Die spanischen Banken sind das zweitstärkste dem Staatsrisiko ausgesetzte Bankensystem der Eurozone, mit mehr als 650.000 Millionen Euro, 15,5% der Gesamtsumme. Die Finanzierungskosten sind überall explodiert, und die Märkte brauchen keinen Zahlungsausfall, um Disziplin durchzusetzen.
Es gibt eine Fabel, die sich immer wieder erzählt: die vom Wolf, der nie kommt. Jahrelang haben sich die Staaten großzügig verschuldet, gestützt auf niedrige Zinsen und Notenbanken, die bereit waren, alles zu kaufen, was nötig war. Das Problem, sagen manche Analysten heute, ist, dass Fabeln manchmal wahr werden. Und das sich abzeichnende Szenario hat nicht einen einzigen Protagonisten, sondern viele: Staaten, die immer mehr dafür zahlen, ihre Schulden unterzubringen, Banken voller Staatsanleihen und ein globaler Schuldenmarkt, den niemand ganz kontrolliert.
Der Funke, falls er überspringt, wird nicht von einem exotischen Produkt kommen, das niemand versteht. Er wird vom Einfachsten kommen: eine Regierung, die ihre Schulden zu einem Preis refinanzieren muss, den sie nicht zahlen kann. 2008 war der Auslöser die US-Immobilienkrise mit den Subprime-Hypotheken, komplexen Produkten, die Schulden unterschiedlicher Qualität bündelten. Die moderne Version dieser Instrumente sind heute die Schuldpakete, die Unternehmen zur Finanzierung emittieren, aber auch die Staaten selbst. Verschuldung auf Verschuldung. Ich habe eine Schuld, verkaufe sie an Dritte, um mich zu entlasten, und das Problem entsteht, wenn diese Dritten die Zinszahlung fordern und ich sie nicht leisten kann. Die Kette reißt am Schuldenmarkt, dem größten der Welt, wo niemand genau weiß, welche Größe alles annimmt, was nicht sichtbar ist, abgesehen vom Primär- oder Sekundärmarkt.
## Die Finanzierungskosten explodieren weltweit
Die zehnjährige Anleihe der **USA**, die wichtigste weltweite Referenz, notiert bei rund **5,25%**, dem höchsten Stand seit **2002**. Das ist kein Einzelfall. **Großbritannien** hat seit den 90er Jahren nicht so viel für langfristige Anleihen gezahlt. Die zehnjährige Anleihe **Japans** hat Dreißigjahresrekorde erreicht. Und in **Spanien** liegt die Rendite, wenn auch gedämpft, über **4%**, ähnliche Niveaus wie 2023, als die Zinsen der Eurozone diese Höhen rechtfertigten.
Der Fall Frankreich bereitet in Europa die größte Sorge. Die französische Anleihe steigt unaufhörlich und steht kurz vor **4,9%**, bei einem Defizit, das ohne Reformen untragbar erscheint. Der soziale Widerstand gegen jede Kürzung und die Instabilität der Regierungen — in zwei Jahren folgten fünf Premierminister aufeinander, bis zum heutigen **Sébastien Lecornu** — lassen die Anleger am Vermögen des Élysée zweifeln, eine Verschuldung von über **120% des BIP** umzukehren. Bis **2030** wird sich nach Berechnungen des französischen Finanzministeriums allein der Zinsdienst verteuern, um **59%**, und er ist bereits der größte Einzelposten im Staatshaushalt.
**Funcas** fasst es in seinen Oktober-Heften der 'Cuadernos de información económica', die genau der Verschuldung gewidmet sind, so zusammen: Es sind sehr unterschiedliche Volkswirtschaften und Probleme, und sie in einen Topf zu werfen wäre ein Fehler, aber die gemeinsame Botschaft ist schwer zu überhören. Die Märkte brauchen keinen Zahlungsausfall, um Disziplin durchzusetzen. Sie können es viel früher tun, über höhere Zinsen, größere Volatilität und Refinanzierungskosten, die schließlich im Haushalt und in der übrigen Wirtschaft ankommen.
## Die spanischen Banken, die am zweitstärksten exponierten der Eurozone
Seit die **Europäische Zentralbank** den Kurs gewechselt hat und eine neue Zinsanhebungsrunde begonnen hat, haben die Banken, auch die spanischen, ihre Anleihenportfolios in Staatsanleihen erheblich ausgebaut. Das spanische Bankensystem ist das am zweitstärksten der Staatsschuld ausgesetzte der gesamten Eurozone, mit mehr als **650.000 Millionen Euro**, **15,5%** des Gesamtsystems. In den letzten vier Jahren war der Anstieg historisch: **182.000 Millionen Euro** mehr in Anleihen verschiedener Regierungen investiert, die Hälfte in Spanien, ein Plus von **30%**, nach Daten der **EBA** (Europäische Bankenaufsichtsbehörde).
Der Trend ist allgemein. In ganz Europa weist das Bankensystem insgesamt **4,17 Billionen Euro** in Staatsanleihen in den Bilanzen aus. Allein die französischen Banken halten gut ein Viertel, mit **1.286 Millionen Euro** zum Jahresende 2025, dem letzten verfügbaren Datum. Es folgen die Italiener mit **539 Millionen** und die Deutschen mit weiteren **511 Millionen**. Die deutschen Institute sind die einzigen, die seit Beginn der Zinsanhebungen ihre Bestände an Staatsschulden stärker ausgeweitet haben als die spanischen.
Innerhalb Spaniens ist die **Banco Santander** das am stärksten exponierte Institut. Sie verfügt über insgesamt **165.000 Millionen Euro** in ihrem Portfolio an Staatsanleihen, davon sind **46%** spanische Schulden, und das Institut selbst hat eingeräumt, dass es diese Exposition nicht erhöhen will, nachdem sie im Juni 2026 ihren Höchststand erreicht hat. Die **BBVA**, mit dem zweitgrößten Bestand, kam im Juni auf **89.600 Millionen Euro**. Davon entfallen **30%** auf Spanien, gefolgt von Italien mit **6,2%**. Insgesamt machen die Schulden europäischer Regierungen **47,3%** ihres Portfolios aus. Auch die **CaixaBank** brachte im Juni ihre Exposition gegenüber Staatsanleihen auf einen Höchststand, mit bis zu **79.200 Millionen Euro**, fast die Hälfte in Spanien. Weitere **40%** liegen in EU-Ländern, wobei sie nicht angibt, wie viel in Frankreich liegt. Nach dem Gewicht im Schuldenportfolio sticht die **Banco de Sabadell** hervor, die mit einem Portfolio öffentlicher Schulden von **34.800 Millionen** **57%** in heimische Anleihen investiert.
## Die Angst hat sich bereits an der Börse bemerkbar gemacht
Die spanischen Banken sind die, die in den letzten zwei Wochen am stärksten unter der Angst vor einer möglichen Schuldenkrise leiden. Ihre Verluste überstiegen an der spanischen Börse zeitweise **10%** im Durchschnitt, obwohl die Freitagsession den Absturz etwas dämpfen konnte. **Unicaja** und **CaixaBank** sind die beiden Institute mit dem stärksten Rückgang, zwischen **10%** und **11%** in fünfzehn Tagen, gefolgt von der **Bankinter** mit rund **9%** und der **BBVA** mit **7,5%**. Insgesamt haben die sechs Ibex-Institute in den letzten fünfzehn Tagen mehr als **33.000 Millionen Euro** an Marktkapitalisierung verloren.
Die Anleger haben die Exposition der europäischen Institute gegenüber Staatsschulden erneut unter die Lupe genommen, um mögliche Ansteckungseffekte zu analysieren. Es ist nicht mit der Schuldenkrise von 2012 vergleichbar, aber Spannungsherde sind nicht ausgeschlossen, die von Unternehmen kommen könnten, die höhere Finanzierungskosten nicht tragen können, oder von Schuldnern, die in der Unendlichkeit des Anleihemarkts verborgen bleiben.
Die **Europäische Bankenaufsichtsbehörde** räumte in ihrem letzten alle zwei Jahre erscheinenden Risikobericht ein, dass die Tragfähigkeit der Staatsschulden weiterhin entscheidend für die Finanzstabilität Europas ist, insbesondere für jene Mitglieder mit hohen Finanzierungskosten und schwachen Wachstumsprognosen, die ihre Fähigkeit zu fiskalischen Anpassungen einschränken. Was die Banken betrifft, betont die Behörde, dass der Anstieg der Renditen von Staatsanleihen potenzielle Verluste in ihren Anlageportfolios verursachen kann, was sie dazu bringen könnte, den Kreditrahmen zu schließen. Allerdings bezieht sie sich auf den Anteil der Anleihen, die die Banken zu Marktwerten halten, also dem schwankenden und auch kleineren Teil.
## Die Straflosigkeit der Staatsschulden geht zu Ende
Ein Bericht von **Morningstar** unter dem Titel 'Haben die europäischen Banken den Teufelskreis der Staatsschulden durchbrochen oder ihn nur neu konfiguriert?' räumt ein, dass der Anstieg der Käufe von Staatsanleihen durch die Banken in den letzten Jahren und die Komplexität des Schuldenmarkts kurzfristig ein Spannungsfaktor sein kann. Nach ihren Zahlen halten die spanischen Banken insgesamt mehr als **60%** der Anleihen zu fortgeführten Anschaffungskosten, das heißt, sie werden ihnen keine Verluste bescheren, gegenüber **30%** bei den irischen Instituten, rund **40%** bei den deutschen und niederländischen und **55%** bei den französischen.
**Francisco Rodríguez**, leitender Ökonom bei Funcas, bringt es auf den Punkt: Wir erleben den Anfang vom Ende der Straflosigkeit der Staatsschulden. Alle großen Reiche sind an den Schulden gescheitert, und vielleicht können die Vereinigten Staaten es in 100 Jahren oder in 20 auch, aber nichts ist ewig. Rodríguez erinnert sich mit einer gewissen Verwunderung an den Zusammenprall im September zwischen dem **US-Finanzministerium** und der **Federal Reserve**, als das Ministerium beschloss, in den Markt einzugreifen und Staatsanleihen zu kaufen, um die Spannungen bei seiner Schuld zu mildern — mit wenig Erfolg —, und die Finanzierungskosten seiner Regierung zu senken.
Auf dieser Rechnung, die die Anleger allen Staaten präsentieren werden, wird Spanien nach Berechnungen von Funcas allein für die Zinszahlung der Schulden rund **60.000 Millionen Euro** im Jahr **2030** ausgeben, gegenüber den heutigen **40.000 Millionen**. Das Thinktank vertritt die Auffassung, dass das Problem, auf das man nach Jahren der Großzügigkeit bei der Staatsverschuldung, in denen der Wolf nie wirklich kam, stoßen könnte, darin besteht, dass Fabeln manchmal wahr werden.
Donald Trump hat es Anfang 2025 auf schmerzhafte Weise gelernt, als es die Anleger waren, die ihn nach massivem Verkauf amerikanischer Staatsanleihen von seinen Zollandrohungen abbringen ließen. In gewisser Weise hat das viel mit den Zweifeln zu tun, die vor dem Sommer in den Vereinigten Staaten am Markt für Privatschulden aufkamen, als Investmentgiganten wie **BlackRock** oder **Morgan Stanley** die Rücknahmen einiger ihrer Fonds begrenzten, weil eine Flut von Anlegern fliehen wollte aus der Angst, dass die Schuldenportfolios, in die sie investiert hatten, mehr Ausfälle verzeichneten, als bekannt war.
Dieser Artikel beschreibt finanzielle Risiken und stellt keine Anlageberatung dar. Jede Vermögenssituation ist anders, und es empfiehlt sich, vor Entscheidungen einen Fachmann zu konsultieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (1 Antworten).