Der Fall Errejón und der Preis des Feminismus der vierten Welle

Kann der Prozess gegen den spanischen Politiker Íñigo Errejón die Gender-Industrie demontieren? Eine Million Anzeigen und ein Geflecht aus Subventionen stehen vor Gericht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Fall Errejón, der Stresstest für die Gender-Industrie
Kann ein einziger Prozess alles zum Einsturz bringen, was der Feminismus der vierten Welle seit dem Sommer der La-Manada-Affäre aufgebaut hat? Diese Frage schwebt über dem Verfahren gegen Íñigo Errejón, der Anzeige von Elisa Mouliaá und dem institutionellen Geflecht, das in Spanien rund um die Geschlechtergleichstellung entstanden ist. Es ist nicht nur ein Gerichtsfall: Es ist ein Belastungstest für einen Sektor, der öffentliches Geld und politische Legitimität bewegt.
Eine Maschinerie aus Beratungsstellen, Komitees und Subventionen
Die wirtschaftliche Debatte im Fall dreht sich weniger um die Schuld oder Unschuld des ehemaligen Abgeordneten als um das Gerüst, das abgebaut werden müsste, sollte das Narrativ Risse bekommen. Die Struktur ist bekannt: Frauenräte, Expertinnenkommissionen, Gleichstellungsbeauftragte, Universitätsstudiengänge, Kommunikationsabteilungen und Dutzende regionale und staatliche Einrichtungen. Alles finanziert aus Haushaltsposten, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten verfestigt haben. Die Zahl, die kursiert, ist ernüchternd: eine Million Anzeigen wegen geschlechtsspezifischer Gewalt seit 2004. Für eine Analyseströmung rechtfertigt dieses Volumen eine Industrie, die sich, einmal geschaffen, kaum durch einen einzigen Fall abbauen lässt, so medienwirksam er auch sein mag.
Unschuldsvermutung gegen Narrativ
Die Verteidigung Errejóns hat unbequeme Fragen aufgeworfen: Warum sagte die Anzeigerstatterin nicht Nein, warum stieg sie ins Taxi, warum wartete sie drei Jahre mit der Anzeige. Die Anklage versucht, laut dem, was aus dem Verfahren hervorgeht, die Aussage des Politikers hinauszuzögern, während die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens fordert. Der Fall ist zu einem Schaufenster der Spannung zwischen der Unschuldsvermutung und der Logik der Anzeige als politischem Instrument geworden. Kritiker behaupten, die Bewegung habe einen Rahmen geschaffen, in dem das Wort der Anzeigerstatterin mehr wiegt als objektive Fakten. Die Anhänger der Anklage sehen im Verfahren dagegen einen Sieg des alten Rechtsstaatsdenkens über den Schutz der Opfer.
Was, wenn das Narrativ zusammenbricht?
Die am meisten gefürchtete Folge ist, dass ein Freispruch zur Waffe wird, um Gleichstellungspolitik zu demontieren. Doch der Skeptizismus spricht auch gegen diese Möglichkeit: Das Geflecht hängt nicht von einem einzigen Fall ab, sondern von einem sehr breiten gesellschaftlichen und politischen Konsens. Die Banken gewinnen immer, heißt es in den zynischsten Analysen. Trotzdem hat der Fall bereits einen Kollateralschaden hinterlassen: Die politische Karriere Errejóns ist beendet, wie selbst der anklagekritischste Sektor einräumt. Die gesellschaftliche Verurteilung ist in diesem Fall der gerichtlichen vorausgegangen.
Die Frage, die in der Luft bleibt, ist, ob sich der institutionelle Feminismus leisten kann, eines seiner Symbole zu verlieren, ohne dass alles andere ins Wanken gerät. Die Antwort liegt, bis das Urteil gefällt ist, in den Händen der Gerichte. Und in einem Haushalt, der, was auch immer passiert, weiter die Rechnungen bezahlen wird.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver