Die Apokalypse, die nie kommt: die neue Angst der Mittelschicht

Die Kollapsangst hat sich verändert: Nicht mehr das Weltende macht Angst, sondern dass es nie richtig eintritt. Die langsame Erosion ersetzt den Tsunami.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Apokalypse, die nie kommt: die neue Angst der Mittelschicht
Die Kollapsangst, die nie richtig ausbricht

Es gibt eine Form von Angst, die in den Lehrbüchern der Psychologie keinen Namen hat: die von Menschen, die seit Jahren auf einen totalen Zusammenbruch warten, der immer nur um die Ecke zu sein scheint. Der Tsunami kommt nicht, dafür kommt das stete Tropfen. Die These, kürzlich in einem Gespräch unverblümt dargelegt, lautet, dass die Realität "schrecklich ist und immer schlimmer wird, aber tropfenweise, nicht als vollständiger und unmittelbarer Tsunami". Die Klage ist nicht mehr das Weltende. Es ist seine Langsamkeit.

Die Diagnose hat Substanz. Jahrzehntelang lebte ein Teil der Bevölkerung mit dem Verdacht, das System könnte von einem Tag auf den anderen zusammenbrechen: Finanzkrise, Knappheit, Neustart bei null. Dieses Szenario hatte, so will es scheinen, noch etwas Episches. Jetzt setzt sich ein langsamer Verfall durch, ohne Schlagzeile, ohne Epik und ohne Ausweg. Die Frustration kommt nicht von der Katastrophe, sondern davon, dass die Katastrophe nie richtig eintritt.

Vom plötzlichen Kollaps zum permanenten Verfall

In jenem Gespräch taucht immer wieder dieselbe Idee auf: dass ein katastrophales Ereignis — man fantasiert sogar über ein Zombie-Szenario — die Möglichkeit böte, "bei null anzufangen" und eine neue Ordnung zu errichten. Das Argument: Sobald alles zusammengebrochen ist, genüge es, sich zu befestigen und zu warten. Die Fantasie vom Neustart ist mehr Ventil als Plan: Im Grunde wünscht man sich nicht das Ende der Welt, sondern eine Unterbrechung.

Die Kehrseite desselben Unbehagens ist der Verdacht, die üblichen Verdächtigen hätten einen Fluchtplan. "Hoffentlich fallen Katholizismus und Kapitalismus", schreibt jemand sogar, als wäre der Zusammenbruch zweier Institutionen eine Befreiung. Das sind Meinungen ohne empirische Grundlage, die man besser als Symptom liest denn als Prognose.

Die Hoffnung als Zuflucht

Dem Defätismus stellt eine andere Strömung derselben Debatte religiöse Sprache entgegen: "Alles wird geschehen, verzweifelt nicht." Hoffnung, Glaube und Nächstenliebe werden als Tugenden präsentiert, die den Menschen tragen, der von der materiellen Welt nichts mehr erwartet. Es ist eine klassische Antwort auf die Verzweiflung: Wenn sich die Zukunft nicht reparieren lässt, verlagert man das Heil auf eine andere Ebene.

Der Konflikt zwischen beiden Positionen ist total. Die einen behaupten, die jüdisch-christliche Zivilisation sei die Wiege des Fortschritts gewesen; die anderen, ebendieselbe Institution habe den Kontinent jahrhundertelang belastet. Keine der beiden Positionen stützt sich auf Daten, und genau da liegt das Problem: Die Debatte über das Weltende wird immer ohne Zahlen geführt.

Die Politikverdrossenheit als Symptom

Das Unbehagen mündet, wie könnte es anders sein, in der Wahl. Es gibt die Fantasie, ein Massenereignis könnte mit "dem Tag der verdammten Parlamentswahlen" zusammenfallen, mit Wählern, die sich durch die Wahllokale jagen. Es ist die Karikatur des Wahlverweigerers wie des disziplinierten Wählers, und zugleich der Nachweis, dass Politik nicht mehr als Lösung erlebt wird, sondern als Teil des Problems.

Der Witz über das Weltende, das nie kommt — jener über die Erde, die in fünf Milliarden Jahren explodieren wird — bringt den Kern der Sache auf den Punkt. Die Kollapsangst ist in Langeweile umgeschlagen. Und Langeweile war in der Politik schon immer ein gefährlicher Treibstoff.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (20 Antworten).

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