Ercros: Von 1,78 € auf ein Übernahmeangebot von 3,60 € ohne Einigung
Was passiert bei Ercros, dass eine Aktie, die für 1,78 € gehandelt wurde, nun ein Übernahmeangebot (OPA) von 3,60 € erhält und dennoch niemand den Sieg feiert? Die Aktien des spanischen Unternehmens im Continuous Market sind seit Jahren Schauplatz zweier unvereinbarer Narrative, und der Preis hat jedem Recht gegeben, je nach Marktphase. Ein Aktionär, der seit 2015 investiert ist, begann eine Beobachtung mit der Feststellung, dass das Unternehmen drei Bereiche habe – zwei durch Corona getroffen, einer pharmazeutisch als Puffer – und einen vierten in Planung: Biokunststoffe, unterstützt durch eine „einzigartige“ Extruderanlage für dieses Projekt. Er versteckte seine Voreingenommenheit nicht: Er verkaufte die Hälfte seiner Position hoch, kaufte während der Pandemie zurück und kündigte an, alles unter 3 Euro weiter zu kaufen.
Was macht Ercros und warum galt es als günstig?
Das bullishe Argument stützte sich darauf, dass die Pharmasparte die Gruppe trug, während der Rest der Produkte den schwächsten Zyklus seit zwanzig Jahren erlebte. Die Zukunftsstrategie war eine vierte Sparte für Biokunststoffe, die innerhalb eines bis zwei Jahres offiziell in die Organisationsstruktur integriert werden sollte. Das Unternehmen hatte in F&E investiert und eine Extruderanlage für diese Verbundstoffe erworben, von denen es nur wenige gibt.
Der zweite Pfeiler war die Aktionärsvergütung: 6 Cent Dividende plus ein gleich hoher Betrag für Aktienrückkäufe, in einem Jahr, das der Befürworter selbst als ungünstig beschrieb. Sein optimistisches Szenario, falls sich die Wirtschaft erholt: 15 Cent Dividende plus weitere 15 Cent für Rückkäufe, also eine Gesamtrendite von 0,30 Euro pro Jahr je Aktie.
Dividende, Rückkauf und ein 2,5%, der nicht alle überzeugt
Die Gegenreaktion kam schnell und mit Zahlen: Eine Dividendenrendite von 2,5% und eine Debt-to-Equity-Ratio nahe 50% reichen für einen Income-Investor nicht aus. „Nicht schlecht als Unternehmen, aber ich sehe keinen klaren Plan“, fasste einer der Skeptiker zusammen, der zugab, nichts in spanischen Firmen zu halten, den Wert aber beobachtete.
Die Antwort lautete, dass die Hälfte der Vergütung über Rückkäufe erfolgt, nicht über Dividenden, und dass man bei diesen Preisen in zwei bis drei Jahren eine jährliche Rendite von 10-15% aus beiden Quellen anstreben könnte. Alles unter Vorbehalt: Keine dieser Zahlen wurde vom Unternehmen garantiert.
Der Preiskampf: Von 4,10 € in 2018 auf 1,78 € und wieder hinauf
Hier liegt die Zahl, die jeden neuen Anleger verwirrt. Ein Aktionär gab zu, Mitte 2018 zu 4,10 Euro gekauft zu haben, zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Ein anderer rühmte sich, im September gewarnt zu haben, dass Geduldige dieselbe Menge für 1,78 € statt 1,92 € bekommen würden.
Die Diskussion verschärfte sich, als die Aktie Tiefststände um 1,81 € markierte und dann, ohne Übergang, begann, die 3,70 € zu durchbrechen, mit Anstiegen von 7% in einer Sitzung. Dieselben Leute, die monatelang fragten, was kaputt sei, begannen zu fragen, ob es sich lohne, auf eine Erholung zu warten. Der Zyklus bestimmt, und der Zyklus warnt nicht.
Warum notiert Ercros bei 2,30 €, nachdem es fast 5 € erreichte?
Die häufigste Diagnose weist auf die Kosten für Energie und Rohstoffe hin, höher als in den Nachbarländern, sowie auf den Preiswettbewerb mit chinesischen und indischen Produzenten. In einem Jahr, in dem so viel Chlor wie noch nie verkauft wurde, konnte das Unternehmen keine angemessenen Ergebnisse vorlegen, laut der schärfsten Kritik.
Genannte Zahlen: Das Unternehmen erwartete Gewinne zwischen 15 und 20 Millionen bis Juni, weniger als die Hälfte von 2022. Mit diesem Bild fiel die Aktie von fast 5 Euro auf 3 und dann auf 2,30. Ein zyklisches, kleines Unternehmen mit Schwankungen von zehn Cent, erinnerten die Vorsichtigen: Um hier Geld anzulegen, muss man das Geschäft gut kennen.
Das Übernahmeangebot zu 3,60 € und die Rechnung, die nicht aufgeht
Das Ende kam in Form eines Angebots von 3,60 Euro pro Aktie, das die Kleinaktionäre selbst als Squeeze-out-Übernahme bezeichnen: Wenn der Käufer 75% des Kapitals erreicht, nimmt er das Unternehmen von der Börse, und die Verbleibenden gehen leer aus. 80% der Aktien liegen in Streubesitz, was die Transaktion offen lässt.
Die persönliche Bilanz eines Teilnehmers ist die beste Zusammenfassung: 10.094,64 Euro in zwei Tranchen investiert, Verkauf zu 3,40 € und, unter Berücksichtigung von Dividenden, Transaktionskosten und Verkaufspreisen, ein Verlust von 736,48 Euro in sechs Jahren. Ohne Inflationsbereinigung. Ein anderer verkaufte, bereute es und fragte sich, ob ein zweites Angebot mehr zahlen würde.
Wer während der Pandemie zu Schleuderpreisen kaufte, hat sein Kapital vervielfacht. Wer am Höchststand einstieg, schaut weiterhin auf den Bildschirm. „Am Ende bringt die Zeit jeden an seinen Platz“, sagte der Befürworter des Werts. Die Zeit hat Ercros vorerst in ein Übernahmeangebot von 3,60 € gebracht, das auch die Gewinner nicht zufriedenstellt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (236 Antworten).