Debatte um Festnahme betrunkenen Frau an US-Strand

Eine betrunkene Frau wurde in den USA wegen Identifikationsverweigerung festgenommen und ohne Anklage freigelassen. Der Fall belebt die Debatte um den Nanny-Staat.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Debatte um Festnahme betrunkenen Frau an US-Strand
Festnahme wegen Trunkenheit am US-Strand: Richter lässt sie ohne Anklage frei

Eine sichtlich betrunkene Frau, die allein im Sand eines US-Strandes lag, wurde von der Polizei festgenommen und vor laufender Kamera gefesselt. Der Richter ließ sie frei, ohne Anklage zu erheben. Der Vorfall, der als Video verbreitet wurde, hat die Diskussion darüber neu entfacht, wie weit die Polizei gehen darf, wenn jemand keine Straftat begangen hat, aber nach Ansicht der Beamten eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt.

Die Szene ist einfach zusammenzufassen: Die Frau war am Strand, offenbar allein, um ihren Rausch auszuschlafen. Sie hatte keinen Alkohol bei sich, veranstaltete kein Gelage – in Spanien eine Ordnungswidrigkeit – und hatte niemanden angegriffen. Berichten zufolge, die in der Debatte kursieren, hatten Rettungsschwimmer die Polizei alarmiert, weil die Frau gegen deren Anweisungen ins Wasser gegangen war. Als die Beamten eintrafen, verlangten sie Ausweispapiere. Sie weigerte sich. Dort begann alles.

Ist es illegal, betrunken an einem US-Strand zu sein?

Mehrere Teilnehmer der Debatte behaupten, dass sichtbare Trunkenheit im öffentlichen Raum in den meisten Bundesstaaten eine Ordnungswidrigkeit ist und die Polizei befugt ist, Personen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, die aufgrund ihres Zustands Alarm auslösen oder sich selbst gefährden könnten. Es wäre nicht nötig, dass sie eine Straftat begehen: Es würde ausreichen, dass die Beamten ihren Zustand als Rechtfertigung für das Eingreifen ansehen. Im Video bieten die Polizisten ihr zwei Möglichkeiten an, bevor sie sie festnehmen: eine Freundin anzurufen oder ein Taxi zu nehmen, um nach Hause zu fahren. Sie lehnt beide ab.

Die Nuance ist wichtig. Das Gesetz würde den ruhigen Betrunkenen, der niemanden stört, nicht verfolgen. Es würde denjenigen verfolgen, der durch seinen Zustand die Normalität eines öffentlichen Raums übersteigt. Hier war der Auslöser nicht die Trunkenheit selbst, sondern die Weigerung, sich auszuweisen und zu gehen, als man dazu aufgefordert wurde. Die Festnahme erfolgt, laut Polizeibericht, wegen Ungehorsams, nicht wegen Trunkenheit. Der Richter verstand dies so und ließ sie ohne Anklage frei.

Der Nanny-Staat und die Kosten der Rettung eines Betrunkenen

Die grundlegende Diskussion ist eine andere: Sollte der Staat jemanden vor sich selbst schützen? Ein Teil der Analyse behauptet ja, dass eine offensichtlich betrunkene Person am Strand ertrinken, einen Sonnenbrand bekommen, von Kriminellen ausgenutzt werden oder dazu führen kann, dass ein Rettungsschwimmer beim Rettungsversuch stirbt. Der Strand, erinnern sie, ist ein gefährlicher Ort: Es gibt tödliche Strömungen und Zonen, in denen das Schwimmen verboten ist. Wenn die Rettung kommt, könnte die Rechnung beim Rathaus oder bei den Erben landen.

Auf der anderen Seite steht das Gegenargument: Die Möglichkeit eines Schadens zu verfolgen, bevor er eintritt, öffnet die Tür für einen Staat, der für dich entscheidet. Die Frau tat nichts Falsches. Sie schlief ihren Rausch im Sand aus. Sie wegen dessen festzunehmen, was passieren könnte, und nicht wegen dessen, was passiert ist, ist die Art von Logik, die während der Pandemie in Spanien mit Ausgangssperren und Lockdowns angewandt wurde und die sich hier unter dem Vorwand der Sicherheit durch die Hintertür einschleicht.

Tourismus, Benidorm und die Ökonomie des Betrunkenen

Es gibt einen wirtschaftlichen Aspekt, den kaum jemand auf den Tisch bringt. Florida ist der tourismusintensivste Bundesstaat der USA. Benidorm, Ibiza, Marbella, Sitges, Magaluf, Torremolinos, Fuengirola oder Benicàssim leben teilweise vom Besucher, der trinkt. Wenn die Polizei anfängt, jeden Betrunkenen am Strand in Handschellen abzulegen, bröckelt das Modell. Das ist keine Übertreibung: Es ist dieselbe Logik, die die Hälfte Spaniens dazu brachte, sich über Corona-Regeln lustig zu machen, während der Dienstleistungssektor ausblutete.

Die rechtliche Frage ist jedoch grauer, als es scheint. Öffentliche Trunkenheit ist nicht in allen Bundesstaaten eine Straftat und wird auch nicht immer verfolgt. Es hängt vom Ermessen des Beamten ab und davon, ob der Betrunkene stört, Alarm schlägt oder sich selbst gefährdet. Die meisten Strand-Betrunkenen sehen keine Polizei. Diese Frau wurde weggebracht, weil sie, laut Video, die Zusammenarbeit verweigerte. Der Richter ließ sie ohne Anklage frei. Das Gesetz existiert; seine Anwendung ist diskretionär.

Kriminelle Fahrlässigkeit, die niemand einfordert

In den USA gibt es den Tatbestand der kriminellen Fahrlässigkeit. Wenn eine betrunkene Frau am Strand ertrinkt, nachdem Rettungsschwimmer die Polizei alarmiert haben und diese nicht handelt, kann die Familie das Rathaus auf eine siebenstellige Summe verklagen. Dies ist das Argument, das Befürworter des Eingreifens verwenden: Es ist nicht Paternalismus, es ist Haftungsmanagement. Wenn sie sie nicht rausholen und sie stirbt, zahlen sie. Wenn sie sie rausholen und sie nichts getan hat, lassen sie sie frei. Das Problem sind die Fruta und die wirtschaftlichen Kosten, jemanden in Handschellen zu legen, der nur seinen Rausch ausschlief.

Das Video hinterlässt jedenfalls ein Bild, das nicht verblasst: Eine Frau in Handschellen im Sand, umgeben von Polizisten, weil sie nicht nach Hause ging, als man sie darum bat. Es gibt keine Anklage. Keine Verurteilung. Nur das Protokoll einer Festnahme, die, laut Richter, nicht vor Gericht hätte kommen sollen. Die unbeantwortete Frage bleibt: Wie viele solcher Festnahmen geschehen jedes Wochenende, ohne dass jemand sie aufzeichnet?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

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