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EU-Parlament fordert Prüfung der Muslimbrüder als Terrorgruppe
Das Europäische Parlament hat mit 381 Ja-Stimmen und 167 Nein-Stimmen gefordert, dass der Rat prüft, die Muslimbrüder als Terrororganisation auf die EU-Liste zu setzen.
EU-Parlament fordert Prüfung der Muslimbrüder als Terrorgruppe
Worüber hat das Europäische Parlament genau abgestimmt? Es ist kein Verbot: Es ist eine unverbindliche Entschließung, die den Rat auffordert, mit den Muslimbrüdern verbundene Organisationen und Einzelpersonen zu prüfen und auf die EU-Terrorliste zu setzen. Der Text kam auf 381 Ja-Stimmen und 167 Nein-Stimmen, laut der im Umlauf befindlichen Auszählung. Der Unterschied zwischen „fordern“ und „entscheiden“ ist die eigentliche Nachricht – und kaum jemand erzählt sie.
Was es bedeutet, wenn das EU-Parlament eine unverbindliche Entschließung annimmt
Das Europäische Parlament hat keine Befugnis, jemanden auf die EU-Terrorliste zu setzen. Diese Zuständigkeit liegt beim Rat, der je nach anwendbarem Regime einstimmig oder mit qualifizierter Mehrheit entscheidet. Was das Parlament getan hat, ist eine politische Erklärung: Es drängt den Rat zum Handeln. Wer liest „die EU erklärt die Muslimbrüder zu Terroristen“, verwechselt Institution und Instrument.
Die Zahl ist dennoch eindrucksvoll. 381 Abgeordnete dafür, 167 dagegen sind weder ein technisches Unentschieden noch eine knappe Mehrheit. Es ist ein Zeichen dafür, dass sich der Konsens in der Kammer verschoben hat. Die interessante Frage ist nicht, wer gewonnen hat, sondern wer verloren hat – und mit welchen Argumenten.
Wer dagegen gestimmt hat und warum
Die spanische Linke steht im Visier. Manche behaupten, die europäischen Sozialdemokraten und die Linken links der PSOE (spanische Sozialistenpartei) hätten dagegen gestimmt, doch die namentliche Auszählung ist im verfügbaren Material noch nicht abgeschlossen. Belegt sind die anschließenden Äußerungen: Jaume Asens (Sumar) verglich die Muslimbrüder mit dem Opus Dei, und Juan Fernando López Aguilar (PSOE) warnte, wer Menschen wegen ihres Glaubens stigmatisieren wolle, „treffe auf uns, wie wir es waren, als die Nancy gegen die Nnnn vorgingen“.
Der Vergleich mit dem Opus Dei hat ein elementares Problem: Das Opus Dei ist keine politische Partei, hat keine Aufstände angeführt und ist nicht mit der Genealogie des internationalen Terrorismus verbunden. Einer der Gründer der Muslimbrüder beeinflusste laut der zitierten historischen Rekonstruktion Zawahiri. Eine geistliche Gemeinschaft mit einer Organisation zu vergleichen, die einen politischen und einen bewaffneten Flügel hat, ist keine Nuance, sondern eine andere Kategorie.
Der Sortu-Präzedenzfall und der Verdacht des doppelten Maßstabs
Der Vergleich mit dem baskischen Fall liegt nahe. Herri Batasuna wurde verboten, dann kam Sortu, später EH Bildu. Der Verdacht, dass die Messlatte je nach Gegenüber unterschiedlich angelegt wird, zieht sich durch einen Großteil der Unzufriedenheit. Es ist kein abgeschlossenes juristisches Argument, aber eine politische Intuition, die erklärt, warum die Entschließung über ein breites Spektrum hinweg gut ankommt.
Parallel dazu erinnern manche daran, dass die Linke die Abstimmung von über 400 Abgeordneten für die Abschiebezentren der extremen Rechten zuschrieb. Jetzt, mit einer noch größeren Mehrheit, lautet das Etikett Sarracinophobie. Die Erzählung wechselt je nach Ergebnis.
Was der Text nicht sagt
Die Entschließung verbietet nichts, schließt keine Moscheen, weist niemanden aus und ändert den rechtlichen Status keiner konkreten Organisation. Sie eröffnet einen Prüfprozess. Der Rat kann Monate brauchen, kann niemanden aufnehmen oder nur einen Teil. Wer behauptet, „die EU hat die Muslimbrüder bereits verboten“, greift ein Ergebnis vor, das nicht existiert.
Und darin liegt die feine Ironie: Eine Abstimmung, die juristisch nichts ändert, hat die politische Landkarte durchaus verändert. Mehrheiten verschieben sich in Entschließungen früher als in Verordnungen. Wenn die Verordnung kommt – falls sie kommt –, ist die Debatte bereits entschieden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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