Das Ende der Internet-Flatrate: zurück in die 90er?

Die Telekom-Anbieter wollen pro Gigabyte abrechnen. Aus mit der Flatrate? Eine Analyse der Daten, der realen Kosten und des Risikos einer Rückkehr in die 90er.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Telekom-Anbieter wollen die Internet-Flatrate abschaffen und wieder nach Verbrauch abrechnen

Im November 2009 veröffentlichte elEconomista einen Artikel, der alle Alarmglocken schrillen ließ: Die Telekom-Betreiber erwogen, die Internet-Flatrate abzuschaffen und durch ein Modell zu ersetzen, das nach dem Volumen der heruntergeladenen Daten abrechnet. Der Vorschlag, der damals wie eine ferne Bedrohung wirkte, ist mehrfach wieder aufgeflammt, zuletzt im Februar 2014, als die Debatte mit derselben Heftigkeit in die Foren zurückkehrte. Sechzehn Jahre später steht die Frage weiterhin im Raum: Werden die Telekom-Anbieter die Abrechnung pro Gigabyte durchsetzen können?

Das ökonomische Argument: den Trittbrettfahrer bestrafen oder den Kunden schröpfen

Die Argumentation der Betreiber ist einfach: Wenige Nutzer verursachen den Großteil des Traffics — P2P-Downloads, Streaming, massive Updates —, während die Mehrheit nur E-Mails liest und soziale Netzwerke nutzt. Im Flatrate-Modell profitiert der Heavy User auf Kosten aller anderen. Doch der Vergleich mit Wasser oder Strom hinkt: Das Netz ist keine Ressource, die zur Neige geht; der Engpass liegt in den Edge-Routern, nicht im Kupferkabel. Eine Rechnung, die in Analysen des Problems immer wieder auftaucht, zeigt: Bei einer 6-Mbps-Leitung für 39 Euro im Monat läge die theoretischen Kosten pro Gigabyte bei kaum 0,043 Euro, würde die maximale Kapazität ausgeschöpft. Bei 5 Cent pro GB würden die meisten Haushalte weniger als 10 Euro im Monat zahlen. Die Telekom-Anbieter rechnen jedoch zwischen 50 und 70 Euro pro Leitung ab, mit Festnetz und Wartung als Ballast.

Wettbewerb und Technologie: die Bremse, die nie ganz greift

Der Siegeszug von 4G und später Glasfaser erweiterte die Netzkapazität und senkte die Transportkosten. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern — Movistar, Vodafone, Orange, Yoigo — hätte die Idee eigentlich begraben sollen, aber dem war nicht so. Die Angebote liefen auf Tarifmodelle mit begrenzten Datenvolumen hinaus, vor allem im Mobilfunk, während festes ADSL die Flatrate hielt — um den Preis sinkender Geschwindigkeiten. Der Fall Yoigo, der die „lebenslangen Gratisanrufe“ strich, ohne dass die Gerichte einschritten, zeigt: Vertragliche Versprechen sind Schall und Rauch, wenn die Lobby geschlossen agiert. Stimmen alle Großen dem Wechsel zu, kann der Kunde nur zu einem alternativen Anbieter wechseln — doch in Spanien begrenzt das Infrastruktur-Duopol die realen Optionen.

Das Gespenst der 90er und der Widerstand der Nutzer

Wer das Zeitalter der 56k-Modems erlebt hat, erinnert sich an die Angst vor der Telefonrechnung, die nach Verbindungsminuten abgerechnet wurde. Jedes Megabyte wieder zu messen wäre ein Rückschritt, nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich. Dienste wie Netflix, YouTube oder die automatischen Updates von Steam — ein Nutzer bezifferte sie auf ein Terabyte an Spielen — wären massiv betroffen. Auch wenn Befürworter der Verbrauchsabrechnung darauf bestehen, dass sie fairer wäre, sind sich die meisten Analysen einig: Das eigentliche Ziel ist nicht Gerechtigkeit, sondern ein höherer Umsatz pro Kunde.

Heute hält sich die Flatrate, aber mit weniger Geschwindigkeit und mehr Einschränkungen. Alle paar Jahre taucht das Gespenst vom Ende der Flatrate wieder auf. Das letzte Mal war im Februar 2014, und der Thread ist noch offen. Niemand weiß, wann der endgültige Schlag kommt, doch das stillschweigende Einvernehmen der Telekom-Anbieter deutet darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (86 Antworten).

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