Debatte über Festnahmen wegen islamischer Kleidung

Ein viraler Tweet behauptet, die Polizei in Deutschland habe Personen wegen islamischer Kleidung festgenommen, was eine Debatte über Remigration auslöste.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Debatte über Festnahmen wegen islamischer Kleidung
Debatte über Festnahmen wegen sarracinischer Kleidung

Ein dem Profil @Sr.Liberal zugeschriebener Tweet beschreibt eine Szene in Berlin: Die Polizei verhaftet jeden, der sarracinische Kleidung trägt. Die Nachricht, die mit einem angehängten Bild kursiert, argumentiert, dass der Westen „beschlossen hat, unsicher und in Angst zu leben“ und dass die einzige Lösung eine „großangelegte Remigration“ wäre. Es gibt keine offizielle Bestätigung dieser Festnahmen im verfügbaren Material. Was es gibt, ist eine hitzige Diskussion darüber, was genau dieses Wort, Remigration, bedeutet und warum es anstelle von Abschiebung oder Rückführung verwendet wird.

Was diskutiert wird, wenn man Remigration sagt

Die erste Kritik ist terminologischer Natur. Man fragt, warum von Remigration gesprochen wird, wenn eigentlich Abschiebung oder Rückführung gemeint ist. Der Unterschied ist nicht geringfügig: Remigration bezeichnet im Vokabular europäischer Identitätskreise einen induzierten Rückführungsprozess, der auch Personen betrifft, die die Staatsbürgerschaft des Landes besitzen. Dies ist das eigentliche Problem, auf das mehrere Nachrichten hinweisen: Wenn Millionen Muslime bereits deutsche, französische oder schwedische Pässe haben, erlaubt kein gewöhnliches Gesetz ihre Ausweisung oder den Entzug der Staatsbürgerschaft ohne Reformierung ganzer Verfassungen.

Manche stellen dies als unüberwindbares Hindernis dar. Es wird argumentiert, dass die Verfassungen ganz Europas geändert werden müssten, wo festgelegt ist, dass jeder Bürger vor dem Gesetz gleich ist und Diskriminierung aus keinem Grund erlaubt ist. Die Antwort aus einem anderen Teil der Debatte lautet, dass Verfassungen ohnehin flexibel interpretiert werden, wenn es passt, und dass das reale Hindernis politisch, nicht juristisch sei.

Der Vorfall, der über der Konversation schwebt

Ein Großteil des Austauschs ist im Kontext eines Massenkarambolages auf einem deutschen Weihnachtsmarkt eingebettet, der nur am Rande erwähnt wird, ohne eigene Zahlen im Material. Eine Nachricht tut sie als „der traditionelle Massenkarambolage jedes Weihnachten“ ab. Eine andere weist darauf hin, dass diesmal ein Video des Vorfalls veröffentlicht wurde, anders als bei anderen Episoden, die aus dem Gedächtnis zitiert werden, und springt zur Vermutung, dass alles eine Inszenierung sei. Diese Vermutung kommt ohne Beweise und wird als Intuition formuliert.

Die Diskussion verwickelt sich weiter mit der Identität des Täters, den manche am einen ideologischen Extrem und andere am gegenüberliegenden verorten. Das Material klärt diese Frage nicht, und der Artikel bleibt dort, wo die Konversation aufgehört hat.

Wer bestimmt und wer zahlt

Der Thread driftet schnell zu einer breiteren These: Dass Migration nicht das Problem, sondern das Symptom sei und die letzte Verantwortung bei einer politischen und wirtschaftlichen Elite liege, die sie aus Interesse gefördert habe. Es wird behauptet, dass Unternehmer, die von billiger Arbeitskraft profitieren, dieselben sind, die sich später empören, und daran erinnert, dass Länder des ehemaligen Ostblocks ihre Grenzen kontrollierten und religiöse Extremisten ohne Rücksicht unterdrückten.

Dagegen steht eine pessimistischere These: Dass die Masse Schafe seien und nur geführt werden können, sodass Veränderung nur von oben kommen kann, entweder durch Ersetzen der Elite oder durch Warten, bis die Elite aus Angst vor Machtverlust ändert. Als Beispiel dient der politische Wandel in den USA. Eine andere Nachricht fasst es mit einem Bild zusammen: Wenn du den Pianisten und das Lied änderst, passt sich der Rest des Körpers allein an.

Was die Polizei darf und nicht darf

Bezüglich des konkreten Faktums des Tweets spalten sich die Positionen zwischen denen, die es feiern als etwas, das „immer hätte getan werden sollen“, und denen, die bezweifeln, dass solche Festnahmen aufgrund von Kleidung stattfanden. Eine Nachricht sagt unverblümt: Sie glauben nicht, dass Leute wegen ihres Aussehens festgenommen werden. Eine andere warnt vor dem umgekehrten Rechtsweg: Wenn einer der Festgenommenen Anzeige erstattet, könnte der Beamte Probleme bekommen.

Die Diskussion über Kleidung mischt sich mit Beschwerden über die Asymmetrie der Kontrollen: Es wird ironisiert, dass auch Handtaschen von Rentnerinnen durchsucht und Biertrinker angehalten werden sollten, um niemanden aufgrund seines Aussehens zu kriminalisieren. Die Ironie verbirgt nicht den Kern: Ob die Polizei nach ethnischem oder religiösem Profil handelt und ob das im Rechtsstaat tragfähig ist.



Die fundamentale Frage bleibt offen, die keiner beantwortet: Wenn das Problem Gesetze, Eliten oder Demografie sind, löst keine davon eine Festnahme auf einem Berliner Bürgersteig. Und wenn das Problem etwas anderes ist, auch nicht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (105 Antworten).

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