Deutschland strapaziert das Band mit China, und seine Industrie zahlt die Rechnung
Eine deutsche Außenministerin, die laut einem im Thread verbreiteten Tweet behauptet, die Ukraine voranzustellen, „egal was meine deutschen Wähler denken“, und ein Besuch in Peking, der damit endet, dass die deutsche Presse den Raum verlassen muss. Die Episode, in den sozialen Medien verbreitet und zum Stoff wirtschaftlicher Debatten gemacht, fasst einen Widerspruch zusammen, der Milliarden kostet: Das Land, das am stärksten vom chinesischen Motor für seine Automobilindustrie abhängt, ist zugleich dasjenige, das sich am meisten bemüht, seinen wichtigsten Handelspartner zu brüskieren.
Was bei dem Besuch in Peking geschah
Die Szene, die kursiert, zeigt eine Pressekonferenz, bei der der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, die deutschen Journalisten bittet, den Raum zu verlassen, bevor er auf den Ukraine-Krieg eingeht. Die Ministerin, Annalena Baerbock, Vorsitzende der Grünen, hatte zuvor, laut einem im Thread zitierten Tweet, erklärt, sie stelle die Ukraine voran, „no matter what my German voters think“ – ein Satz, der im Kontext eines offiziellen Besuchs in China wie eine kalkulierte Provokation klingt.
Die Version, die sich in chinesischen Medien und Teilen der internationalen Presse durchsetzt, ist, dass es keine förmliche Ausweisung der Ministerin gab, sondern eine Bitte, den Raum zu verlassen, um privat zu sprechen. Die Verwechslung zwischen „ausgewiesen“ und „Journalisten wurden gebeten zu gehen“ ist das erste Anzeichen dafür, dass die Geschichte auf beiden Seiten langsam köchelt. Plapperndes Geschwätz, fasst die zynischste Lesart zusammen: Vom Feind gekauft zu sein, braucht es gar nicht erst.
Das Geschäft, das Deutschland mit China spielt
Der wirtschaftliche Kern der Sache ist nicht diplomatisch, sondern industriell. Deutschland hat sein Exportmodell auf die chinesische Nachfrage nach Autos, Maschinen und Chemie gebaut. Jede feindliche Geste in Peking hat eine direkte Übersetzung in Aufträge, Zölle und Marktanteile. Die These, die sich durch die Analyse zieht, ist, dass Brüssel Zölle auf chinesische Elektroautos vorbereitet und Washington Europa drängt, den Sturmbock in einem Handelskrieg zu spielen, der ihm nicht gehört.
Manche behaupten, die Ministerin agiere als Gesandte fremder Interessen, andere antworten, das Problem sei nicht Unterwerfung, sondern Inkompetenz. Das ruinierte Deutschland kommt ins allmächtige China, um Belehrungen zu verteilen – vor drei Jahrzehnten war es umgekehrt. Dieser Machtwechsel ist die eigentliche Kernaussage.
Warum von Ausweisung die Rede ist, obwohl es keine gab
Weil das Format des Besuchs gebrochen wurde. Dass ein Sprecher die Presse eines eingeladenen Landes bittet, den Raum zu verlassen, ist eine protokollarische Demütigung, auch wenn es keine Ausweisung ist. Der Unterschied zählt: Eine Ausweisung ist ein förmlicher Akt; dies war eine Demonstration, dass China nicht mehr höflich zu denen sein muss, die ihm Lektionen erteilen.
Die Episode reiht sich in eine Liste von Missstimmungen mit westlichen Führern ein, von der Brüskierung Justin Trudeaus bis zu Warnungen bezüglich Taiwan. Die chinesische Lesart ist, dass Freundlichkeit mit Schwäche verwechselt wird und der innere Nationalismus keine herablassenden Gesten mehr toleriert.
Die realen Kosten für die deutsche Industrie
Die Frage, die niemand mit Zahlen beantwortet, ist, wie viel dieses Kräftemessens auf die Beschäftigung durchschlägt. Deutschland befindet sich bereits in der Industrierezession, der deutsche Motor blockiert durch teure Energie und chinesische Konkurrenz. Wenn Peking beschließt, bei Seltenen Erden, Komponenten oder Autokäufen die Hand zu schließen, wird der Schlag in Baden-Württemberg spürbar sein, bevor er Brüssel erreicht.
Die kühlste Analyse ist, dass die EU China für ihre grüne Transformation braucht und China Europa braucht, um zu verkaufen. Der Kampf dreht sich darum, wer länger durchhält. Und in diesem Kampf scheint die deutsche Außenpolitik ihrer Industrie voraus zu sein.
Der Punkt, an dem die Analyse hängen bleibt, ist immer derselbe: Ob die Brüskierung ein Fehler der Ministerin war oder eine mit Washington abgestimmte Strategie. Niemand im Material beantwortet das. Und währenddessen wartet die deutsche Industrie weiter darauf, dass ihr jemand erklärt, wie man ein Auto in einem Land verkauft, das man gerade beleidigt hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).