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Die Nation als Software im Kopf
Spanien steht nicht im Periodensystem, und trotzdem stirbt man dafür. Eine Analyse der nationalen Identität als Software und des Staates als Werkzeug.
Die Nation, diese Software, die installiert wird, bevor man sprechen kann
Spanien taucht nicht im Periodensystem auf. Die Berge bleiben bestehen, selbst wenn man die Karten verbrennt, aber Spanien würde in zehn Minuten verschwinden, wenn es niemand mehr anerkennt. Diese triviale Tatsache ist der Startschuss für eine unbequeme Diskussion über die nationale Identität und den Vertrag, der das Individuum mit seinem Machtapparat verbindet. Denn tatsächlich wird niemand als Spanier geboren, so wie niemand als Real-Madrid-Fan geboren wird: Beides wird installiert.
Die Software der Zugehörigkeit
Das zentrale Argument lautet: Die Nation ist eine Datei, die im Kopf installiert wird, bevor man sie formatieren kann. Eine Karte, eine Flagge, eine Hymne und eine Liste von Feinden. Die Erziehung und die Geschichte, geschrieben von den Siegern, erledigen den Rest. Wer das akzeptiert, verteidigt es, als wäre es DNA; wer es in Frage stellt, wird als Nihilist oder „wurzelloses Individuum" abgestempelt. Kurios, dass dieselbe Person, die ihre Vorfahren zur Verteidigung der Flagge anruft, weder deren Schulden noch deren Läuse noch deren Analphabetismus erbt: nur deren Kriege und deren Stolz.
Manche gehen einen Schritt weiter und beschreiben den Staat als eine „Räuberbande mit Amtsblatt". Die Software-Metapher lässt sich ausdehnen: Die Sprache dient der Kommunikation (wie ein Schraubenschlüssel), die Nation dient dem Gehorsam (wie ein Halsband). Und das Besitzgefühl gegenüber dem Land ist sorgfältig fabriziert: Der Bürger kann keinen Quadratmeter verkaufen, entscheidet nicht, wer die Grenze überquert, und druckt kein Geld. Man lässt ihn „es ist meins" wiederholen, während andere alles verwalten.
Hobbes, Stirner und die Falle des Individualismus
Der Gegenangriff kommt von zwei Seiten. Die erste ist die klassische: Der Mensch ist ein soziales Wesen, und ohne Staat gibt es keine Zivilisation. Hobbes hat es zusammengefasst: Ohne konzentrierte Macht ist das Leben einsam und brutal. Wer den Staat verteidigt, erinnert daran, dass staatenlose Gesellschaften absorbiert wurden oder untergingen. Die zweite, verschlungener, weist darauf hin, dass der radikale Individualismus zum selben Staat führt: Der Wettbewerb unter Egoisten erfordert einen Schiedsrichter.
Hier erscheint das Paradox, das die Debatte entgleisen lässt. Wer die Nation ablehnt, lehnt die Kooperation nicht ab: Er genießt seine Familie, seine Freunde, seine Sprache. Was er nicht will, ist, dass ein Verwaltungswerkzeug zu seinem Eigentümer wird. Doch der Kollektivist erwidert, dass es ohne eine zusammenhängende Gemeinschaft mit Gedächtnis und Grenze keine zu verteidigenden Ressourcen gibt. Und ohne Ressourcen ist Freiheit ein Luxuskonzept.
Schafe, Hirten und die Nostalgie nach dem Stamm
Der Tiefpunkt des Austauschs vermischt Viehzucht-Metaphern mit Migrationspolitik. Das Land als Weide mit begrenztem Gras; der Ausländer als Schaf, das zum Fressen kommt; der Staat als Hirte, der entscheidet, wer weidet. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass der Nationalismus von links und der von rechts dieselbe Grammatik teilen: das Bedürfnis nach einem Innen und einem Außen.
Die Diskussion verfällt schnell in Beleidigungen, Bot-Verdächtigungen und Verweise auf eine „anglo-globalistische Verschwörung", die Spanien in eine Kolonie verwandeln würde. Doch der Kern bleibt: Wenn man an einem Ort geboren zu werden kein Verdienst ist, warum sollte es eine Pflicht sein? Und wenn die Nation eine Fiktion ist, was hindert irgendjemanden daran, sie umzuschreiben?
Die Antwort kommt nie, denn die Debatte ist nicht logisch, sondern emotional. Vernunft gegen Emotion, und die Emotion gewinnt meistens. Währenddessen schläft die Mehrheit mit der Hymne im Hintergrund ein, ohne sich zu fragen, wer die Melodie komponiert hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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