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Der Löwe von Gripsholm: Ausgestopft ohne Vorbild
Der Löwe von Gripsholm, präpariert von Handwerkern, die nie einen lebenden Löwen sahen, führt zu einer Galerie misslungener Taxidermie bis zum Gatodrone.
Misslungene Taxidermie: Vom Löwen von Gripsholm zum Gatodrone
Das berühmteste Tier in der Geschichte der Taxidermie ist es wegen eines grundlegenden Fehlers: Die Präparatoren hatten noch nie einen lebenden Löwen gesehen. Im Jahr 1731 schenkte der Bey von Algier König Friedrich I. von Schweden zwei Berberlöwen, drei Hyänen und eine Wildkatze – alle lebend – sowie einen freigelassenen Wärter zur Pflege. Es waren einige der ersten Löwen, die Skandinavien betraten. Einer von ihnen landete schließlich noch bei Lebzeiten bei Georg II., dem damaligen Kurfürsten von Sachsen, der ihn in einem Käfig nahe Junibacken hielt. Als das Tier starb, wurden Haut und Knochen an ein Team übergeben, das noch nie einen lebenden Löwen gesehen hatte. Das Ergebnis wird heute als eines der meistzitierten Stücke des Handwerks und als sein liebenswertestes Icon bewahrt.
Die Paradoxie ist exakt: Das Tier wurde ohne Modell, ohne anatomische Referenz und ohne jemanden, der hätte feststellen können, dass es nicht wie ein lebender Löwe aussah, ausgestopft.
Warum sieht der Löwe von Gripsholm aus wie ein Plüschtier?
Die Montage zielte auf die stolze, heraldische Pose ab, die für ein Palaststück angemessen war. Das Problem ist jedoch, dass der Löwe keine Löwenanatomie hat: Wer ihn stopfte, hatte keine andere Referenz als seine eigene Vorstellungskraft. Die Haut wurde bis ins Absurde gespannt, und der Ausdruck blieb zwischen Überraschung und Schreck hängen. Dies ist kein Detail am Rande: Es ist das vorhersehbare Ergebnis, wenn man einen Handwerker bittet, etwas zu rekonstruieren, das er nie gesehen hat.
Wenn keine Referenzen vorhanden sind, füllt das Atelier die Lücken mit dem, was verfügbar ist, und so entstand ein stolzes und vor allem unfreiwillig komisches Tier.
Portugal, Deutschland und andere misslungene Montagen
Der Fehler war nicht auf Schweden beschränkt. In den Threads werden Stücke erwähnt, die nach Portugal geschickt wurden und laut Teilnehmern denselben Mangel aufweisen: gestreckte Tiere, unmögliche Gesten und eine Steifheit, die den Amateur verrät. Manche behaupten, die Portugiesen hätten nicht mehr die Entschuldigung gehabt, nicht zu wissen, was ein Löwe sei, und dass sie entweder absichtlich schlecht gearbeitet oder den Lehrling geschickt hätten.
In diesem Sinne verweist ein Teilnehmer auf die „deutsche Tradition“ und das Museum für Naturkunde in Berlin, dessen eigenes Katalog von auffälligen Montagen hervorgehoben wird.
Vegane Füchse, Party-Mäuse und Tausendfüßler
Wenn das 18. Jahrhundert Monster aus Unwissenheit produzierte, hat das Internet sie aus Spaß produziert. Der Gatodrone, der vegane Fuchs, die lovecraftsche Maus, die sich windende Maus oder der dalineske Esel bilden einen Katalog, der technische Fehler mit Einfällen mischt. Auch gibt es ökologische Bastelempfehlungen und Geldbörsen in Nagetierform. Nebeneffekt: Sie verwandeln tote Tiere in Memes.
Hier scheiden sich die Geister. Manche sehen unfreiwilligen Humor, andere einen Respektmangel gegenüber dem Tier. Ein Löwe aus dem 18. Jahrhundert ist nicht dasselbe wie eine in den letzten Jahren ausgestopfte Maus, aber beide landen im selben Ordner. Und ein Teilnehmer betrachtet die Praxis der Taxidermie direkt als verwerflich.
Wenn das Ausgestopfte ein Mensch ist
Die Angelegenheit gewinnt an Schwere, wenn das konservierte Stück kein Tier ist. Der Thread erinnert an den Fall einer Person aus einer indigenen Gemeinschaft, die ausgestopft und in einem Museum in Banyoles ausgestellt wurde und als einer der unangenehmsten Episoden der europäischen Museumspraxis zitiert wird. Dort wird nicht diskutiert, ob die Montage getreu war, sondern ob sie überhaupt hätte existieren dürfen.
Wie in der Debatte angemerkt wird, ist die Konservierung menschlicher Überreste zu Ausstellungszwecken heute delegitimiert, und ihre Präsenz in Sammlungen ist eine offene Frage der Rückgabe und des Gedenkens. Dieses Detail ist unbequemer als jeder überraschte Löwe.
Warum schlägt Taxidermie fehl?
Weil die Technik von der verfügbaren Referenz abhängt. Wer das lebende Tier nicht studieren kann, füllt die Lücken aus, und das Ergebnis wird gestreckt, deformiert und sieht am Ende wie eine andere Spezies aus. Es gibt keinen Abkürzungsweg: Das Ergebnis hängt von der Referenz ab, nicht vom guten Willen des Ateliers. Und wenn die Referenz fehlt, entsteht das Meme.
Der von Gripsholm bleibt in seiner Vitrine, mit seinem Gesichtsausdruck der Überraschung. Wird er als wissenschaftliches Stück, als Kuriosität oder als Erinnerung daran bewahrt, dass der größte Fehler der Taxidermie darin bestand, ein Tier zu erfinden?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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