EU-MwSt stützt Trumps Zölle trotz fehlender Zollfunktion

Die europäische MwSt verteuert Importe, was Trump als Argument für Zölle nutzt. Europa behält sie bei, da sie einen großen Teil der Einnahmen finanziert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU-MwSt stützt Trumps Zölle trotz fehlender Zollfunktion
Die MwSt, die Europa nicht aufgibt und Trump in seine Zölle einbezieht

Ein aus den USA importiertes Auto, das 20.000 Euro kostet, kommt beim spanischen Verbraucher auf 29.282 Euro, wie eine im Diskurs genannte Berechnung zeigt. Die Aufschlüsselung lautet: CIF-Wert von 22.000 Euro, 10 % Zoll (2.200), Bemessungsgrundlage von 24.200 Euro und 21 % MwSt, die weitere 5.082 Euro hinzufügen. An der Grenze werden 7.282 Euro fällig, bevor das Fahrzeug den Händler erreicht. Dies ist das Terrain, auf dem die Diskussion stattfindet, ob die MwSt faktisch wie ein Zoll wirkt und warum Brüssel sie nicht antastet.

Die These, die sich durch das Thema zieht, ist unbequem: Die europäische MwSt besteuert inländische und importierte Produkte gleich, bietet also niemandem einen Wettbewerbsvorteil. Aber sie verteuert alles, was hereinkommt, und genau das prüft die US-Administration bei der Berechnung ihrer Handelsantwort kritisch. Die Debatte verheddert sich, weil jede Seite die Geschichte erzählt, die ihr passt.

Ist die MwSt ein Zoll oder eine Verbrauchssteuer?

Das technische Argument besagt, dass die MwSt nicht nach Herkunft diskriminiert. Sie wird beim Endkunden erhoben, egal ob das Produkt von außerhalb kommt oder im Inland hergestellt wurde. Großhändler geben sie weiter und holen sie sich zurück, sodass der Nettoeffekt auf das Unternehmen null ist. Nach dieser Logik ist sie kein Zoll: Es ist eine Verbrauchssteuer, die die Kaufkraft des europäischen Käufers im Vergleich zum amerikanischen senkt.

Der Nuancenunterschied, der die Bequemlichkeit der Begründung bricht, liegt in der Behandlung der Exporte. Im inner-europäischen Handel wird keine MwSt auf Geschäfte zwischen Profis erhoben, und bei Verkäufen in Drittländer wird die Steuer erstattet. Das heißt, das europäische Produkt geht ohne MwSt in die Welt, während das amerikanische mit ihr reinkommt. Hier sehen einige ein Ungleichgewicht, das die andere Seite als versteckten Vorteil lesen kann.

Manche behaupten, die MwSt sei praktisch ein Zoll für jeden, der hier verkaufen will. Andere entgegnen, dass die Verwechslung von Zoll und Verbrauchssteuer bedeutet, keines von beiden verstanden zu haben. Der Zoll existiert, um den inländischen Produzenten zu schützen; die MwSt besteuert Inländer und Ausländer gleich. Die Diskussion endet nicht, weil beide Dinge je nach Blickwinkel gleichzeitig wahr sein können.

Die Zolltabelle, die nicht zur MwSt passt

Der Datenpunkt, der die Erzählung durcheinanderbringt, ist die Tabelle der Sätze. Vietnam, mit einer maximalen MwSt von 10 %, hat einen Satz von 46 % abbekommen. Brasilien, mit 29 % MwSt, bekam 10 %. Die Schweiz, mit erheblichen Handelshemmnissen, ebenfalls 10 %. Wäre die MwSt das Kriterium, würden die Zahlen so nicht herauskommen.

Die alternative Erklärung, die kursiert, ist, dass der angewandte Prozentsatz aus der Division des bilateralen Handelsdefizits durch die Gesamtimporte resultiert. Diese Berechnung stimmt, wie Überprüfer feststellen, für alle Länder in der Tabelle überein. Die MwSt wäre dann die narrative Ausrede, nicht die Formel. Und der Dienstleistungssektor, wo die USA gegenüber der EU einen enormen Überschuss ansammeln, taucht in der Unterhaltung nirgends auf.

Die vollständige Berechnung, Position für Position, mit Durchschnittssätzen und ausgeschlossenen Produkten (Holz, bestimmte Metalle, Pharmazeutika), ergibt ein Bild, das keiner offiziellen Erklärung beider Seiten entspricht. Jeder wählt die Zahlen, die sein Argument stützen.

Was passiert, wenn Europa die MwSt abschafft?

Der Vorschlag, der die Sache eröffnet, ist direkt: Die MwSt eliminieren, damit die USA keinen Ausgleich korrigieren müssen. Das Problem ist, dass die MwSt einen wesentlichen Teil des Gemeinschaftshaushalts und der Mitgliedstaaten finanziert. Diese Einnahmequelle um ein Drittel zu reduzieren, wie manche Berechnungen andeuten, ist keine technische Entscheidung: Es ist eine Demolierung des Ausgabenmodells.

Die vorgeschlagene mittlere Alternative ist, die MwSt auf Exporte anzuwenden, damit das Geld in der europäischen Kasse bleibt, statt als Zoll an die USA zu fließen. Technisch ist es eine Verdrehung des aktuellen Systems, politisch Dynamit: Es bricht das Bestimmungslandprinzip, das den internationalen Handel seit Jahrzehnten trägt.

Unterdessen war die europäische Antwort, Hilfen für betroffene Sektoren zu genehmigen. Das kritische Argument ist, dass diese Hilfen vom europäischen Steuerzahler kommen, der am Ende seine eigene interne MwSt plus die US-Korrektur zahlt. Fremde Zölle mit eigenem Geld zu subventionieren, hat eine Logik, die in keinem Handbuch leicht zu verteidigen ist.

Der Hintergrund: Was finanziert die MwSt?

Die Diskussion gleitet schnell in Richtung Staatsausgaben ab. Ein Teil der Analyse verteidigt die MwSt als fiskalischen Ausgleich: Als indirekte und universelle Steuer kompensiert sie Fallen, Befreiungen und Bevorzugungen, die das System einigen erlaubt, anderen nicht. Aus dieser Sicht ist die MwSt die ausgleichendste Steuer, die noch steht.

Der Einwand ist, dass das Geld nicht für das Versprochene ausgegeben wird. Wartelisten über ein Jahr für Fachärzte, Konsultationen, die 90 Euro kosten, Kataraktoperationen, die mit MwSt-freien Einkäufen bezahlt werden: Jedes Beispiel nährt den Verdacht, dass die Steuer eher eine Struktur als einen Dienst trägt. Die MwSt-Debatte ist im Kern eine Debatte darüber, wofür Geld ausgegeben wird.

Der internationale Vergleich, der sich in die Unterhaltung einschleicht, ist die Freigrenze für Importe. In Spanien liegt sie bei 25 Euro, ab 150 Euro muss man MwSt und Zölle zahlen. In den USA beträgt die Schwelle 800 Dollar. Bei einem Durchschnittsgehalt von 56.000 Dollar gegenüber den spanischen 28.000 Euro-Äquivalenten ist die Asymmetrie schwer zu halten, ohne dass jemand es bemerkt.

Wer zahlt die Zeche?

Der Abschluss ist nicht ökonomisch, sondern politisch. Wenn die MwSt abgeschafft wird, fällt ein Drittel der Einnahmen weg. Wenn sie bleibt, akzeptiert man, dass der europäische Steuerzahler die fremde Handelsantwort finanziert. Wenn sie auf Exporte angewendet wird, bricht der globale Handelskonsens. Keine Option ist gratis, und keine hat eine Mehrheit.

Klar bleibt, dass die MwSt nicht verschwinden wird. Weder wegen Trump, noch wegen der kursierenden Berechnungen, noch wegen der genehmigten Hilfen. Die Steuer wird bleiben, finanzieren, was sie finanziert, und die nächste Zollrunde wird sie wieder ins Visier nehmen. Der irritierende Datenpunkt ist, dass Vietnam, mit halb so viel MwSt, fast fünfmal mehr Zoll zahlt als Brasilien.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (133 Antworten).

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