Der Wähler, der sehen will, wie der Dieb blutet

Ein Wähler erklärt, er wolle wählen, um anderen Leid zuzufügen, ein anderer entgegnet, der Staat sei der Räuber: Politik als Abrechnung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Wähler, der sehen will, wie der Dieb blutet
Der Wähler, der sehen will, wie der Dieb blutet

Es gibt eine Szene, die den Auftakt dieser Diskussion zusammenfasst: Ein Teilnehmer sagt, er werde für den stimmen, der «den Sklaven am meisten schadet», weil er sehen wolle, wie andere bluten. Er verlangt kein Programm. Er verlangt keine Steuerentlastung und keine Erhöhung des Mindestlohns. Er verlangt Schaden. Und er verlangt es in einem Ton, der klar macht, dass Politik für ihn längst kein Instrument mehr ist, um irgendetwas zu verbessern, sondern eine Art, mit denen abzurechnen, die er für seine Lage verantwortlich macht.

Die ursprüngliche Provokation geht noch weiter: Sie behauptet, wenn es eine Elite gebe, die seit Jahrzehnten das Leben der Menschen zur Hölle mache, dann habe ein Teil der Bevölkerung darauf reagiert, indem er ihr gefällig war und sie auf den Schild hob – und dieser Weg führe zu nichts, was man erben könnte. Die Formulierung ist bewusst derb, aber der Kern ist ein bekannter Vorwurf: die Vorstellung, dass anhaltender Gehorsam nicht mit Belohnung, sondern mit noch mehr Gehorsam bezahlt wird.

Worum es eigentlich geht, wenn über Wählen oder Enthalten gestritten wird

Das Gespräch driftet bald ins Wahlterrain. Der Teilnehmer wird gefragt, wen er wählen wolle, und die Antwort ist eine ausdrückliche Weigerung, sich zu erklären: Er werde den wählen, der den anderen am meisten schadet. Das ist die Logik der Stimme als Strafe, nicht als Angebot. Parallel dazu hält ein anderer Teilnehmer dagegen, dass der Staat derjenige sei, der ihn ausraube, und dass wer betrügerisch Leistungen beziehe, das nicht von sich behaupten könne – womit sich der Fokus vom angeblichen privaten Raub auf die öffentlichen Ausgaben verschiebt.

Dann folgt der Vorwurf, wer so spreche, sei kein gewöhnlicher Wähler, sondern ein Propagandist im Dienst einer Partei. Die Abqualifizierung ist schnell und grob und zeigt, dass in solchen Auseinandersetzungen das Etikett oft das Argument ersetzt. Der Angesprochene antwortet, ohne sich zu verkaufen: Er wolle, dass die anderen zumindest das erleiden, was sie dem Land seiner Ansicht nach angetan haben.

Die Erzählung von den Kürzungen, die bevorstehen

Eine der konkretesten Interventionen verweist auf einen Zeitplan: Ab Februar, wenn die Plenarsitzungen im Kongress beginnen, würden die Kürzungen starten, und das sei die eigentliche Bewährungsprobe für diejenigen, die den Patriotismus im Munde führen. Die Warnung kommt ohne Zahlen, aber mit einer These: Wer sich als Verteidiger der einfachen Spanier ausgibt, werde sie am Ende ärmer machen als die Regierung, gegen die er angeblich kämpft.

Die Antwort kommt in Form eines verächtlichen Etiketts für diesen Patriotismus, mit einem Verweis auf eine bekannte Comicfigur, um einen bestimmten Politiker zu verspotten. Der Austausch endet ohne Daten, mit der Beleidigung als Währung. Und das ist vielleicht das getreueste Bild dessen, was passiert, wenn die Wut die Analyse ersetzt: Niemand diskutiert eine konkrete Politik, alle diskutieren, wer schlimmer ist.



Bleibt die Zahl, die fehlt. In einer Diskussion über Raub, Strafe und Wahl erscheint keine einzige Zahl darüber, was gestohlen wird, wie viel oder von wem. Nur die Gewissheit, dass jemand dafür zahlen sollte. Und mit dieser Gewissheit wählen viele.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (19 Antworten).

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