Der Verfall eines Landes ist schleichend: Wenn man es merkt, ist es zu spät

Das Pro-Kopf-BIP Spaniens stagniert seit zwei Jahrzehnten im Vergleich zur EU, und Estland hat das spanische Einkommen inzwischen überholt. Der Zinseszinseffekt erklärt, warum.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Verarmung eines Landes kommt nicht mit einem Schlag: Sie summieren sich Jahr für Jahr im Pro-Kopf-BIP, bis der Abstand zum Umfeld unumkehrbar ist. Spanien konvergiert seit zwei Jahrzehnten nicht mehr mit Europa, und Estland hat es inzwischen überholt.

Der Niedergang eines Landes kündigt sich nicht mit einem Donnerschlag an. Er schleicht sich in den Alltag ein – in Form von alternden Bussen, schlecht ausgestatteten Schulen, immer längeren Wartelisten oder verspäteten Pendlerzügen. Wenn man ihm einen Namen geben will, ist er schon seit Jahren da. Der ehrlichste Weg, ihn zu messen, ist das Pro-Kopf-BIP: das Einkommen, das jeder Einwohner erwirtschaftet – eine Zahl, die sich mit Reden nicht schönfärben lässt.

## Spanien, zwei Jahrzehnte ohne Konvergenz

Das spanische Pro-Kopf-BIP stagniert seit rund **20 Jahren** im Vergleich zu den Nachbarländern. Das ist keine Empfindung, sondern der Trend, den die Einkommensreihen pro Kopf seit Beginn des Jahrhunderts zeigen. Das Land ist gewachsen, ja, aber langsamer als seine Nachbarn, und dieser Unterschied summiert sich.

Der Vergleich mit dem Rest der EU liefert den Kontext. Spanien ist nicht das einzige Land im Stillstand: Mehrere südeuropäische Partner schleppen eine ähnliche Stagnation mit sich herum. Davon zeigt **Portugal** den deutlichsten politischen Willen, aus der Krise herauszukommen. Ob das gelingt, wird die Zeit zeigen.

Die entscheidende Zahl ist kein schlechtes Jahr. Es ist die Steigung. Und die spanische Steigung ist, über zwanzig Jahre betrachtet, fast flach im Vergleich zu Ländern, die von viel weniger aus starteten.

## Der Zinseszinseffekt, der Länder trennt

Hier kommt eine einfache Idee ins Spiel, die fast niemand mit gebührender Aufmerksamkeit betrachtet: der Zinseszinseffekt. Ob ein Land um **0,5 %** oder um **4 %** pro Jahr wächst, erscheint über ein einzelnes Jahr hinweg als geringer Unterschied. Über **20 Jahre** ist der Abstand brutal: Das Land mit 4 % Wachstum verdreifacht am Ende sein Einkommen gegenüber dem Land mit 0,5 %.

Das erklärt, warum Volkswirtschaften, die vor relativ kurzer Zeit noch mit Spanien gleichauf waren, heute vorn liegen. Mit den Daten von **2022** übertrifft **Estland** Spanien bereits beim Pro-Kopf-BIP. Estland war in den 1980er Jahren eine Sowjetrepublik. In drei Jahrzehnten hat es den Vergleich komplett gedreht.

Dieselbe Überlegung gilt für **Polen**, das heute günstige Preise bietet und, wenn es seinen Kurs hält, das Land sein wird, das billig für andere produziert, während es eine Wirtschaft mit höherer Wertschöpfung entwickelt. Und für **China**, dessen Entwicklung von Faktoren wie der Sparquote und kulturellen Werten abhängt, die mit Fleiß verbunden sind.

## Der Aktienmarkt bestätigt den Trend

Geld spricht deutlicher als Reden, denn niemand verliert gerne Geld. Der **IBEX 35**, der Index der **35** größten börsennotierten spanischen Unternehmen, zeichnet eine Entwicklung ab, die dem Pro-Kopf-BIP sehr ähnlich ist: derselbe langfristige Drift ins Nichts.

Das ist kein Zufall. Wenn die Realwirtschaft nicht wächst, finden auch die Unternehmen, aus denen sie besteht, keine Wachstumsmotoren. Die Börse sagt die Zukunft nicht voraus, aber sie bestätigt die Vergangenheit.

## Was verfällt, ohne dass man es bemerkt

Der Verfall zeigt sich in konkreten Leistungen: endlose Wartelisten, Schlaglöcher auf den Straßen, verspätete Pendlerzüge, vertagte Gerichtsverhandlungen, überfüllte Universitäten. Einzeln wirkt jedes davon wie ein kleines Problem. Über Jahre summiert ergeben sie das Bild einer schleichenden Verarmung.

Das eigentliche Problem ist, dass man ihn zuerst verstehen muss, um ihn umzukehren. Ohne Diagnose keine Reform, und ohne Reform bleibt die Steigung dieselbe. Die jüngere Geschichte **Argentiniens**, das vor einem Jahrhundert zu den reichsten Ländern der Welt gehörte und heute nicht mehr, zeigt, dass der Wohlstand keines Landes garantiert ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (3 Antworten).

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