EU verschiebt CO2-Strafen um drei Jahre – Autowerte steigen

Die EU gewährt Herstellern eine dreijährige Frist für die Emissionsgrenzwerte. Volkswagen-Aktien steigen um 5 %. Die Umweltzonen in den Städten bleiben bestehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU verschiebt CO2-Strafen um drei Jahre – Autowerte steigen
EU verschiebt CO2-Strafen um drei Jahre – Autowerte steigen

Die Europäische Kommission hat beschlossen, den Automobilherstellern Luft zu verschaffen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte ein neues Zeitfenster von drei Jahren an, damit die Industrie die Grenzwerte für Treibhausgasemissionen bei neuen Fahrzeugen einführen kann. In der Praxis dürfen Hersteller das Ziel dieses Jahr verfehlen, solange sie es in den beiden folgenden Jahren ausgleichen. Die Ankündigung, zuerst von Bloomberg gemeldet, löste sofortige Euphorie an den Börsen aus: Volkswagen steigt um 5 %, Renault um 4 %, Mercedes-Benz um 3 %, Porsche ebenfalls um 3 % und Stellantis um 1 %. Volvo, mit einem bedeutenden Elektrofahrzeugbestand, legt ebenfalls um 1 % zu.

Der europäische Branchenverband warnte seit Monaten davor, dass die Hersteller die Brüsseler Anforderungen dieses Jahr nicht erfüllen könnten. Der Marktanteil von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen stagnierte. Europäischer Firmen suchten nach allen möglichen Auswegen: von der Bildung von Konsortien zum Ausgleich der Emissionen zwischen schmutzigeren und saubereren Modellen bis hin zur Ankündigung künftiger Entlassungen und Milliardenstrafen. Schließlich scheint Brüssel nachgegeben zu haben und gibt den Herstellern mehr Zeit.

Was genau ändert sich durch die Aussetzung der Emissionsziele?

Die Änderung betrifft die Methode, nicht den Kern. Die Kommission wird die Emissionen der verkauften Fahrzeuge alle drei Jahre statt jährlich berechnen. Dies ermöglicht es einem Hersteller, das Jahresziel zu verfehlen, solange der Dreijahresdurchschnitt innerhalb des Limits liegt. Der spezifische Änderungsantrag wird laut veröffentlichten Informationen Ende des Monats vorgelegt. Die Norm wird nicht aufgehoben, sondern der Zeitplan gestreckt.

Die Reaktion auf den Märkten war sofortig. Die europäischen Automobilaktien legten kräftig zu. Die Branche atmete auf nach Monaten regulatorischer Spannungen. Aber das Kleingedruckte ist wichtig: Die Flexibilität beseitigt nicht die Pflicht, weniger schadstoffreiche Autos zu verkaufen, sie verzögert nur den Zeitpunkt der Rechenschaftslegung. Wer 2027 die Vorgaben nicht erfüllt, muss sich erklären.

Umweltplaketten und Umweltzonen bleiben unverändert

Die Aussetzung der Emissionsziele berührt keine kommunalen Beschränkungen. Die Umweltzonen (Zonas de Bajas Emisiones) gelten weiterhin in spanischen Städten. In einigen Gemeinden wurden ganze Straßen mit solchen Zonen belegt, was die Fahrt von Fahrzeugen ohne Plakette einschränkt. Die Paradoxie ist offensichtlich: Brüssel verschiebt die Strafen für die Hersteller, während die Kommunen ihre Bußgelder gegen Fahrer beibehalten.

Manche weisen darauf hin, dass jedes Land die Schadstoffstufen auf seine Weise umgesetzt hat. Deutschland und Österreich verlangen seit Anfang der Neunziger Plaketten für Katalysator-Fahrzeuge, vergleichbar mit der spanischen Klasse B oder sogar strenger. Ungarn hingegen hat solche Beschränkungen nie eingeführt. Spanien gehört neben Deutschland, Österreich, Frankreich und Dänemark zu den restriktivsten Ländern. Italien hingegen hat keine solchen Zonen.

Elektroautos kommen nicht vom Fleck, Gebrauchtwagen halten sich

Der Marktanteil von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen stagnierte. Das war das zentrale Argument, mit dem der europäische Branchenverband mehr Zeit forderte. Die Preise für Neuwagen sind weiterhin hoch, und viele Autofahrer entscheiden sich dafür, ihr Verbrennerfahrzeug so lange wie möglich zu nutzen, solange es keine größeren Reparaturen erfordert. Die Rechnung ist einfach: Eine teure Reparatur lohnt sich immer noch mehr als der Kauf eines aktuellen Modells.

Manche vertreten die Ansicht, dass die Zukunft in Benzinern mit weniger als 1.000 Kubikzentimetern Hubraum, vier Zylindern, wenig Elektronik und Platz für vier Passagiere liegt. Also das, was einmal der Seat 850, der Renault 4, der Citroën 2CV oder der Simca 1000 waren. Die Wette auf batteriebetriebene Autos wäre gescheitert, ebenso wie früher die Gasfahrzeuge. Es sind Vorhersagen, keine vollendeten Tatsachen.

Verlagerung der Produktion und Energieabhängigkeit

Die Verschiebung löst das Grundproblem nicht. Die industrielle Verlagerung läuft bereits und betrifft die Komponentenherstellung. Manche behaupten, dass Europa die Chipfertigung vor China verboten habe, was die technologische Abhängigkeit verschlimmern würde. Wir werden zunehmend abhängig von externen Lieferketten.

Auch die Debatte über Kohle taucht auf. Manche verteidigen die spanische Kohle als exzellent und reichlich vorhanden, mit Reserven für Jahrhunderte. Andere erinnern daran, dass man sie aus England importierte, weil sie die Kessel beschädigte und schwer abzubauen war. Manche argumentieren, dass die baskische Stahlindustrie aufhörte, englische Kohle zu importieren, als die Minen in León eröffnet wurden und die Eisenbahn sie mit Bilbao verband, und dass die Frachtkosten die englische Kohle selbst vor Zöllen teurer machten als die lokale.

Was passiert mit der Agenda 2030 und den nächsten Vorschriften?

Die Aussetzung der Emissionsziele wird in manchen Analysen als Zeichen gewertet, dass die Agenda 2030 erste Risse bekommt. Der Druck der Industrie erzwang ein Zugeständnis, das vor wenigen Monaten noch undenkbar schien. Aber niemand hält den Fahrplan für gekündigt: Es wurde nur Zeit gewonnen.

Regulatorische Unsicherheit bleibt die Hauptlast für die Branche. Die Hersteller haben ihre Fabriken auf Elektrofahrzeuge umgestellt und stehen nun vor einer dreijährigen Verlängerung mit bereits getätigten Investitionen. Diese Linien abzureißen und zurückzurudern ist keine billige Option. Die Frage ist, ob die Verschiebung den Übergang festigt oder nur die Anpassung verzögert.



Mit diesen Voraussetzungen ist es wahrscheinlich, dass Brüssel wieder Druck machen wird, wenn sich die neue Frist nähert. Die Industrie wird weiterhin Flexibilität fordern, die Kommunen ihre Beschränkungen beibehalten und Käufer werden weiter auf den Endpreis schauen. Manche behaupten, dass der Klimanotstand je nach politischem Bedarf aufgeschoben werden kann. Steuern allerdings werden weiterhin gezahlt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).

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