Der Mythos vom Immobilienpatriotismus in Spanien

Die Wohnraumüberbelegung in Spanien erreicht Rekordniveau. Ist die Einwanderung die Hauptursache? Eine datenbasierte Analyse und Kritik an der offiziellen Erzählung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rekordhafte Überbelegung in Spanien: vier Personen in einem Bett, und die Fonds sind schuld

Im vierten Stock eines Gebäudes ohne Aufzug in Sevilla teilen sich vier Personen ein einziges Bett. Das ist keine Kunstperformance: Es ist die neue Normalität auf dem spanischen Immobilienmarkt. Spanien ist nach einem aktuellen Artikel von El País, der die Debatte über die wahren Ursachen der Wohnungskrise neu entfacht hat, zum zweiten Land der EU geworden, in dem die Wohnraumüberbelegung seit 2019 am stärksten gestiegen ist – nur noch hinter Irland.

Die offizielle Erzählung besteht darauf, die Investmentfonds als die großen Bösewichte darzustellen. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Die Bevölkerung wächst in einem nicht mehr tragbaren Tempo, angetrieben durch massive Einwanderung, die bereits über 700.000 neue Bewohner pro Jahr ausmacht, während der Neubau von Wohnungen nicht in Gang kommt. Die Gleichung ist einfach: Mehr Menschen, die um dieselbe Anzahl von Dächern konkurrieren, können nur in Überbelegung und unerträglichen Preisen enden.

Die Invasion, über die niemand spricht

Der Artikel von El País konzentriert sich auf die Geschichte von Yulitz, einer lateinamerikanischen Migrantin, die mit ihrer Familie auf engstem Raum in Madrid lebt. Doch der Ansatz hat Kritik von denen ausgelöst, die der Meinung sind, dass nicht das Opfer das Problem sei, sondern die Migrationspolitik, die jedes Jahr Hunderttausende Menschen ins Land lässt, ohne ihre wohnraumbezogene Integration zu planen. „Wenn jedes Jahr 100.000 kämen statt 700.000, sähe die Geschichte ganz anders aus“, fasst ein immer wiederkehrendes Argument in der Debatte zusammen.

Hinter der Überbelegung steckt ein Geschäft: die Vermietung von Betten im Schichtbetrieb, Zimmer, die nie abkühlen, und Vermieter, die ihre Einnahmen vervielfachen, ohne eine einzige neue Wohnung zu bauen. Es sind nicht nur die großen Fonds: Auch Privatpersonen, oft mit derselben Nationalität wie die Mieter, kaufen Wohnungen und untervermieten sie zu Einzelzimmerpreisen, aber mit Mehrfachbelegung.

Der Trugbild der Sozialleistungen

Eines der Paradoxa, auf die Kritiker hinweisen, ist, dass der Staat das Problem durch Anreize zum Bleiben eher verschärft, als es zu lösen. Der Ingreso Mínimo Vital (spanische Mindestsicherung) und andere Leistungen ermöglichen es vielen Migranten, in überbelegten Verhältnissen zu überleben, die sonst unhaltbar wären. „Die gehen nicht weg, selbst mit Warmwasser“, ist dort zu lesen – ein Hinweis auf die Weigerung, in andere europäische Länder auszuwandern, wo die Bedingungen ebenso hart sind.

Währenddessen sieht der durchschnittliche Spanier mit an, wie seine Miete steigt, um die IBI (lokale Grundsteuer) für eine Wohnung zu zahlen, die man schon nicht mehr betreten kann, ohne auf andere Körper zu stoßen. Und die politische Klasse, gefangen zwischen der Angst vor dem Vorwurf der Xenophobie und der Notwendigkeit, die Realität zu bewältigen, entscheidet sich für Schweigen oder dafür, die Aufmerksamkeit auf die Heuschreckenfonds zu lenken – die allerdings keine Wohnungen kaufen, um darin zu schlafen.

Auf dem Weg zu einer stillen Abwanderung?

Einige Analysen deuten darauf hin, dass die extreme Überbelegung einen umgekehrten Rufeffekt auslösen könnte: Migranten, die sich entscheiden, in ihre Heimatländer zurückzukehren, weil sie die versprochenen Möglichkeiten nicht finden. Venezolanische YouTuber, die nach Caracas zurückkehren und berichten, dass man sich mit einem Taxi oder einer Sanitärinstallation besser leben lässt als in einer WG-Wohnung in Madrid. Doch vorerst nehmen die Migrationsströme nicht ab.

Die Debatte lässt unbequeme Fragen auf dem Tisch: Ist es möglich, das aktuelle Tempo der Ankünfte aufrechtzuerhalten, ohne den Wohnungsmarkt kollabieren zu lassen? Kann man nur den Fonds die Schuld geben, wenn die Nachfrage aus demografischen Gründen wächst? Und vor allem: Wie lange kann eine Gesellschaft zusehen, wie sich vier Personen abwechseln, um in einem 90-cm-Bett zu schlafen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (41 Antworten).

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