Chiba zahlt 2.215 Euro an junge Paare für den Umzug

Die Stadt Chiba in Japan bietet Paaren unter 39 Jahren bis zu 300.000 Yen (2.215 Euro) an, wenn sie in nachkriegszeitliche Wohnanlagen ziehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Chiba zahlt 2.215 Euro an junge Paare für den Umzug
Chiba zahlt 2.215 Euro an junge Paare, die in die Gemeinde ziehen

Chiba subventioniert nicht die Kindererziehung, sondern den Umzug. Die Stadt Chiba in der Metropolregion Tokio wird Paaren, die sich in ihren Wohnanlagen aus der Nachkriegszeit niederlassen, bis zu 300.000 Yen — etwa 2.215 Euro zum aktuellen Wechselkurs — gewähren. Die Bedingung ist streng: Man muss unter 39 Jahre alt sein. Die Maßnahme startet nächsten Monat mit einem Ziel, das die Initiatoren nicht verbergen: die lokale Wirtschaft zu beleben und zu verhindern, dass die Stadt zu einer Geisterstadt wird. Das Kleingedruckte schließt jedoch fast jeden aus: Laut Diskussionsteilnehmern richtet sich das Angebot primär an japanische Einwohner.

Was Chiba genau anbietet und wen es sucht

Die Subvention beträgt 300.000 Yen pro Paar, das in die sogenannten danchi (Wohnblocks aus der Nachkriegszeit) zieht. Das Alter und die Verpflichtung, in diesen Immobilien zu wohnen, definieren das gewünschte Profil: junge Paare, die laut der Debatte in Japan ansässig sein müssen. Die Stadt hofft, dass ihre Ankunft die Lücken auf dem lokalen Arbeitsmarkt schließt. „Wir hoffen, dass die jungen Paare, die potenziell in diese Gebäude ziehen, den Unternehmen helfen oder die Beschäftigungslücken füllen, die wir in diesem Gebiet sehen“, erklärte Takeshi Tanikawa, stellvertretender Leiter der Gebäudeverwaltung der Stadt.

Dies ist nicht die einzige Möglichkeit. Obwohl die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen im Land nicht legal ist, können LGBTQ+-Paare das „Partnerschaftssystem“ (ein administrativer Mechanismus, der ihre Verbindung offiziell anerkennt) in Anspruch nehmen.

Danchi: Nachkriegswohnungen mit Nachbarn einer anderen Generation

Danchi sind die Wohnblöcke, die Japan beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet hat. In Chiba sind sie Jahrzehnte alt, ebenso wie ihre Bewohner. Hier liegt das Paradoxon des Angebots: Man zahlt dafür, Gebäude zu verjüngen, deren Alltag von und für ältere Menschen organisiert ist. Manche behaupten, dass die Freizeit der Neuankömmlinge eher für Nachbarschaftshilfe — Glühbirnen wechseln, Wasserhähne richten, Einkäufe hochtragen — als für etwas anderes draufgehen wird. Dies ist ein nicht unerheblicher Einwand für ein Paar, das ankommt, um neu anzufangen.

Kann ein Spanier die Hilfe von Chiba in Anspruch nehmen?

Nein. Das Angebot fungiert nicht als subventioniertes Auswanderungsprogramm. Der Debatte zufolge richtet es sich an japanische Einwohner, unabhängig von ihrer Nationalität, und die Voraussetzungen für diesen Aufenthalt sind anspruchsvoll und werden auf Japanisch bearbeitet. Wer keinen stabilen legalen Status im Land hat, stößt auf eine Mauer, die die kommunale Subvention nicht einreißt. Die Stadt selbst hat fast eine Million Einwohner — mehr als die meisten spanischen Provinzhauptstädte —, sodass das Ziel auch nicht das Ende der ländlichen Welt ist.

Skepsis: Mehr Geburten oder städtische Reparaturen?

Die häufigste Kritik richtet sich gegen das Profil der Empfänger. Es wird argumentiert, dass junge Frauen und viele LGBTQ+-Paare von der Dynamik, den Chancen und dem Konsum der Großstadt angezogen werden und dass eine Wohnungsbeihilfe in einem Randbezirk diese Gleichung nicht ändert.

Eine andere Sichtweise bestreitet sogar die Diagnose. Es wird behauptet, dass Japan weniger an der Geburtenrate interessiert ist, als die westliche Presse suggeriert, und als Beweis wird angeführt, dass es eine der drei größten Volkswirtschaften der Welt bleibt, während die Bevölkerung schrumpft. Aus dieser Perspektive ist das eigentliche Problem die Leerstand und der Verfall von Häusern, nicht die Geburtenrate.

Kosuge und Minamisoma: Die Präzedenzfälle

Chiba erfindet das Rad nicht neu. Im Jahr 2017 startete die Gemeinde Kosuge ein Projekt mit kleinen, erschwinglichen Häusern, um junge Bewohner anzuziehen. 2019 eröffnete Minamisoma einen Coworking-Space, der mit demselben Ziel auch als Unterkunft dient. Zudem ist der Yen schwächer als der Euro, was laut der Debatte die Operation für jemanden mit Ersparnissen außerhalb des Landes attraktiv macht.



In der Debatte schwingt die Idee mit, dass die Maßnahme nur eine Handvoll Paare gewinnen wird, die ohnehin schon über einen Umzug nachgedacht haben, und dass das Kernproblem der Demografie unberührt bleibt. Dennoch wird angesichts des niedrigen Yen-Kurses mehr als einer nachrechnen, bevor er es verwirft.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver