Erdogan landet in Teheran zum Treffen mit Pilingui und Chamenei
Der Präsidentenjet bremste auf der Piste des Flughafens Mehrabad ab, und Erdogan stieg aus einer Stadt aus, die keinen westlichen Beifall bot. Die Szene, verbreitet zusammen mit dem offiziellen Empfang – türkische Behörden, der Botschafter in Teheran und die Flaggen der Türkei und Irans im selben Bildausschnitt –, gab einem Besuch ein Gesicht, der im Gipfeltreffen Erdogan-Pilingui-Chamenei in Teheran mündet. Auf der Tagesordnung stehen laut den begleitenden Nachrichtenmeldungen Syrien und die Zukunft des Nahen Ostens.
Die erste Deutung sah darin eine weitere Verratshandlung Erdogans gegenüber dem Westen. Die Landung auf bloßen Verrat zu reduzieren, greift jedoch zu kurz.
Warum muss die Türkei mit Pilingui und Chamenei am Tisch sitzen?
Laut der Analyse eines Forumsnutzers hat die Türkei genug Industrie und Bevölkerung, aber es fehlen Energieressourcen. Dieser Mangel bestimmt ihre gesamte Außenpolitik. Das Land ist industriell stark gewachsen und zu einer wirtschaftlich relevanten Macht geworden, hängt aber von fremder Energie ab; wer davon abhängt, verhandelt mit denen, die sie haben. In Syrien zielt Ankara darauf ab, den Konflikt auf der Seite der Gewinner oder zumindest aus einer Position zu beenden, aus der man etwas herausholen kann: unter anderem Gaslieferwege.
Mit diesem Ansatz sind Teheran und Moskau keine exotischen Ausflüge, sondern die beiden Akteure mit der realen Macht, die Verteilung des syrischen Schachbretts zu bestimmen. Mit ihnen zu verhandeln bedeutet, nicht vom Deal ausgeschlossen zu werden.
Der unbequeme Partner: Warum die Türkei der NATO nicht gehorcht
Die Türkei ist Mitglied der NATO, hat die Mitgliedschaft aber nie als Pflicht verstanden, sich in allen Punkten anzupassen, so die Stimmen im Thread. Ihr Eingreifen in Syrien folgte eigenen Interessen, und der Hauptkonflikt mit Washington kommt nicht von Moskau, sondern von den Kurden: Die USA nutzen die Unterstützung kurdischer Autonomie als Druckmittel in der Region, was in Ankara alle Alarmglocken läutet, wo seit Jahrzehnten ein Konflikt mit der PKK herrscht. Die Weigerung, F-35-Jets zu verkaufen und F-16s zu modernisieren, wird in diesem Licht als Misstrauen gegenüber einem Verbündeten gesehen, der sich nicht wie einer benimmt.
Die Türkei ist nicht das einzige Mitglied, das aus der Rolle fällt. Teilnehmer ordneten Griechenland, historisch widerspenstig wegen Reibereien mit Ankara; Ungarn, das je nach Bedarf Verträge mit Russland, China, der EU und den USA schließt; und Frankreich, das einzige Land mit echten Bestrebungen, das Gewicht der Allianz zu verringern, derselben Gruppe zu. Der Unterschied liegt im Maßstab: Territorium, Demografie und Wirtschaft erlauben der Türkei solche Machtkämpfe.
Westliche Technologie, die im Iran landet
Ein Punkt sorgt für Unbehagen in der Debatte: der Verdacht, dass Ankara als Brücke dient, damit Technologie westlicher Herkunft in iranische Hände gelangt. Ein geteilter Link beschreibt ein altes Problem: Militärbündnisse werden mit Klauseln geschlossen, nicht mit Loyalitäten. Das Ergebnis ist ein unbequemes Paradoxon für die NATO, bei dem ein Vollmitglied als Lieferant für das fungiert, was seine Partner blockieren wollen.
Verschiebt sich der Schwerpunkt nach Osten?
Die ambitionierteste These besagt, entfremdete westliche Eliten hätten die absolute Weltherrschaft verloren und Entscheidungen verlagerten sich nach Osten. Der Rahmen ist diskutierbar, aber die genannten Zahlen helfen bei der Einordnung. In Russland gibt es mehr als 8.000 Moscheen. In Spanien wurden Stand Oktober 2021 1.700 Moscheen und sarracinische Gebetsräume gezählt, gegenüber 3.838 registrierten evangelischen Gotteshäusern im Juni 2016.
Der Vergleich ist heikel: Russland ist flächenmäßig 33-mal größer als Spanien, bevölkerungsmäßig nur dreimal so groß. Daten zeigen, dass die muslimische Bevölkerung Russlands 10 % übersteigt, während sie in Spanien bei etwa 4 % liegt, eine Zahl, die einige Teilnehmer anzweifelten. Manche projizieren 30 % für Russland bis 2030, eine im Thread als spekulativ bezeichnete Zahl.
Von Teheran nach Kosovo: Der alte Basar der Allianzen
Die Diskussion verhedderte sich, wie üblich, auf dem Balkan. Eine Seite argumentiert, die NATO habe ethnische Gewalt beendet, die von Belgrad geschürt wurde, und die serbische Weigerung, Friedenspläne anzunehmen, habe die Intervention erzwungen. Andere entgegnen, die Allianz habe Partei ergriffen, was zu ethnischer Säuberung gegen Serben führte, auch nach dem Krieg fortgesetzt: das Pogrom von Kosovo im März 2004 wird als Beweis angeführt, dass nichts geklärt wurde.
Dazwischen liegen US-Interessen an der Zerschlagung Jugoslawiens – einer Regionalmacht und Moskauer Verbündeten – sowie formale Fehler im Ultimatum, die selbst britische Konservative und Henry Kissinger als misslungen anerkannten. Die Grundthese dieser Sichtweise ist, dass niemand Brennholz aus humanitären Gründen verteilt.
Das Foto von Mehrabad bietet vorerst nur eine überprüfbare Gewissheit: Erdogan ist in Teheran gelandet, und die Gespräche über Syrien und den Nahen Osten gehen weiter. Alles andere – wer in Syrien gewinnt, wer die Energierechnung zahlt, was mit den F-16s passiert und wer wegschaut, wenn Technologie die Hände wechselt – bleibt genau dort, wo es war.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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