Comuns-Stadtrat beschimpft betende Bürger in Sant Cugat

Ein Stadtrat der Comuns beschimpfte in Sant Cugat (Spanien) Bürger, die nach einer Schweigeminute für die 69 Opfer des Zugunglücks von Urda ein Vaterunser beteten. Vox fordert seine Missbilligung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Comuns-Stadtrat beschimpft betende Bürger in Sant Cugat
Comuns-Stadtrat beschimpft betende Bürger in Sant Cugat

Im Foyer des Rathauses von Sant Cugat del Vallès (Barcelona) fand am 28. Oktober eine Schweigeminute für die 69 Opfer des Zugunglücks von Urda (Toledo) statt. Nach ihrem Ende begann ein Anwohner, ein Vaterunser auf Katalanisch zu beten, und ein Großteil der Anwesenden stimmte ein. Da begann Ramón Gutiérrez, Stadtrat von En Comú Podem und Listenplatz 10 des Frente Amplio für Barcelona, laut Zeugenaussagen die Betenden anzuschreien und zu beschimpfen. Die Szene endete damit, dass Anwohner ihm sein Verhalten vorwarften und Vox eine Missbilligungsantrag für die Plenarsitzung ankündigte.

Der Vorfall verdichtet eine Spannung, die über ein spontanes Gebet hinausgeht: Welchen Platz hat Religion im öffentlichen Raum, und wer entscheidet, wann sie fehl am Platz ist? Der Stadtrat erklärte nach denselben Quellen, im Rathaus dürfe es nichts Religiöses geben. Die Reaktion der Bürger ließ nicht lange auf sich warten.

Was bei der Schweigeminute in Sant Cugat geschah

Die Gedenkfeier wurde von Stellvertretendem Bürgermeister Carles Brugarolas (Junts) geleitet, mit rund hundert Teilnehmern, darunter Anwohner und Vertreter der übrigen Parteien. Die Schweigeminute verlief ruhig. Die Wende kam danach, als ein Mann das Gebet auf Katalanisch begann und die Mehrheit der Anwesenden mitmachte. Gutiérrez, Fraktionssprecher der Comuns im Rathaus und der Colau-Gruppe im Vallès Occidental, reagierte mit Rufen, die andere Teilnehmer zum Vermitteln zwangen.

Nach dem Gebet kamen zahlreiche Anwohner auf ihn zu und machten ihm Vorwürfe. Der Stadtrat blieb bei seiner These: Die öffentliche Institution müsse sich von jeder religiösen Äußerung fernhalten. Der Streit verlagerte sich sofort auf die politische Ebene. Vox kündigte für die Plenarsitzung am Freitag einen Dringlichkeitsantrag zur Missbilligung wegen Verletzung der Religionsfreiheit an.

Religionsfreiheit als politisches Schlachtfeld

Das spanische Recht schützt die Religionsfreiheit und auch die weltanschauliche Neutralität des Staates, verbietet aber Bürgern nicht, in einem Rathausfoyer zu beten. Die Grenze zwischen institutioneller Neutralität und faktischer Zensur eines Bürgergebiets ist fließend, und genau dort hat sich die Kontroverse festgesetzt. Manche halten ein spontanes Gebet bei einer Gedenkfeier für Opfer für keinen Eingriff in öffentliche Zuständigkeiten; dagegen steht das Argument, das Rathaus dürfe keine Gottesdienste beherbergen, auch keine improvisierten.

Der Streit verschärft sich, wenn Identität ins Spiel kommt. Ein Teil der Wählerschaft deutet die Reaktion des Stadtrats als Angriff auf die mehrheitlich katholische Tradition; andere verteidigen sie als konsequente Laizität. Das Ergebnis ist ein Konflikt, der sich jedes Mal wiederholt, wenn eine öffentliche Institution und ein religiöser Ausdruck ohne Drehbuch aufeinandertreffen.

Der Werdegang des Stadtrats und das Nebengeräusch

Ramón Gutiérrez ist keine unbedeutende Figur in der Struktur der Comuns: Fraktionssprecher im Rathaus und Kandidat auf Listenplatz 10 des Frente Amplio für Barcelona. Sein Profil hat die Kontroverse in den sozialen Medien befeuert, wo die Diskussion auf sein Aussehen und seine Nachnamen abdriftete. Dieses Geräusch trägt jedoch nichts zur rechtlichen Kernfrage bei: ob ein Rathaus verhindern darf, dass eine Gruppe von Anwohnern in seinem Foyer betet, oder ob institutionelle Neutralität nur verlangt, dass die Institution das Gebet nicht selbst veranstaltet.

Der Vox-Antrag kommt in die Plenarsitzung, ohne dass der Stadtrat zurückgerudert wäre. Wollen wird er es offenbar auch nicht. Der Vorfall lässt eine Frage offen: Wie weit reicht die Laizität, wenn die Initiative von den Bürgern und nicht vom Rathaus ausgeht?

Die verstörende Zahl

Die Schweigeminute galt 69 Toten eines Zugunglücks. Die Kontroverse betrifft nicht die Gedenkfeier, sondern das, was danach geschah: ein Vaterunser auf Katalanisch, das die Mehrheit mitbetete und das ein Stadtrat mit Rufen zu unterbinden versuchte. Die Zahl, die bleibt, ist nicht die der Teilnehmer, sondern die der Vorwürfe, die der Stadtrat nach dem Gebet erhielt. In einem Rathausfoyer wird die Laizität lautstark verhandelt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (147 Antworten).

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