EU-Außenbeauftragter Borrell erhält Rente aus verschuldetem Fonds

Josep Borrell bezieht eine Rente aus einem Fonds des Europäischen Parlaments mit 400 Millionen Euro Schulden, zusätzlich zu einem monatlichen Nettogehalt von über 20.000 Euro.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU-Außenbeauftragter Borrell erhält Rente aus verschuldetem Fonds
Borreli Rente: Ein Fonds mit 400 Millionen Euro Schulden

Josep Borrell Fontelles, Hoher Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, bezieht eine Rente aus einem Fonds des Europäischen Parlaments, der auf etwa 400 Millionen Euro Schulden sitzt und möglicherweise durch Steuerzahler gerettet werden muss. Sein eigenes Büro bestätigt dies. Mit 75 Jahren addiert der Sozialist diese Zahlungen zu einem monatlichen Nettogehalt von über 20.000 Euro, abgesehen von weiteren Bezügen. Die Zahl ist unangenehm in einer Zeit, in der die Hälfte Europas diskutiert, wie stark man daheim die Heizung herunterdrehen kann.

Das sind die überprüfbaren Daten. Der Rest – die Behauptung, er sei mit Konten in Steueroasen „erwischt“ worden – ist vorerst eine Schlagzeile, die schneller läuft als die Dokumente.

Was ist dran an den Steueroasen-Vorwürfen?

Laut der Anschuldigung, die dem Thema seinen Namen gibt, hätte Borrell Konten in Steueroasen. Auf dieser Basis behauptet ein Teil der Analyse, das Problem sei nicht nur das Geld, sondern für wen arbeitet, wer es bewegt, und erinnert daran, dass wer entscheidet, wo er sein Vermögen platziert, auch entscheidet, wen er schützt und wen er schutzlos lässt. Dagegen reduziert ein anderer Strang alles auf eine politische Operation: Es gebe nichts „Erwischtes“, nur die Entscheidung, einen Kopf zu opfern, um das Publikum zu unterhalten.

Die Hinweise, die kursieren, sind keine geprüfte Buchhaltung. Es wird von handschriftlichen Notizen gesprochen, die zwischen ihnen hin- und hergeschickt wurden, ein Format, das vielen aus einer anderen Epoche zu stammen scheint. Genau diese dokumentarische Fragilität ist das Argument, das am häufigsten wiederholt wird, um kein Verbrechen als bewiesen anzusehen. Dass eine externe Stelle des Europäischen Parlaments selbst den Fall aufgedeckt hat, fügt eine weitere Ebene des Verdachts hinzu, diesmal darüber, wer das Geld überwacht hat.

Zapateros handschriftliche Notizen und ein Vertrauensname

Der zirkulierende Aktenordner enthält handschriftliche Notizen von José Luis Rodríguez Zapatero an Patrick MacDowell. In einer davon teilt der ehemalige sozialistische Präsident mit, dass die Person, an die er gedacht habe, um in Brüssel politisches und wirtschaftliches Gewicht zu haben, Borrell sei. In einer anderen dankt er für das entgegengebrachte Vertrauen und kündigt an, dass seine Annäherung bald beginnen werde. Nichts weiter. Zwei Blätter und eine Empfehlung.

Von dort aus dehnt sich die Erzählung so weit, wie jeder möchte. Manche sehen in diesen Papieren den Beweis eines Netzwerks zur Platzierung von Gleichgesinnten; andere sehen zwei Notizen ohne notarielle Beglaubigung oder juristischen Wert. Der Fall ruht vorerst auf Interpretationen, nicht auf Urteilen.

Ist Borrell links oder rechts?

Die Diskussion verheddert sich in einer Frage, die wie aus dem Lehrbuch wirkt: Zu welchem Lager gehört die Figur? Eine Strömung verortet ihn fest im linken Spektrum und behauptet, dass jedes Mal, wenn ein Anführer dieses Lagers involviert ist, zum alten Trick gegriffen wird, zu sagen, er sei eigentlich nie links gewesen. Eine andere antwortet, dass Borrell mehr gemeinsam habe mit bestimmten Parteien der spanischen Rechten als mit dem Durchschnittswähler, und ihn Sozialist zu nennen, sei ein Glaubensakt.

Zwei Randbemerkungen zur Kalibrierung des Austauschniveaus. Erstens: Einige Teilnehmer behaupten, dass in Spanien das Halten von Geld in Steueroasen je nach Akteur unterschiedlich beurteilt wird. Zweitens: Manche behaupten, die Zahl der Involvierten im Fonds-Chaos wachse ständig und spreche bereits von fast siebzig Namen.

Vom „ihm passiert nichts“ zur Rettung des Fonds

Die am häufigsten wiederholte Prognose ist Straflosigkeit. Die vorherrschende Erwartung ist, dass bestenfalls ein Schauprozess stattfinde, eine symbolische Verurteilung, eine Geldstrafe, die einen minimalen Bruchteil des angeblich Entwendeten darstellt, und vielleicht eine Begnadigung. Niemand erwartet, jemanden hinter Gittern oder enteignet zu sehen. Der goldene Ruhestand bleibt das wahrscheinlichste Szenario.

Dem gegenüber steht die Forderung, die das Thema durchzieht und älter ist als die Europäische Union selbst: Gesetze machen jene, die sie brechen könnten, daher kommen sie nie rechtzeitig. Was nützt es, exemplarische Strafen für Diebstahl öffentlicher Mittel zu fordern, wenn der Gesetzgeber der Erste ist, der an ihrer Nichtexistenz interessiert ist?

Es gibt zudem eine Ebene, die viele über den konkreten Fall stellen: die eines Informationsökosystems in den Händen derselben Interessen, die die Beschuldigten finanzieren. Wenn wer die Medien kontrolliert, auch die Erzählung kontrolliert, wählt der Bürger blind oder schlimmer noch, wählt für das, was ihm erzählt wurde.

Ein Detail, das mit Ironie wiederholt wird: Derselbe Anführer, dem zugeschrieben wird, Opfer und Kürzungen für einen fernen Krieg zu fordern, bezieht eine Rente aus einem verschuldeten Fonds. Kohärenz hat in Brüssel keinen Börsenwert.

Am häufigsten wird gesagt, dass die Sache in Pressemitteilungen und Leaks zerfließt, dass die Rente weiterbezogen wird und der Fonds am Ende mit aller Leute Geld gerettet wird. Aber es ist nicht sicher, dass es bei nichts bleibt: Wenn die Liste der Geschädigten eines Rentenskandals sich der Siebziger-Marke nähert, fällt irgendwann eine Schachfigur. Man muss nur schauen, wer dran ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver