CSIC-Forscher fordert Mietregulierung: Die Debatte, die Soziologen und Ökonomen entzweit
Ein Forscher des spanischen Forschungsrats (CSIC) hat die Debatte über staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt neu entfacht. Javier Gil, Soziologe und Experte für die Finanzialisierung des Immobilienmarkts, trat im TVE auf und vertrat die Auffassung, "der Staat müsse Wohnraum garantieren" und "die Mietpreise regulieren". Die Reaktion aus Fachkreisen ließ nicht lange auf sich warten: Während die einen in seinen Thesen einen notwendigen Fortschritt sehen, bezeichnen die anderen sie als reine Ideologie im Gewand der Wissenschaft.
Wer ist Javier Gil und was schlägt er vor?
Javier Gil (Madrid, 1985) ist Forscher am CSIC und einer der wichtigsten Referenten Spaniens für Wohnungsfinanzialisierung und Stadtsoziologie. Er promovierte an der UNED (Spaniens Fernuniversität) und absolvierte einen Postdoc-Aufenthalt am Institute for Housing and Urban Research der Universität Uppsala (Schweden). 2017 war er Mitgründer der Mietergewerkschaften von Madrid und Barcelona. In seinem TVE-Auftritt verteidigte er staatliche Eingriffe zur Sicherung des Zugangs zu Wohnraum, einschließlich Mietkontrollen. Der Vorschlag ist nicht neu, doch da er von einer wissenschaftlichen Einrichtung kommt, entsteht zusätzliche Spannung.
Die Kritik: Ist Soziologie eine Wissenschaft?
Ein Großteil der Einwände richtet sich gegen die Natur der Disziplin selbst. "Weniger Soziologie, mehr Ökonomie", fasste ein Analyst zusammen. Es wird argumentiert, dass das Wohnungsangebot unzureichend sei und dass weder Preisregulierung (die Schwarzmarkt und Angebotsrückzug erzeugt) noch höhere Löhne und Subventionen (die die Inflation anheizen) das Problem lösen. Die Rezeptur dieser Richtung: mehr Wohnraum bauen, die Nachfrage senken (durch Kontrolle der Einwanderung) und rechtliche Sicherheit gegen Hausbesetzungen schaffen. Als Beispiel wird Schweden genannt, wo Mietkontrollen zu jahrelangen Wartelisten geführt und den privaten Mietmarkt lahmgelegt haben.
Der demografische Hintergrund: 6 Millionen mehr in zehn Jahren
In der Diskussion fällt eine vernichtende Zahl: In den letzten zehn Jahren hat Spanien rund 6 Millionen Einwohner gewonnen, während der Neubau von Wohnungen nicht Schritt hielt. Dieses Wachstum ohne Erweiterung des Wohnungsbestands zuzulassen sei, so ein Teilnehmer, "kriminell". Hinzu kommen die hohen Baukosten: Eine Wohnung mit 80 m² Nutzfläche kostet allein im Rohbau rund 160.000 Euro, ohne Grundstück – das entspricht zehn Mindestlöhnen. Mit diesen Zahlen erscheint bezahlbarer Wohnraum für neue Bewohner ohne staatliches Eingreifen wie eine Chimäre.
Unerwarteter Konsens: Der Staat soll bauen
Trotz Skepsis gegenüber Preiskontrollen gibt es einen Punkt, in dem sich gegnerische Lager einig sind: die Notwendigkeit, dass der Staat öffentlichen Mietwohnraum baut. Es wird darauf hingewiesen, dass es in Spanien kaum sozialen Mietwohnraum gibt, anders als in anderen europäischen Ländern. Das Problem sind Finanzierung und Bürokratie. Während die einen die Freigabe von Bauland und schnellere Verfahren fordern, plädieren andere für Steuern auf Großvermieter und ein Verbot von Geierfonds. Die Gleichung bleibt ungelöst, doch die Diagnose beginnt sich zu gleichen: Ohne mehr Angebot ist jede Regulierung nur ein Flickwerk.
Die Diskussion lässt eine unbequeme Frage offen: Wenn die Wissenschaft (oder die Soziologie) sagt, dass reguliert werden muss, und das Lehrbuch der Ökonomie das Gegenteil behauptet – wie viel Gewicht gibt man jedem? Wer eine endgültige Antwort erwartet, sollte sich auf eine lange Wartezeit einstellen.
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