Europa ermittelt gegen chinesische E-Autos und deren Batterie-Herkunft
Brüssel verteidigt die europäische Automobilindustrie ausgerechnet jetzt, nachdem es ihr zuvor Steine in den Weg gelegt hat. Die Europäische Kommission kündigt eine Antisubventionsuntersuchung zu Elektroautos aus China an, da deren Preise ihrer Ansicht nach durch staatliche Beihilfen künstlich niedrig gehalten werden und „fairer Wettbewerb“ herrschen müsse. Der unbequeme Detailpunkt, den einige Teilnehmer anmerken: Das gleiche Europa, das sich über chinesische Konkurrenz beschwert, montiert kein einziges E-Auto ohne asiatische Teile.
Was Brüssel angekündigt hat und wer dahintersteckt
Die Ankündigung stammt von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Elektrofahrzeuge seien entscheidend für die saubere Wirtschaft, aber die Märkte würden mit chinesischen Autos überschwemmt, deren Preise durch staatliche Subventionen künstlich niedrig gehalten werden. Daraus folgt die Antisubventionsuntersuchung. Die Maßnahme stellt nicht die Produktqualität infrage, sondern die Preisgestaltung.
Die im Diskurs kursierende Lesart ist deutlich weniger freundlich. Manche warnen davor, die Ankündigung auf die leichte Schulter zu nehmen, da die Botschaft oft nur über soziale Medien verbreitet wird und nicht immer einem formellen Akt gleichkommt; andere gehen davon aus, dass die Regulierung früher oder später kommen wird, auch wenn sie heute noch wie eine Drohung wirkt. In beiden Fällen stimmt die Diagnose überein: Den chinesischen Vorsprung hat China nicht allein aufgebaut.
Das meistverkaufte chinesische Auto hier ist kein E-Auto
Es lohnt sich, den Markt genau zu betrachten, bevor man von Dumping spricht. Ein Teilnehmer erinnert an ein Detail, das oft übersehen wird: Viele der auf der Straße fahrenden MG-Modelle sind Benziner mit 1,5-Liter-Saugmotoren. Das E-Auto derselben Marke sieht anders aus — laut einem anderen Teilnehmer das meistverkaufte Modell nur hinter Tesla —, was ein kurioses Bild ergibt: Die chinesische Marke platziert in Europa ihr Spitzenprodukt und schickt Verbrenner in Märkte mit geringerer Kaufkraft.
Daraus ergibt sich ein Argument, das im Thread immer wieder auftaucht: Chinesische Verbrenner konkurrieren hier nicht mit europäischen oder japanischen Marken, und ihr Preis-Leistungs-Verhältnis lässt zu wünschen übrig. Solange das so bleibt, heißt das Handelsproblem Batterie, nicht Motor.
Warum produziert Europa keine eigenen Batterien?
Weil die Technologie bei anderen liegt. Laut einem Teilnehmer, der ein Interview in El Confidencial zitiert, erklärte Renault-Chef Luca de Meo dies unverblümt: Heute dominiert China die Batterietechnologie, praktisch alle Hersteller produzieren dort, und in Europa will man keine chemischen Industrien wie die Lithiumverarbeitung, weil sie stinken.
Der entscheidende Punkt des Arguments ist schmerzhaft: In Europa wird Forschung subventioniert, aber nicht Produktion; in China und den USA ist es umgekehrt. Übersetzt in die Werkstattpraxis, wie ein anderer Teilnehmer zusammenfasst: Ohne asiatische Zellen verlässt kein einziges E-Auto eine europäische Fabrik, nicht einmal die der deutschen Premiummarken.
Zoll-Widerspruch: Ja zu Autos, nein zu Materialien
Hier bricht die Erzählung auseinander, zumindest für die Teilnehmer des Threads. Wenn das Problem die mit öffentlichen Geldern gestützten Preise sind, sollte dieselbe Regel für die Komponenten gelten, aus denen europäische Autos gebaut werden: Dass BMW, Mercedes oder Audi Goldpreise verlangen können, hängt ebenfalls von billig importierten Materialien und Zellen ab. Nur die Hälfte der Lieferkette zu besteuern und die andere nicht, hat eine einfache Erklärung: Ohne die zweite Hälfte gibt es kein Produkt.
Der doppelte Standard endet nicht damit. Man fragt sich, warum fairer Wettbewerb für chinesische Autos gefordert wird, während landwirtschaftliche Produkte aus Ländern importiert werden, die Praktiken erlauben, die die EU-Vorschriften lokalen Produzenten verbieten. Und man erinnert daran, dass die USA weder das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben noch China es einhält, während die EU strenge Regeln für sich selbst anwendet. Es sind unterschiedliche Analyseansätze, aber sie zielen auf denselben Punkt.
Warum bauen chinesische Hersteller bereits in Europa?
Ein Teilnehmer behauptet, sie kommen dem Zoll zuvor. BYD und andere wichtige Unternehmen haben den Markt nicht so stark gedrückt wie möglich, und der Grund sei laut seiner Einschätzung, dass sie wissen, was kommt: Wenn der Druck steigt, wird die Regulierung folgen. Deshalb, fügt er hinzu, beschleunigen sie Pläne, Fabriken innerhalb der EU zu errichten. Das würde ihre Preise erhöhen, aber nicht so sehr, dass sie unkonkurrenzfähig werden, und ihnen etwas Wertvolleres als Marge geben: lokale Fürsprecher.
Ein Arbeitsplatz in einer ausländisch investierten Fabrik wählt, protestiert und übt Druck aus. Es ist viel schwieriger, kommerziell gegen ein Unternehmen zu sabotieren, das Löhne im eigenen Land zahlt. Protektionismus scheitert immer an derselben Wand: Die Industrie, die man schützen will, ist nicht mehr dort, wo man sie vermutet.
Der Zeitplan, den niemand sehen will
Hinter der Handelsdebatte steht ein Datum: 2035, das Jahr, in dem die EU das Ende der Verbrennungsmotoren festgelegt hat. Ein Teilnehmer erinnert daran, dass Europa unangefochtener Diesel-Führer war und bei Benzinern mit den Japanern gleichauf lag, und dass dieser Vorteil durch Normen und Abgasreinigungssysteme, die das Produkt verteuern und verkomplizieren, Stück für Stück abgebaut wurde. Das Verbot des Autos, das man beherrscht, und die Ermittlung gegen das Auto, das man nicht beherrscht, hat seine Logik, auch wenn sie nicht laut ausgesprochen wird.
Mit diesem Zeitplan im Hintergrund wird die Antisubventionsuntersuchung weniger als Wettbewerbsverteidigung denn als Schadensbegrenzung gelesen. Die Kommission betont, dass die chinesischen Preise vom Staat gestützt werden; diskutiert wird, ob Brüssel dies korrigieren kann, ohne die Rechnung dem europäischen Käufer aufzubürden.
Beobachter weisen darauf hin, dass, falls die Untersuchung voranschreitet, die Produktion wahrscheinlich nicht nach Europa zurückkehren wird. Die Preise für chinesische Autos würden steigen — und damit auch die für andere — während die Werke weiterhin dorthin ziehen, wo sie bereits sind. Bleibt die Möglichkeit, wenn auch unwahrscheinlich, dass alles bei einer Aktennotiz und einer Schlagzeile bleibt. Im aktuellen Diskurs wagt kaum jemand, das Gegenteil zu unterschreiben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (164 Antworten).