Der Arbeiter, der den Chef wählt, dem er den Boden fegt

90 % Kaufkraftverlust in 30 Jahren, und der Arbeiter wählt weiter die, die ihm kürzt. Eine Analyse des ökonomischen Wählens und der Bankenrettung in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Rätsel des Wählers, der dem Chef den Boden fegt

Zuerst die Zahl: 90 % Kaufkraftverlust in drei Jahrzehnten. Dann das Paradoxon: Derselbe Arbeiter, der den Boden fegt, geht zur Wahl und stimmt für den Besitzer des Besens. Das ist kein Späßchen, sondern ein Abbild des ökonomischen Wählens in Spanien, und kein Soziologiebuch kann es vollständig erklären.

Das Paradoxon, gegen die eigenen Interessen zu wählen

Eine Analyserichtung behauptet, der abhängig Beschäftigte Wähler wähle den Kandidaten, der ihm kürzt, als sei Untertänigkeit vererbbar. Eine bodenständigere Lesart erinnert daran, dass Wahlverhalten nicht allein von der Geldbörse geleitet wird: Da ist Identität, da ist Angst, da ist eine Erzählmaschine, die den Chef zum „Benachteiligten“ macht und die Linke zum eigentlichen Problem. Der unbequemste Teil der Debatte ist der Hinweis, dass ein guter Teil der Leidenden gar nicht erst wählt. Apathie, Resignation und Nichtwahl vervollständigen das Bild.

Die Rettung, die nie vollständig erzählt wird

Die Zahlen liegen auf dem Tisch. 67 Milliarden Euro, die Summe, die als Kosten der Rettung kursiert – die einen führen sie auf die Rettung privater Banken zurück, die anderen, präziser, auf das Loch der spanischen Sparkassen (cajas de ahorro). FROB, SAREB, Bankia, Caixabank, CAM, Banco de Valencia: Die Liste der Kürzel beendet die Debatte nicht. Die Gesamtoperation hätte, nach der kühnsten Rechnung, den vier Großbanken Vermögenswerte im Wert von 1,3 Billionen Euro zugeschanzt, nahezu 60 % des spanischen BIP. Die Aufschlüsselung Posten für Posten bleibt eine Übung in Finanzarchäologie, die man sich einmal genauer ansehen sollte.

Steuern, Amnestien und das Modell 720

Parallel zur Rettung kreuzt sich die Wirtschaftsdiskussion mit der Steuerpolitik. Eine Lesart schreibt der Regierung von Mariano Rajoy die größte Steuererhöhung der spanischen Geschichte zu, dazu eine Steueramnestie für Großvermögen. Die Gegenlesart verweist auf das Modell 720: die Pflicht, Auslandsvermögen anzugeben, vorgestellt als Instrument zur Verfolgung von Steuerbetrug. Beides kann gleichzeitig wahr sein: Steuern für die Arbeiterklasse erhöhen, während die Elite, die Geld versteckt hat, regularisiert wird.

Die Frage bleibt offen. Wenn die Kaufkraft um 90 % verdunstet ist und das Finanzloch vom Steuerzahler bezahlt wurde, wie viele Fegerfolge braucht es noch, bis der Besen die Hand wechselt?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (58 Antworten).

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