Deutsche Biere gegen Estrella Galicia: Die Verkostung, die den Streit neu entfacht
Ein Verkoster öffnet ein Hofbräu Oktoberfestbier, dann ein Hacker-Pschorr, danach ein Spaten. Alle aus München. Er urteilt, dass sie Estrella Galicia tief demütigen. Der Vergleich ist nicht neu, aber die Details schon: Die Diskussion drehte sich darum, warum der spanische Gaumen ein industrielles Bier mit weniger Körper als bayerische Sorten belohnt, während er den eigenen Wein, der in Europa durchaus konkurrenzfähig ist, verschmäht.
Der Ausgangspunkt ist eine private Verkostung deutscher Biere. Der Autor der ersten Nachricht beschränkt sich nicht nur auf Vergleiche: Er attackiert im selben Absatz das im Supermarkt verkaufte Paulaner-Bier sowie spanische Weihnachtsgebäcke – Roscón de Reyes, Turrón, Peladillas. Die Provokation wirkt. In wenigen Antworten spaltet sich das Thema in drei Bereiche: die tatsächliche Qualität spanischer Industriebiere, die Vertriebsstrategie von Estrella Galicia und die Anomalie, dass ein Land mit gutem Wein diesen an der Bar verachtet.
Sind deutsche Biere besser als spanische?
Die kurze Antwort aus dem Großteil des Materials lautet ja, aber mit Nuancen, die die einfache Schlagzeile entkräften. Ein Teilnehmer erinnert daran, dass man ihm in Hamburg ein Heineken mit fast zehn Zentimetern festem Schaum servierte, „der wie Sahne aussah“, und dass der Geschmack nichts mit dem zu tun hatte, was in Spanien ausgeschenkt wird. Ein anderer merkt an, dass das Estrella Galicia, das man in deutschen Supermärkten sieht, „kaum verkauft“ werde und er es aus Nostalgie kaufe, es aber nicht mit den besten deutschen Bieren vergleichbar sei.
Manche gehen weiter und behaupten, kein spanisches Industriebier verdiene den Namen. „Keiner der sprudelnden Urine, die in Spanien hergestellt werden, kann überhaupt als Bier bezeichnet werden“, fasst ein Kommentar zusammen. Die Schlussfolgerung, sagen sie, ziehe jeder, der durch Mitteleuropa reise. Dem hält ein anderer Teilnehmer entgegen, dass die Heineken-Fabrik in Amsterdam auch nichts Besseres produziere: „Es war immer noch Wasser.“
Die Verteidigung des Lokalen steht dem nicht nach. Ein Teilnehmer versichert, dass in Frankreich, nach einem Besuch beim Oktoberfest, kein Bier ein frisches Cruzcampo übertrifft. Und manche erinnern daran, dass in der Gastronomie Fässer mit Cruzcampo „mit Genuss“ geleert werden. Die Diskussion ist also nicht nur eine Frage der Qualität: Es geht um Kontext, Temperatur und Erwartungshaltung.
Das Geschäft von Estrella Galicia: Werbung, Exklusivverträge und Wasser
Der Thread wendet sich der wirtschaftlichen Seite zu, als jemand fragt, woher ein galizisches Unternehmen die finanzielle Kraft nimmt, um Product Placement in Prime-Time-Serien zu bezahlen, Erstliga-Mannschaften zu sponsern und eine aggressive Strategie in der Gastronomie zu finanzieren. Die im Material vorherrschende Antwort lautet, dass der Umsatz um 14 % und der Gewinn vor Steuern um 28 % wächst, mit Präsenz in 73 Märkten und 20 % der Einnahmen aus Getränken außerhalb des Biers. Mit diesen Zahlen, so heißt es, erklärt sich die Finanzkraft von selbst.
Die andere Front ist das Wasser. Ein Teilnehmer berechnet, dass die Fabrik 520 Millionen Liter Bier in einem Jahr produziert hat, und erinnert daran, dass man drei Liter Wasser braucht, um einen Liter Bier herzustellen. Seine Schlussfolgerung lautet, dass kein Aquifer diese Menge liefern könnte und das Wasser aus dem Stausee Abegondo-Cecebre stammt, dessen Qualität laut Technikern gut sei. Ein anderer Teilnehmer antwortet darauf, dass Industriebiere das Wasser filtrieren und Craft-Biere es stilgerecht herstellen, sodass die Nähe zur Quelle nicht mehr entscheidend sei.
Der spanische Gaumen: guter Wein, schlechter Kaffee, noch schlechteres Bier
Der unbequemste Aspekt der Debatte vergleicht, was Spanien gut macht, mit dem, was es konsumiert. Ein Teilnehmer formuliert es ohne Umschweife: Der spanische Gaumen liebt „das schlechteste Bier und den schlechtesten Kaffee in ganz Uropa“ (Europa), verschmäht hingegen den Wein, das Einzige, was wirklich gut ist. Ein Glas Wein trinken in Spanien gelte als altmodisch oder rechtslastig. Währenddessen kaufen Italiener spanischen Wein, füllen ihn unter italienischer Flagge ab und verkaufen ihn für das Dreifache.
Nicht alle folgen dieser Erzählung. Manche verteidigen das Estrella Galicia nach traditionellem Rezept, 100 % Gerstenmalz, als gut und argumentieren, dass die aktuelle Standardvariante jene war, die die Marke in den 2000er-Jahren zum Erfolg führte, was viel über den Mainstream-Geschmack sage. Andere erinnern daran, dass belgische Biere – Kwak, Delirium, Omer, Westmalle, Duvel – in einer anderen Liga spielen, mit Alkoholgraden und Sorten, die man in spanischen Regalen nicht findet.
Die Diskussion über Weihnachtsgebäck bleibt als Nachhall: Roscón, harter wie Stein Turrón, geschmacklose Peladillas. Ein Teilnehmer urteilt, dass man in Spanien, abgesehen von Sobaos und Blätterteiggebäck, wenig Ahnung von Süßwaren habe. Der Vergleich mit dem Bier ist derselbe: Industrieprodukt, erzwungene Nostalgie und ein domestizierter Gaumen.
Warum wird Bier in Spanien schlecht serviert?
Temperatur und Zapftechnik sind Teil des Problems. Ein Teilnehmer erinnert daran, dass dasselbe Bier bei unterschiedlichen Temperaturen völlig anders schmeckt und dass Bier oder Wein keimfreies Wasser garantieren. Ein anderer bemängelt, dass die spanische Gastronomie das Bier zu kalt und mit zu wenig Körper ausschenke, während in Deutschland der Service Teil des Produkts sei. Die Folge ist, dass Markenvergleiche mit Ländervergleichen vermischt werden, wodurch die einfache Schlagzeile hinfällig wird.
Das Ende des Materials löst nichts. Die Frage bleibt: Warum gibt sich ein Land mit gutem Wein, gutem Kraken und gutem Lacón (Schweinefleisch) mit einem Industriebier zufrieden, das bei Blindverkostungen fast immer verliert? Ist es der Preis, die Gewohnheit oder das Marketing? Die Antwort liegt vorerst bei dem, der die nächste Flasche öffnet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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