Embargo griff.

Der Zwischenhändler verkauft dasselbe mit anderer Marge

Dem protektionistischen Argument fehlt eine offensichtliche Schwachstelle: Die Kette, die geschützt werden soll, produziert nicht. Sie verkauft dasselbe, hergestellt von denselben, mit mehreren Zwischenhändlern, die ihre Scheibe abschneiden. Eine Packung Keramikperlen für 2,79 Euro gegenüber einer Halskette mit denselben Teilen für fast 40 Euro in einem großen Laden. Ein japanischer Angelköder für 15 bis 20 Euro gegenüber der identischen chinesischen Imitation für 2 oder 3 Euro. Lederhandschuhe für 2 Euro gegenüber 14 Euro in einer Sportkette.

Es gibt Strömungen, die dies als kulturelles Problem lesen: In anderen Ländern sucht der Käufer europäische Produkte, auch wenn sie teurer sind; hier herrsche die Mentalität des billigsten möglichen Preises, und dieser Teufelskreis leere weiterhin Industriegebiete. Die historische Antwort: Die spanische Industrie ging nicht durch Zölle verloren, sie war längst vorher abgewickelt worden.

Niemand wettet darauf, dass diese Plattformen verschwinden. Sie sind zu groß zum Fallenlassen und haben Spielraum zur Neuorganisation der Logistik. Wahrscheinlich bleibt das Paket aus China, kommt aber mit einem anderen Label. Mit Vorbehalt: Wenn der Aufschlag vollständig auf dem Endbon landet, ist der prognostizierte Konsumrückgang real. Wenn er in der Kette verdünnt wird, haben wir den Zoll bezahlt, ohne ihn zu sehen, und nichts repariert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver