Das Kreuz von Burgund: weder Kaiserflagge noch Spaniens Nationalfahne

Das Kreuz von Burgund war nie die Flagge Spaniens oder eines formellen Imperiums: Es kam mit den Habsburgern, und der Begriff einer Nationalflagge taucht erst 1785 unter Karl III. auf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Kreuz von Burgund: weder Kaiserflagge noch Spaniens Nationalfahne
Das Kreuz von Burgund war nicht die Flagge eines Imperiums, das als solches nie existierte

Das Kreuz von Burgund war weder die Flagge Spaniens noch die eines formellen spanischen Imperiums. Es war das Andreaskreuz eines Dynastiehauses, der Habsburger, das über die burgundische Linie kam und als Kampfflagge durch die halbe Welt getragen wurde. Der Begriff der Nationalflagge taucht erst 1785 auf, als Karl III. die rot-gelbe Flagge einführte, damit die Marine nicht mit den bourbonischen Flaggen eines halben Kontinents verwechselt wurde. Alles andere — der Doppeladler, der heute auf Flohmärkten verkaufte „kaiserliche" Feldzeichen — ist Rekonstruktion des 20. Jahrhunderts, Heraldik und Gepose.

Die Sache hat Substanz, weil sie zwei empfindliche Nerven trifft: Identität und Geldbörse. Und dort erscheint das Paradox, das niemand direkt anschauen will. Dieselben, die symbolische Reinheit für die Flagge verlangen, sind diejenigen, die eine Berufspflichtmitgliedschaft fordern, um ihre Zunft abzusichern. Mittelalterliche Zunft mit modernem Logo.

Gab es je eine Flagge des spanischen Imperiums?

Nicht als solche. Es gab die Wappen der einzelnen Königreiche, dynastische Kreuze und die persönlichen Feldzeichen des Monarchen. Das Kreuz von Burgund kam mit den Habsburgern und wurde von den Tercios verwendet, ja, aber auch die Karlisten und Francos Armee hissten es. Nach dieser Logik wäre es zugleich karlistische und franquistische Flagge. Die spanische Luftwaffe führt es heute in ihrem Emblem, neben der rot-gelben Flagge, nicht als Kampfflagge. Eine kleine Nuance, die meist entgeht.

Auch die rot-gelbe Flagge ist nicht ewig: Sie ist 241 Jahre alt, nicht tausend. Karl III. führte sie 1785 für die Marine ein, aus einem praktischen Identifikationsproblem auf See, nicht aus nationaler Berufung. Vorher gab es keine Nationalflagge, nur ein dynastisches Feldzeichen.

Das Geschäft mit der Identität und die DJ-Pflichtmitgliedschaft

Die Diskussion driftet in ein lukrativeres Terrain: Wer darf sich Profi nennen und wer nicht. Eine Berufskammer ist kein Liberalismus, sondern das Gegenteil. Es ist ein vom offiziellen Staatsanzeiger gesegnetes Schild: Wer die Pflichtmitgliedschaft fordert, beansprucht keine Marktfreiheit, sondern verlangt, dass der Staat dem Konkurrenten den Stand schließt. Der Taxifahrer fordert sie gegen die Fahrdienst-Apps, der Gastwirt gegen die Lieferboten, der DJ gegen den DJ. Jeder mit seinem eigenen Bier.

Die ehrlichste Rechnung der Sache ist Angebot und Nachfrage: Es gibt recycelte Promis als DJs und Moderatoren, die früher über Techno hergezogen sind und sich jetzt als Experten ausgeben. Das ist kein neoliberaler Vetternwirtschaft, das ist Markt. Und der Markt unterscheidet keine Konservatoriumsdiplome.

Wie lange braucht eine Karavelle im Vergleich zu einem Containerschiff

Die Zahlen, das Einzige Ernste an der Sache. Eine Karavelle segelt mit 5-7 Knoten bei Rückenwind und schafft die 3.000-3.500 Meilen von den Kanarischen Inseln in die Karibik in 4-6 Wochen, wenn der Wind gut steht, oder drei Monate bei Flaute. Kolumbus brauchte auf seiner ersten Reise 36 Tage. Ein Containerschiff fährt 20-24 Knoten und schafft dieselbe Route in 8-11 Tagen, mit 20.000 TEU an Bord statt vier Säcken Gewürze und einem Schiffsjungen.

Container in Karavellen zu verladen ist blanker Unsinn: Der Rumpf hält das Gewicht nicht aus und die Stabilität geht den Bach runter. Die Idee vom „Hindenburg als Flugzeugersatz" macht den Kreis der technologischen Fantasie komplett.

Wer zahlt die europäische Party

Das Geld der Europäischen Union kommt aus vier Quellen und fließt in vier andere. Deutschland ist der größte Zahler, mit Nettobeiträgen, die vor der gemeinsamen Kreditaufnahme bei rund 13.000-15.000 Millionen jährlich lagen. Frankreich legt auf dem Papier viel auf den Tisch und bekommt es über die GAP zurück. Die Frugalen — Niederlande, Schweden, Österreich, Dänemark, Finnland — zahlen nur zähknirschend und mit Rabattscheck. Irland und Luxemburg, äußerlich klein, holen sich das echte Geld über Steuergestaltung. Auf der anderen Seite ist Polen der größte Empfänger.

Die Flagge zu wechseln bewegt keinen einzigen Zoll und keinen einzigen Lohn. Die Rechnung des Ruderers bleibt gleich, ob mit Streifen, mit Andreaskreuz oder mit schwarzer Trauerflor. Was die Nadel bewegt, ist, wo der Steuersitz steht und wie hoch die Miete ist.

Und wenn das Problem gar nicht die Flagge wäre, sondern wer entscheidet, was sie bedeutet?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (41 Antworten).

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