EU ohne Kapitän: Technokratie und die These, dass die USA Europa besitzen

Debatte über die EU als technokratisches Projekt ohne Völker: Entscheidungen in Washington und London, demografischer Alarm und der Mythos vom Kalergi-Plan.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU ohne Kapitän: Technokratie und die These, dass die USA Europa besitzen
Die EU navigiert ohne Kapitän: Technokratie, Demografie und Abhängigkeit

Die Europäische Union führt nirgendwohin, weil sie in Wirklichkeit bereits ein Ort ist. Ein Schlachthof, nach der drastischsten Formulierung, die kursiert. Die wiederkehrende Diagnose lautet nicht, dass das Projekt abgedriftet ist, sondern dass es nie das war, was es zu sein vorgab: eine Union der Völker und Kulturen. Stattdessen wird ein Geflecht aus Universitäten, monetären und finanziellen Interessen, Konzernen des Nordens und bürokratischem Apparat beschrieben, zusammengehalten durch eine gemeinsame Feindseligkeit gegenüber Russland, die aus der angelsächsischen Sphäre kommt. Die Frage nach der Zukunft der EU wird so zu einer anatomischen Übung: sezieren, was vom ursprünglichen Projekt übrig bleibt und wer wirklich das Sagen hat.

Ein Projekt, das nie das der Völker war

Die am häufigsten geäußerte Kritik ist, dass die EU verkehrt herum aufgebaut wurde. Es habe nie eine Union der Völker und ihrer Kultur gegeben, nur ein Durcheinander von Interessen. Gegen diese Lesart gibt es jedoch auch Stimmen, die gerade das Durcheinander als Tugend verteidigen: Die historische Größe Europas habe darin bestanden, ein Mosaik von Gesellschaften zu sein, in dem eine auf etwas stößt, das die anderen nicht haben, und sich für ein paar Jahrhunderte durchsetzt, bis die Erfolge kopiert und die Misserfolge isoliert werden. Der Kontrast wird zu historisch zentralisierten Regionen wie China oder Russland gezogen, wo ein falscher Machthaber Jahrhunderte des Rückschritts kosten kann. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist unbequem: Die Vielfalt funktionierte, die bürokratische Vereinheitlichung nicht.

Das Demokratiedefizit: Wer wählt wen

Die zweite Achse der Analyse ist die Technokratie. Es wird behauptet, dass Entscheidungen in Instanzen getroffen werden, die niemand wählt: die Kommission, der Europäische Rat, die Europäische Zentralbank, die NATO und die Weltgesundheitsorganisation. Die nationalen Regierungen fungieren in dieser Lesart als Transmissionsriemen. Manche gehen weiter und behaupten, die EU existiere als solche nicht: Es seien vier multinationale Konzerne. Und der Pass, die Digitalisierung des Euro oder die Verordnung von Elektrofahrzeugen werden als Teile ein und desselben Kontrollmechanismus gelesen, nicht als einzelne politische Maßnahmen.

Die Demografie als Alibi und der Mythos vom Kalergi-Plan

Die dritte Front ist die demografische. Ein Teilnehmer behauptet, dass die Europäerinnen bis 2030 keine Kinder bekommen haben werden und dass die nächste Generation von ausländischen Frauen geboren wird. Auf dieser Grundlage wird eine Verschwörungstheorie entfaltet, der sogenannte Kalergi-Plan, der jeglicher dokumentarischer Grundlage entbehrt und als Mythos verworfen wird.

Washington, London und die multinationalen Konzerne

Die vierte Achse ist die Außenabhängigkeit. Es wird behauptet, dass europäische geopolitische Entscheidungen in Washington und London getroffen werden und dass die USA Eigentümer des Kontinents sind. Als Beispiel wird ein bedeutendes Gasunternehmen angeführt: Am Ende des Krieges hätten sich die Amerikaner von ihren ursprünglichen Eigentümern getrennt und eigene Machtgruppen eingesetzt. Die These ist, dass jedes europäische Kapital mit echtem Einfluss auf die Wirtschaft des Kontinents schließlich von amerikanischen Interessen aufgekauft oder zum Gehen gezwungen wird, während die Regulierung denjenigen erstickt, der bleibt. Der freie Warenverkehr wird in diesem Rahmen als eine geringere Freiheit im Vergleich zum Verlust der wirtschaftlichen Souveränität gesehen.

Spanien, der Sonderfall

Im spanischen Fall wird die Diagnose gleichzeitig bitterer und optimistischer. Es wird behauptet, dass Spanien mehr Möglichkeiten hat, wieder aufzustehen, als die EU als Ganzes, obwohl es bei null anfangen müsste. Unter den vorgeschlagenen Rezepten sind einige direkt auf ein Verbot ausgerichtet: Parteien zu verbieten, die als Teil des Problems gelten. Andere zielen auf etwas Tieferes ab: die Lebensqualität und die Säulen wiederzugewinnen, die nach und nach verloren gegangen sind. Die Grundidee ist, dass der Nationalstaat nach wie vor die Einheit mit Reaktionsfähigkeit ist, während die europäische Ebene als Ballast wahrgenommen wird. Die Diskussion driftete in mehreren Abschnitten in die mittelalterliche Geschichte der Halbinsel ab und in die Rolle des Franquismus als erzwungener Modernisierer, so ein anderer Teilnehmer.

Der Punkt, an dem alles stockt

Die Analyse hält an einem konkreten Punkt inne: ob der Niedergang umkehrbar ist oder nicht. Einige behaupten, die EU habe noch eine bessere Zukunft als die USA, das Vereinigte Königreich oder Russland. Andere, der Prozess sei irreversibel und es bleibe nur, sich abzuschotten und abzuwarten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (104 Antworten).

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