Ecuadorianerin ruft in Madrid «Hoch lebe Franco» – Migrationsnarrativ bröckelt

Ein Video einer Ecuadorianerin vor dem PSOE-Hauptquartier entfacht eine Debatte über das Wahlverhalten lateinamerikanischer Migranten und deren Nähe zur Rechten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ecuadorianerin ruft in Madrid «Hoch lebe Franco» – Migrationsnarrativ bröckelt
Ecuadorianerin ruft in Madrid «Hoch lebe Franco» – Migrationsnarrativ bröckelt

Was passiert, wenn der Wähler, von dem man annimmt, er komme dankbar und links eingestellt an, plötzlich «Hoch lebe Franco und hoch lebe Spanien» vor dem Hauptquartier der PSOE (Sozialistische Arbeiterpartei) skandiert? Das Video einer ecuadorianischen Frau in der Calle Ferraz, verbreitet durch einen medialen Aktivisten, wurde zum Auslöser einer Diskussion, die weit über den Einzelfall hinausgeht: die vermeintliche ideologische Nähe der lateinamerikanischen Immigration, die politische Instrumentalisierung des importierten Patriotismus und die Abnutzung des Narrativs, das jede Zuwanderung automatisch als Stärkung des pogre Lagers darstellt. Die kurze, etwas groteske Szene diente beiden Seiten dazu, ihre Argumente zu platzieren.

Was genau im Video aus der Calle Ferraz gesagt wurde

Das Ausgangsmaterial ist ein Tweet mit einem Clip der Frau, begleitet von einem Satz, der die Reaktion eines Teils des Publikums zusammenfasst: «Diese Schwester schon (mit Cobrisa hat sie nichts zu tun)». Der Verweis auf die Vizepräsidentin und Arbeitsministerin Yolanda Díaz und ihre Partei ist kein Zufall: Der Kommentar deutet darauf hin, dass diese Migrantin nicht dem Profil entspricht, das die Regierung erwartet. Das Video wird mit der Idee geteilt, dass eine Ecuadorianerin, die frankistische Parolen vor dem sozialistischen Hauptquartier ruft, eine Anomalie sei, die das offizielle Narrativ über die Immigration entkräftet.

Die sofortige Reaktion mischt Spott und Verwirrung. Manche weisen auf den ideologischen Widerspruch hin, jemanden zu sehen, der «Hoch lebe Franco» ruft und sich gleichzeitig als Anhängerin von VOX (eine spanische rechtspopulistische Partei) ausgibt, während andere daran erinnern, dass Staatsbürgerschaft kein Gefühl, sondern ein juristischer Status ist. Die Szene wird eher zum Meme als zum politischen Argument.

Die These mit der größten Resonanz: Lateinamerikaner wählen rechts

Das am häufigsten wiederholte Argument in der Diskussion besagt, dass die Linke eine Zange gegen die Einheimischen konstruiert habe, indem sie Migranten instrumentalisierte, und dass dies im lateinamerikanischen Fall nach hinten losgegangen sei. Es wird behauptet, viele dieser Wähler seien rechts, katholisch und hätten eine patriotische Rhetorik, die besser zur Rechten als zum pogre Lager passe. Der Fall dominikanischer Migranten wird als Beweis angeführt: zwei Personen, die VOX unterstützen und Abschiebungen irregulärer Migranten fordern.

Der Vergleich mit den USA taucht mehrfach auf. Es wird argumentiert, dass Latinos dort ebenfalls in den letzten Wahlzyklen mehrheitlich rechts gewählt haben, und dass es hier genauso sein könnte. Die daraus gezogene Schlussfolgerung lautet, dass die Linke alles auf afrikanische und muslimische Immigration setzt, weil Latinos «Rechte» seien wie Weiße. Dies ist eine trügerische These: Sie verallgemeinert anhand anekdotischer Fälle und verwandelt eine Intuition in ein soziologisches Gesetz.

Importierter Patriotismus und seine Kosten

Eine weitere Linie der Debatte weist darauf hin, dass der von einigen neu angekommenen Migranten gezeigte Patriotismus keine bürgerliche Tugend, sondern eine nützliche Pose sei. Es wird behauptet, viele kämen aus Ländern, in denen der Staat versagt habe, und seien bereit, das Aufnahmeland mit mehr Eifer zu verteidigen als die Einheimischen selbst, gerade weil sie dessen Missstände nicht erlebt haben. Der Satz, der diese Haltung zusammenfasst: «Sie kommen aus sozialistischem Elend, kennen es besser als wir.»

Dem entgegen steht die Ansicht, dass das Wohlbefinden des durchschnittlichen Spaniers aufgrund des demografischen Drucks einbreche, und dass die Feier patriotischer Wähler weder Wartelisten, Wohnungspreise noch Lohnrückgänge behebe. Das Argument ist eher ökonomisch als identitär: mehr Bevölkerung auf denselben Ressourcen.

Die wirtschaftlichen Kosten, die niemand diskutieren will

Hier wird die Debatte konkreter. Erwähnt werden die Verteuerung des Wohnraums, lange Wartezeiten im Gesundheitswesen, der Druck auf öffentliche Dienstleistungen und die Lohnzurückhaltung. Die wiederkehrende Schlussfolgerung lautet, dass Immigration nicht der einzige Faktor für den Verfall sei, aber auch nicht dazu beitrage, dass die Dinge besser werden. Und dass früher oder später ein Teil der Bevölkerung sie als erstes Problem benennen werde, weil der menschliche Geist vereinfacht.

Die Antwort von der anderen Seite lautet, dass das Problem nicht die Migration sei, sondern der Mangel an öffentlichen Investitionen. Man erinnert daran, dass in der Vergangenheit Millionen öffentlicher Wohnungen gebaut und Staatsunternehmen gegründet wurden, was heute als «rot» gilt. Der Kontrast zwischen der Rhetorik der Rechten und ihrer wirtschaftlichen Praxis wird ironisch unterstrichen: Man klatscht dem Migranten zu, der «Hoch lebe Franco» ruft, schlägt aber nichts vor, um ihn zu integrieren.

Die Falle des Videos als politisches Argument

Der Vorfall in der Calle Ferraz funktioniert, weil er visuell, kurz und widersprüchlich zum Skript ist. Aber sein Beweiswert ist null. Eine Frau, die Parolen ruft, repräsentiert keine Gruppe von Millionen. Die Diskussion zeigt dies deutlich: Während einige den Beweis sehen, dass lateinamerikanische Immigration konservativ sei, sehen andere eine Anekdote, die von einem Aktivisten ausgebeutet wird. Die einzige solide Schlussfolgerung ist, dass das Migrationswahlverhalten kein monolithischer Block ist, und wer es so behandelt, wird sich irren.

Was nun mit dem Migrationsnarrativ passiert

Das Video ändert keine Politik. Aber es hinterlässt eine unbequeme Frage: Wenn die Immigration nicht wie erwartet wählt, wie lange hält dann das Narrativ durch, das sie als automatische Stärkung des pogre Blocks darstellt? Die Antwort liegt nicht im Clip, sondern an der Urne. Und dort gibt es vorerst nur Spekulation.



Schlüsseldaten des Vorfalls

  • Die Protagonistin des Videos ist eine ecuadorianische Frau, die «Hoch lebe Franco und hoch lebe Spanien» vor dem PSOE-Hauptquartier in der Calle Ferraz ruft.
  • Der Clip wird mit dem Satz «Diese Schwester schon (mit Cobrisa hat sie nichts zu tun)» verbreitet, in Anspielung auf Yolanda Díaz.
  • Es wird der Fall zweier Dominikaner angeführt, die angeben, VOX zu wählen, und Abschiebungen irregulärer Migranten fordern.
  • Die Diskussion beginnt mit 145 Antworten und bleibt 464 Tage lang aktiv.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (145 Antworten).

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