Der Ökonom, der Einkommen mit Vermögen verwechselte

Ein Entwicklungsforscher vergleicht das Vermögen von Amancio Ortega mit dem Gehalt eines Arbeitnehmers. Kritik an der Verwechslung von Einkommen und Vermögen. Fehler oder Ideologie?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Julen Bollarin setzt Ortegas Spende mit dem Gehalt eines Geringverdieners gleich: die klassische Verwechslung von Einkommen und Vermögen

Der Ökonom Julen Bollarin, promovierter Entwicklungsforscher und Professor an der Universität Mondragón, hat einen Tweet veröffentlicht, der in Wirtschaftskreisen in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt hat. Darin vergleicht er die philanthropische Spende von Amancio Ortega mit dessen Vermögen —rund 10.000 Millionen Euro— mit dem Jahresgehalt eines durchschnittlichen Arbeitnehmers und kommt zu dem Schluss, dass die „Anstrengung“ des Arbeiters größer sei. Das Problem, so die Kritiker, sei, dass er Fluss und Bestand verwechsle: Das Jahreseinkommen eines Arbeitnehmers ist nicht gleichzusetzen mit dem angesammelten Vermögen eines Milliardärs.

Die Verwechslung von Fluss und Bestand: ein Anfängerfehler

Der Vergleich, der an die Argumente des ehemaligen Abgeordneten Eduardo Garzón erinnert, vermischt nicht vergleichbare Größen. Wenn Amancio Ortega beispielsweise 100 Millionen Euro von einem Vermögen von 10.000 Millionen Euro spendet, entspricht das 1 % seines Vermögens. Wenn ein Geringverdiener das Äquivalent eines Monatsgehalts spendet, sind das 8,3 % seines Jahreseinkommens. Aber Einkommen ist nicht Vermögen. Der Durchschnittsbürger hat keinen Fonds über 10.000 Millionen Euro, von dem er spenden könnte; sein „Bestand“ ist seine letzte Gehaltsabrechnung, wie manche Analysten anmerken. Die Kritik wird spitzer, wenn man daran erinnert, dass Bollarin an einer privaten Universität lehrt, an der das Studienjahr 6.500 Euro kostet.

Vom Agora zum Hörsaal: das Paradox des pogre Ökonomen

Es ist nicht der erste Ausrutscher des Ökonomen, der bereits Artikel in La Vanguardia für ein bedingungsloses Grundeinkommen veröffentlicht hatte. Das Paradox, dass ein in Entwicklungsforschung ausgebildeter Akademiker die großen Vermögen kritisiert, während er an einer kostenpflichtigen Institution arbeitet, ist nicht unbemerkt geblieben. Die eigentliche Debatte dreht sich jedoch nicht um persönliche Konsistenz, sondern darum, ob die wirtschaftspolitische Linke einen Diskurs über Ungleichheit formulieren kann, ohne in buchhalterische Fehler zu verfallen.

Die verblüffende Zahl: Während Bollarin Ortegas Spende anprangerte, wuchs das Vermögen des Inditex-Gründers weiter. In der Ökonomie sind Zahlen keine Meinungen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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