Der Wein für 2,50 Euro, der 200-Euro-Weine schlägt: das Geschäft mit der Story

Ein Wein für 2,50 € hat eine Blindverkostung gewonnen – der Preis misst also weiterhin Prestige statt Geschmack: Eine Flasche zu produzieren kostet selten mehr als 5 oder 6 Euro.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ein Wein für 2,50 Euro gewinnt eine Blindverkostung – der Preis misst weiterhin Prestige, nicht Geschmack

Ein Supermarktwein für 2,50 Euro hat einen Wettbewerb gewonnen, an dem ebenso viele andere Sorten teilnahmen. Das geschah in einer belgischen Fernsehsendung, an deren Idee ein Sommelier mitwirkte, und das Ergebnis ließ so manchen mit dem Glas in der Hand stehen. Die Anekdote taugt zu mehr, als nur den Sommelier des Tages aufzuziehen: Sie misst präzise, welcher Teil des Preises einer Flasche Flüssigkeit ist und welcher Erzählung. Denn Wein ist, wie High-End-Audio oder Luxusuhren, ein Markt, in dem das Etikett mehr wiegt als der Inhalt.

Die Debatte über Wein-Snobismus ist nicht neu, aber in diesen Tagen kehrt sie mit voller Kraft zurück. Die These, die kursiert, ist einfach: Oberhalb einer Preisschwelle unterscheidet der Durchschnittsgaumen nicht mehr viel, und bezahlt wird Knappheit, Marke, Bewertungen, Vertrieb, Geschichte und Sammlerwert. Nichts garantiert, dass eine teure Flasche besser schmeckt als eine für acht Euro. Der saubere Test ist einfach: Weine desselben Stils, derselben Temperatur und desselben Glases, blind serviert. Wenn der billige gewinnt, kauft man den billigen, und damit hat sich die Sache.

Was eine Flasche Wein wirklich kostet

Die Zahl, die in diesen Analysen am häufigsten fällt: Abgelegen von wenigen Ausnahmen kostet kein Wein mehr als 5 oder 6 Euro pro Flasche in der Herstellung. Danach bestimmt Angebot und Nachfrage den Preis, nicht die Kosten. Ein Wein mit guten Kritiken, der dem Publikumsgeschmack entspricht und Vertrieb hat, kann mehr verlangen. Das Problem ist, wenn der Aufpreis keiner wahrnehmbaren sensorischen Differenz entspricht.

Manche halten die Schwelle für die meisten Menschen bei 10 bis 20 Euro, je nach Region und Stil. Darüber steigen in der Regel Prestige, Knappheit, Marketing und die Kosten für Lagen oder Luxuspraktiken, nicht so sehr eine Differenz, die der Durchschnittsgaumen wahrnehmen könnte. Die praktische Schlussfolgerung ist unbequem für die Branche: Der beste Wein ist der, der dir schmeckt, Punkt. Und das lässt sich mit keiner Medaille reparieren.

Das Blindverkostungs-Experiment, das die Story entlarvt

Der belgische Fall ist nicht der einzige. Jahre zuvor tauschte ein französischer Önologe die Flaschen zweier Weine und blamierte die angeblichen Experten, während die Laien richtig erraten hatten, welcher der gute war. Das Muster wiederholt sich: Verschwindet das Etikett, wackelt das Urteil. Bei der Verkostung geht es eher darum zu spüren – oder zu versuchen zu spüren –, was andere sagen werden, damit man nicht anders denkt und sich blamiert.

Die technische Erklärung existiert und ist real: Wein riecht nach Erdbeere, wenn die Traube Furanol und Lactone enthält; manche Aromen stammen aus der Traube, andere aus der Gärung, wieder andere aus dem Ausbau, und sie sind dokumentiert. Das Problem ist nicht der Wortschatz, sondern der Missbrauch des Wortschatzes. Wörter wie „kühn“ oder „samten“ sind Literatur, keine Chemie. Und es gibt einen Unterschied zwischen der Beschreibung eines Weins und dem Rezitieren des Prestige-Katechismus.

Der Wettbewerb, der Supermarktweine prämiert

Nicht alle Wettbewerbe spielen in derselben Liga. Gilbert & Gaillard ist ein internationaler Wettbewerb für das Supermarktsegment: Wenn man Weine aus Kastilien-La Mancha mit Goldmedaille im Supermarkt sieht, stammen sie fast sicher aus solchen Veranstaltungen. Dort werden massenhaft Weine derselben Linie eingereicht, mit einem Höchstpreis von etwa 5 Euro. Das hat nichts zu tun mit den Verkostungen von Wine Spectator oder Robert Parker, wo Flaschen mit hohen Teilnahmegebühren eingeschickt werden und der Kritiker blind entscheidet.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie erklärt, warum Goldmedaillen und Schleuderpreise koexistieren. Der Prestigemarkt ist kein Block: Es gibt eine Skala, und an der Basis stehen die Preise, die man mit der Anmeldung kauft. An der Spitze die Bewertungen, die Preise auf dem Zweitmarkt bewegen. Und dazwischen ein Käufer, der nicht so genau weiß, wofür er bezahlt.

Junger Wein, der Guadiana und die Calle Laurel

Gegen die Erzählung vom Gran Reserva gibt es eine Strömung, die das Billige und Nahe verteidigt. In Spanien muss man nicht mehr als 6 oder 8 Euro ausgeben, um einen sehr guten Wein zu trinken, und die Favoriten vieler sind junge Rotweine. Ein Abstecher über die Calle Laurel in Logroño erlaubt es, jede Menge wunderbare und günstige junge Rotweine und den einen oder anderen Crianza zu trinken. Und es gibt Rotweine für 5 Euro die Flasche aus dem Guadiana-Tal in Badajoz, die spektakulär sind.

Die Sache hat Geschichte: Wir trinken seit mindestens 2.000, 4.000 oder 6.000 Jahren Wein. Das liegt in unserer DNA. Nicht in der DNA liegt es, 180 Euro für eine Flasche zu zahlen, die für Kenner umwerfend sein mag, die aber für Normalsterbliche den Aufwand nicht rechtfertigt. Die Preisschwelle liegt sehr niedrig, alles andere ist Protz.

Vom Wein zum High-End-Audio: derselbe Schwindel

Der Vergleich mit Audiophile-Equipment liegt nahe. Leute geben Tausende Euro für Anlagen aus, die danach exakt gleich klingen wie jede andere am selben Monitor angeschlossene. Aber man erzählt dir vom „Körper“, von den „Nuancen“, genau wie beim Wein. Derselbe Bewertungsmechanismus gilt in anderen angesehenen Bereichen: Die Schafherde, selbst wenn sie ein Sommelier ist, wird es nicht wagen, einem Preis von 200 Euro oder einer hochkarätigen Herkunftsbezeichnung zu widersprechen.

Und es gibt eine physikalische Grenze, die niemand bestreitet: Das gesunde Ohr nimmt zwischen 20 Hz und 20.000 Hz wahr, und die obere Grenze sinkt mit dem Alter. Beim Wein ist es genauso: Oberhalb einer Schwelle erkennt man den Unterschied nicht, abgesehen vom Geschwafel. Bei den Uhren ist es anders: Die astronomische Navigation erfordert extreme Präzision, und ein Fehler von einer Minute Zeit entspricht einem Positionsfehler von 15 Seemeilen. Ein Casio hat die Praxis der astronomischen Navigation problemlos gemeistert.

Was passiert, wenn ein hoher Preis keinen Käufer findet

Der Markt korrigiert auch. Dass Kritiker sehr teuren Bordeaux-Weinen niedrigere Bewertungen geben, ist nichts Neues: Es gibt Jahrgänge und Châteaux, deren Preis-Leistungs-Verhältnis in Frage gestellt wurde und deren Preise auf dem Zweitmarkt nach unten korrigiert haben. Und es gibt spanische Weingüter, die „den teuersten Wein Spaniens“ auf den Markt gebracht haben und nicht einen Deut verkauft haben, denn teuer zu sein ist kein ausreichender Indikator für Qualität oder echte Nachfrage.

Das Beispiel, das kursiert, ist AurumRed aus Cuenca: Niemand kennt es, aber der teuerste Wein der Welt ist in Cuenca, hergestellt mit Ozon und mit einem Geschmack, der sich je nach Drehung der Flasche verändert. Die Anekdote ist eine perfekte Karikatur der Branche. Verwechselt nicht, dass etwas Protz ist, damit, dass etwas Protzer anzieht: Es scheint dasselbe, ist es aber nicht. Die Önologie ist kein Betrug; um den Wein herum gibt es aber durchaus einen Prestigemarkt, der Geschichte schneller verkauft als Geschmack.

Und was, wenn die nächste Flasche, für die man dir 30 Euro abknöpft, nur die Geschichte der Rebe verkauft, die schräg in die Sonne blickte?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (64 Antworten).

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