Empörung über Jobangebot in Spanien: 700 Euro für 12-Stunden-Schichten

Ein virales Stellenangebot in Spanien sieht 12-Stunden-Tage für 700 Euro vor, unter dem Mindestlohn. Die Berechnung zeigt schwere Ausbeutung und löst breite Kritik in den sozialen Medien aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Empörung über Jobangebot in Spanien: 700 Euro für 12-Stunden-Schichten
Zwölf Stunden am Tag für 700 Euro: Ein Angebot, das die Krise der Gastronomie offenbart

Eine Stellenanzeige für einen Kellner in Spanien schlägt vor, von Montag bis Samstag von 07:00 bis 19:00 Uhr zu arbeiten, mit zwei täglichen Pausen und nur einem freien Tag pro Woche, gegen 700 Euro monatlich und Anmeldung bei der Sozialversicherung. Über den Account SoyCamarero (Ich bin Kellner) verbreitet, hat der Text Empörung in den sozialen Medien und eine Flut von Kritik an den Bedingungen im Gastgewerbe ausgelöst. Die Antwort des Kandidaten, eines 27-jährigen Mannes, fasst die Verwirrung zusammen: „Verarscht du mich?“

Das Angebot, dargestellt als WhatsApp-Chat, beschreibt einen 12-Stunden-Arbeitstag an sechs Tagen pro Woche. Das entspricht 72 Wochenstunden und 288 Monatsstunden. Die Berechnung ist verheerend: 2,43 Euro pro geleisteter Stunde. Der gesetzliche Mindestlohn (Salario Mínimo Interprofesional, SMI) liegt bei 1.134 Euro brutto monatlich verteilt auf 14 Zahlungen, was den Vorschlag illegal macht. Die Empörung breitete sich schnell aus: „Am Ende zahlst du dafür, zur Arbeit zu gehen“, „Überstunden werden am Ende der Schicht mit Peitschen bezahlt“ oder „Der spanische Traum!!!“ waren einige Reaktionen.

Ist es legal, 72 Stunden pro Woche für 700 Euro zu arbeiten?

Nein. Ein 12-Stunden-Arbeitstag an sechs Tagen pro Woche mit nur einem Ruhetag überschreitet die gesetzlichen Grenzen weit, und das angebotene Gehalt liegt deutlich unter dem SMI. Das Angebot umfasst auch die Anmeldung bei der Sozialversicherung, was es nicht weniger illegal macht: Der Betrag liegt unter dem Mindestlohn und die Arbeitszeit überschreitet das zulässige Maximum. Die Rechnung ist einfach: 288 Stunden im Monat zu 2,43 Euro die Stunde. Jeder Arbeitsinspektor mit ein paar grauen Zellen hätte Material für Sanktionen.

Die Reaktion im Netz ließ nicht auf sich warten. Viele Nachrichten riefen dazu auf, dies beim Arbeitsamt (Inspección de Trabajo) zu melden: „Was er tun muss, ist diesen Text an die zuständige Behörde weiterzugeben und eine Inspektion vorzubereiten, da sie sicher schon jemanden unter solchen Bedingungen haben.“ Andere erinnerten daran, dass dies kein Einzelfall sei: „4-Stunden-Vertrag und 9 Stunden Arbeit, 1-Stunden-Vertrag und 6 Stunden Arbeit, 8-Stunden-Vertrag und 11 Stunden Arbeit (bei diesem letzten habe ich etwa 310h/Monat gemacht). Lokale Bosse gibt es, viel mehr als ihr denkt.“

Gastronomie: Eine Branche im Personalmangel

Der Personalmangel in der Gastronomie ist eine Realität, die sich durch Angebote wie dieses selbst nährt. Endlose Schichten, niedrige Löhne und prekäre Arbeitsbedingungen führen dazu, dass immer mehr Menschen ablehnen, als Kellner zu arbeiten. Die virale Nachricht illustriert dies selbst: Ein Unternehmer bietet 700 Euro für 72 Wochenstunden und wundert sich, dass der Kandidat nicht akzeptiert. Der Account SoyCamarero ist zum Sprachrohr für diese Praktiken geworden, obwohl seine Glaubwürdigkeit ebenfalls infrage gestellt wurde. Manche behaupten, viele veröffentlichte Gespräche seien erfunden, um Bekanntheit zu erlangen. „Soy Camarero postet Erfindungen auf Twitter, um sein Buch zu verkaufen“, bemerkt eine Nachricht. Eine andere fügt hinzu: „Dieser Account veröffentlicht immer WhatsApp-Gespräche über Dritte-Welt-Bedingungen, die alle möglichen Gesetze verletzen. Dass solche Fälle jede Woche auftauchen, erscheint mir ziemlich unrealistisch.“

Die Skepsis ist nicht einheitlich. „Ich verstehe nicht, warum es so viele Anschuldigungen gibt, dass das Angebot falsch sei. Hat einer derer, die das sagen, jemals in der Gastronomie gearbeitet oder kennt jemanden, der das tut? Solche Bedingungen sind üblich, wenn nicht schlimmer, sogar in Orten mit relativ niedriger Arbeitslosigkeit“, entgegnet ein anderer Teilnehmer. Die Diskussion lenkt dann auf die Glaubwürdigkeit der Medien, die einen WhatsApp-Screenshot wiedergeben: „Eine Zeitung, die vorgibt, seriös zu sein, baut eine Nachrichtengeschichte auf einen Screenshot eines WhatsApp-Chats, den ein Typ auf Twitter gepostet hat. Sehr professionell alles.“

Das Gastro-Geschäft: Margen, Steuern und Terrassen

Über das konkrete Angebot hinaus verschiebt sich die Debatte hin zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Bars. Eine Nachricht beschreibt den Fall eines Gastronomen mit geerbter Bar, ohne Hypothek oder Miete, der niemanden einstellen kann: „Zwischen Steuern, Terrasse, Strom, Wasser, Lieferanten... Er fährt seit 20 Jahren dasselbe Auto, hat ein halb abgezahltes Haus, zwei Kinder unter 13... Total ausgebrannt, wird kahl und dick. Die Gastronomie bringt dich um.“ Die Antwort folgt prompt: „Die Terrasse steht frei, öffentlichen Raum nicht für privaten Nutzen zu nutzen. Wenn er sie nimmt, lohnt es sich. Die Gebühren für Terrassen sind lächerlich im Vergleich zu diesem Platz in einer Immobilie.“

Steuerdruck und Mieten werden als Ursachen der Prekarität genannt. Auch öffentliche Bewertungen kommen zur Sprache: „Was die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie wirklich tötet, neben Steuerdruck und Mieten, ist die Gewohnheit öffentlicher Bewertungen: Wenn die Marge ohnehin sehr klein ist und nur gute Preise, gute Ware und guter Service gute Bewertungen bekommen, wissen wir, was mit den Arbeitern passiert.“ Demgegenüber verteidigt eine andere Strömung, dass Bewertungen Kunden und Unternehmen, die gute Arbeit leisten, zugutekommen: „Öffentliche Bewertungen kommen den Kunden zugute, indirekt auch den Arbeitern, und auch den Unternehmen, die es richtig machen. Sie schaden eindeutig den Gaunern, Betrügern und Schwindlern.“

Warum werden diese Bedingungen akzeptiert?

Wirtschaftliche Not und fehlende Alternativen erklären, warum diese Angebote Kandidaten finden. „Wenn keine Beschwerde eingereicht wird, handelt die Arbeitsinspektion nicht oder geht hin, und für eine Beschwerde braucht man Daten, die entweder beim Lesen dieser Stellenanzeige nicht vorliegen oder der Jobsuchende will sich nicht damit herumschlagen und akzeptiert das Angebot schließlich, wenn er sehr bedürftig ist“, weist eine Nachricht hin. Prekarität wird so zum Teufelskreis: Der Arbeitnehmer akzeptiert, weil er keine andere Option hat, und der Arbeitgeber bietet das Minimum, weil er weiß, dass jemand es akzeptieren wird.

Unlauterer Wettbewerb taucht ebenfalls in der Debatte auf. „Vor dem großen Crash von 2008 dachten viele Kellner, sie seien Mittelklasse. Ich kannte einen, der einen Kredit von 3.000 aufnahm, um in den Urlaub zu fahren“, erinnert sich ein Teilnehmer. „Ich habe in London in der Gastronomie gearbeitet und gesehen, wie ein Kellner an einem Abend 200£ Trinkgeld in der Tasche hatte“, fügt ein anderer hinzu. Der Vergleich mit anderen Ländern verdeutlicht Lohnunterschiede und die Bedeutung von Trinkgeldern, die in Spanien selten ausgleichen.

Die Zukunft der Gastronomie: Mehr Regulierung oder weniger?

Die Empörung über das Angebot von 700 Euro für 72 Wochenstunden spiegelt ein strukturelles Problem wider. Beschwerden über Arbeitsausbeutung sind die Spitze des Eisbergs einer Branche, die nach Angaben der Arbeiter selbst mit prekären Verträgen und endlosen Schichten funktioniert. Die Arbeitsinspektion hat das letzte Wort, aber ohne Beschwerde gibt es keine Maßnahme. Währenddessen verschärft sich der Personalmangel und Bars schließen weiterhin. Die Frage ist, ob die Lösung in mehr Regulierung, einer Lohnerhöhung oder der Akzeptanz liegt, dass das aktuelle Modell nicht tragfähig ist. Mit diesen Zutaten ist es seltsam, dass überhaupt noch jemand Kellner sein will.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (112 Antworten).

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