Ester Expósito: fünf Jahre und ein Gesicht, das nicht mehr dasselbe ist
Es gibt ein Foto, das kursiert und die Zeitlinie sprengt. Links eine Schauspielerin Anfang zwanzig mit großen Augen und rundem Gesicht. Rechts dieselbe Frau, so sagt man, mit anderen Lidern und einem schärfer geschnittenen Kiefer. Der Vergleich, in einem Gesundheitsportal veröffentlicht und in einer Diskussion mit hundert Beiträgen wieder aufgegriffen, hat eine unbequeme Frage neu aufgeworfen: Wie viel von dem, was wir sehen, ist Genetik und wie viel ist Chirurgie? Im Zentrum der Debatte steht Ester Expósito, eine 26-jährige spanische Schauspielerin, die mit der Serie Élite berühmt wurde und die, so diejenigen, die die drei Staffeln des Netflix-Phänomens vergleichen, mit jeder Staffel „evolviert" zu sein scheint.
Das Thema ist nicht neu. Neu ist, dass die Konversation nicht mehr über ihr Talent geht, sondern in eine forensische Begutachtung von Lidern, Kinnen und Wangenknochen übergegangen ist. Und in dieser Begutachtung sind, wie bei allem, die Meinungen geteilt.
Vom runden Gesicht zum hängenden Lid: Was die Fotos zeigen
Die meistverbreitete These besagt, dass die Augen heute kleiner sind als früher, und dass das kein Kameraeffekt ist. Die Rede ist von einer Blepharoplastik, einem Wangen-Feinschliff, einem Kinn, das früher ein anderes war. Das Autoritätsargument ist ein Beitrag in einem Gesundheitsportal, das Bilder aus verschiedenen Epochen vergleicht und mit einem Augenzwinkern fragt, ob das dieselbe Person ist. Die Antwort des Portals selbst, die von denen wiederholt wird, die die Entwicklung Staffel für Staffel verfolgt haben, lautet: Die Veränderung ist real und konzentriert sich auf den Blick.
Demgegenüber ist die häufigste Verteidigung die einfachste: Das nennt man Make-up. Das Auge wirke anders, weil Eyeliner, Lidschatten und Konturierung eine Arbeit leisten, die früher nicht gemacht wurde. Das Alter tue sein Übriges. Mit zwanzig habe man ein Gesicht, mit sechsundzwanzig ein anderes, ohne dass jemand je im OP-Saal war. Das ist eine vernünftige Erklärung und in vielen Fällen ausreichend. Aber sie erklärt nicht, warum eine Schauspielerin am Anfang ihres Karriere anders aussah und eine etablierte Schauspielerin heute anders aussieht.
Es gibt eine dritte Diagnose, eine zynischere: das Geld. Die Gesichtszüge veränderten sich, wenn sich das Bankkonto verändere. Das Gesicht werde feiner, wenn man sich den leisten könne, der es feiner macht. Das ist die Lesart des giftigsten Teils der Diskussion, und sie liefert keine Beweise, nur Verdachtsmomente.
Wie viele natürliche Blondinen gibt es in Spanien? Die Zahl, die niemand brauchte
Mitten in der Gesichts-Analyse brachte jemand eine verstörende Zahl ein: Zwischen 9% und 12% der spanischen Bevölkerung sind natürliche Blondinen, in manchen Regionen bis zu 20%. Die Zahl kam auf, weil es darum ging, ob das blonde Haar der Schauspielerin aus der Flasche oder aus der Geburt stammt – und ob das überhaupt wichtig war. Die Antwort lautete offenbar: Es war sehr wichtig. Diskutiert wurde über Dolichozephalie, über iberische Kinnpartien und über einen angeblichen „afrikanischen Touch" in den Gesichtszügen. Das Niveau der Kaffeetafel-Genanthropologie erreichte Höhen, die einen Professor erröten lassen würden.
Das Fazit dieses Abschnitts: Niemand weiß, wovon er spricht, und alle meinen es mit Vehemenz. Die einen werfen den anderen vor, Belehrungen zu erteilen, ohne Ahnung zu haben; die Beschuldigten antworten mit dem klassischen „du doch erst". Die Genetik macht derweil einfach weiter, gleichgültig gegenüber den Prozentzahlen, die in die Luft geworfen werden.
Der Preis der Schönheit: 2.500 Euro und ein neues Gesicht
Eine der Zahlen, die tatsächlich auftaucht, sind die Kosten: 2.500 Euro für ein Kleid. Eine andere, weniger konkrete, aber aussagekräftigere lautet, dass die Schauspielerin laut einem Kommentar „mehrere Schönheitschirurgen reich gemacht" habe. Eine Rechnung gibt es nicht, aber es herrscht Konsens darüber, dass das heutige Gesicht nicht allein das Werk der Natur ist. Die Frage, die in der Luft hängt: Warum verändert eine Frau, die ohnehin schön war, ihr Aussehen? Und die Antwort, die gegeben wird, ohne viel Mitleid: Die Industrie belohnt einen bestimmten Gesichtstyp, und wer ihn nicht hat, lässt ihn sich verschaffen.
Auffällig ist, so mehrere der härtesten Beiträge, das Alter: dass der Verfall mit 25 einsetzt und nicht erst mit 35, wie früher. Dass ein glattgebügeltes, faltenloses Gesicht einen Effekt von undefinierbarem Alter erzeuge, von vorzeitigem Alter im Gewand der Jugend. Das ist eine ästhetische Beobachtung, keine medizinische, und man sollte sie nehmen, was sie ist: eine Meinung über das, was man sieht, keine Diagnose über das, was da ist.
Der unbequeme Konsens: schön für 98,5%
Zwischen all der Kritik gibt es eine Stimme, die einen Kontrapunkt setzt: Die Schauspielerin sei „weniger hässlich als 98,5% der übrigen Frauen". Die Zahl ist erfunden, aber die Idee nicht: Das Urteil über ihre Schönheit wird an einer unmöglichen Messlatte gefällt, und wer sie beliebig nennt, hat sich wahrscheinlich nicht umgesehen. Eine andere, wohlwollendere Strömung räumt ein, ihre körperliche Anziehungskraft nicht zu erkennen, aber anerkennt, dass sie Jugend hat – und Jugend ist in diesem Geschäft mehr wert als Schönheit.
Der Abschluss der Sache ist, wie fast immer, eine Frage ohne Antwort: Ist sie nicht mehr wiederzuerkennen, weil sie sich verändert hat – oder weil wir sie mit den Augen von früher ansehen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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