Drohnenangriff auf russische Basen: Nur zwei Tu-95 zerstört, nicht vierzig

Bestätigte Verluste bei den Angriffen auf russische Luftbasen sind zwei Tu-95 und eine An-12, weit unter den angekündigten vierzig. Dies beeinträchtigt die Transparenz im Nuklearvertrag.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Drohnenangriff auf russische Basen: Nur zwei Tu-95 zerstört, nicht vierzig
Zwei Tu-95 und eine An-12 zerstört: Die tatsächliche Bilanz des Angriffs auf russische Basen

Die abschließend bestätigten Zahlen ähneln kaum den Schlagzeilen, die stundenlang kursierten. Der Drohnenangriff auf russische Flugplätze, der als größte Operation des Krieges präsentiert wurde, hinterließ vor Ort eine deutlich bescheidenere Bilanz: Auf dem Stützpunkt Olenya wurden zwei Tu-95MS zerstört, zwei weitere beschädigt und eine An-12 Transportmaschine vernichtet; auf dem Stützpunkt Bela erlitten drei Tu-95MS und zwei Tu-22M3 reparierbare Schäden. Gesamtzahl: zwei vollständig verlorene strategische Bomber plus ein Transportflugzeug. Die in den ersten Stunden verbreitete Zahl von 40 zerstörten Maschinen blieb genau das: eine Zahl.

Die vollständige Aufschlüsselung mit den fünf betroffenen Flugplätzen und der Liste der getroffenen Geräte lässt einen Interpretationsspielraum, der zu keiner der beiden offiziellen Darstellungen passt. Im Folgenden steht, was die Daten hergeben.

Was in Olenya und Bela tatsächlich zerstört wurde

Die endgültige Bilanz des Angriffs lautet wie folgt: zwei Tu-95MS zerstört, vier Tu-95MS beschädigt, zwei Tu-22M3 beschädigt und eine An-12 zerstört. Von den neun getroffenen Fluggeräten bleiben drei dauerhaft außer Dienst, während die übrigen in die Reparaturwarteschlange gehen. Nach den vorliegenden Zählungen besteht die russische strategische Flotte aus 70 Tu-22, 22 Tu-160 und 43 Tu-95, wobei fünf der letzteren wiederherstellbar sind.

Der Unterschied zwischen diesen Zahlen und den groß verkündeten 40 ist kein Detail. Es ist die Distanz zwischen einer Operation, die das strategische Gleichgewicht verschiebt, und einer, die nur einen weiteren Punkt auf der Anzeigetafel addiert. Tu-95 werden seit Jahrzehnten nicht mehr produziert, daher ist jede verlorene Einheit ein Nettoverlust. Aber zwei Einheiten sind nicht vierzig, und die Propaganda, die um die aufgeblähte Zahl gebaut wurde, fiel innerhalb eines Tages in sich zusammen.

Warum standen die Bomber offen und ohne Hangars?

Das häufigste Argument zur Erklärung der Verwundbarkeit der Basen ist nicht Inkompetenz, sondern ein Vertrag. Russische Atombomber mussten nach dieser These gemäß einem Rüstungskontrollabkommen mit den USA aus Zeiten des Kalten Krieges sichtbar bleiben. Das heißt: Sie durften sich nicht in verstärkten Hangars verstecken, ohne einen Pakt zu verletzen, der das halbe nukleare Gleichgewicht der Erde trägt.

Diese Lesart hat Konsequenzen. Wenn die Vereinbarung verlangte, dass die Fluggeräte sichtbar bleiben, hat der Angriff nicht nur Flugzeuge beschädigt: Er stellte den Rahmen infrage, der beide Großmächte daran hinderte, sie zu verstecken. Und wenn dieser Rahmen bricht, wird die nächste Runde keine Drohnen sein: Es werden undurchsichtige Stationierungen und weniger Transparenz sein, was genau das Gegenteil dessen ist, was jeder Abrüstungsvertrag anstrebt.

Einige behaupten, dass es, Vertrag hin oder her, genug Zeit gegeben hätte, Hangars oder Drohnenabwehrnetze zu bauen. Diese Basen sind nicht zum ersten Mal solchen Angriffen ausgesetzt. Die Frage, warum dies nicht geschehen ist, ist berechtigt, und die Antwort kennt niemand außerhalb der Generalstäbe.

Der Angriff als Propagandaoperation, nicht als strategischer Schlag

Die These, die in den Analysen am meisten Gewicht hat, besagt, dass der eigentliche Wert des Angriffs nicht in den zerstörten Flugzeugen liegt, sondern in der Medienwirkung. Das Ziel war die Erzählung, nicht die operative Fähigkeit. Und darin funktionierte es: Stundenlang kursierte die Zahl von 40 zerstörten Fluggeräten als Tatsache, begleitet von Bildern, auf denen kaum mehr als vier Rauchsäulen zu sehen waren.

Das Problem an Operationen, deren Zweck die Erzählung ist, ist, dass sie sich selbst erschöpfen. Ein Drohnenangriff, der nur einmal durchgeführt werden kann, der sich nicht wiederholen lässt, weil die Verteidigung verstärkt wird, und der nur zwei zerstörte Geräte hinterlässt, ändert den Verlauf eines Krieges nicht. Was er tut, ist, ein Datum im Kalender zu markieren und Argumente für jene zu liefern, die die Reaktion verschärfen wollen.

Welchen militärischen Wert haben strategische Bomber heute?

Die alles überschattende Frage ist, wozu diese Flugzeuge dienen. Eine Tu-95 braucht Stunden, um ihr Ziel mit Unterschallgeschwindigkeit zu erreichen, und ist auf Eskorten angewiesen, die in einem echten Konflikt nicht existieren würden. Mittelstrecken-Hyperschallraketen und U-Boote mit Nuklearkapazität erfüllen dieselbe Rolle in Minuten und ohne Besatzungsgefahr.

Aus dieser Logik hat der Angriff die Abschreckungsfähigkeit Russlands nicht geschwächt. Er erinnerte daran, dass Bomber ebenso Symbol wie Waffe sind und dass Symbole ebenfalls verteidigt werden müssen. Das Paradoxon besteht darin, dass ein für moderne Kriege veraltetes Fluggerät für die Propaganda des Gegners weiterhin von unschätzbarem Wert ist.

Kollateralschaden: Nukleare Transparenz infrage gestellt

Der nachhaltigste Schaden dieses Angriffs liegt vielleicht nicht in Russland. Wenn die Vereinbarung, die die Sichtbarkeit der Bomber vorschrieb, fällt, müssen die USA ihre eigene Stationierung überdenken. Das bedeutet weniger Transparenz, mehr Undurchsichtigkeit und ein höheres Risiko von Missverständnissen in einem Bereich, in dem Missverständnisse in Megatonnen gemessen werden.

Das Paradoxon ist, dass ein Angriff, der darauf abzielte, Russland zu schwächen, am Ende den Rahmen schwächen könnte, der verborgene Wettrüsten verhinderte. Niemand gewinnt dabei, außer jenen, die zukünftige Erhöhungen der Militärausgaben rechtfertigen wollen.

Was wird von der russischen Reaktion erwartet?

Die offene Frage ist, was Russland tun wird. Die Optionen reichen von einer sofortigen, unverhältnismäßigen Antwort bis zu einer zeitlich und örtlich flexibel gewählten Vergeltung, die Moskau am besten passt. Die am häufigsten wiederholte These ist, dass Russland kein Interesse daran hat, zu reagieren, wenn der Gegner es erwartet, sondern dann, wenn es ihm nützt.

Einige deuten an, dass der Angriff als Ausrede dienen könnte, damit Russland in Verhandlungen mehr fordert und die USA einen würdigen Ausweg aus dem Konflikt finden. Wenn dies geschieht, war der Angriff ein taktischer Sieg mit einem noch unkalkulierbaren strategischen Preis. Wenn nicht, bleibt er das, was die Zahlen sagen: zwei zerstörte Flugzeuge und eine Schlagzeile über vierzig.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (135 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver