Cherson führt Rubel ein, Hrywnja vier Monate

Die prorussische Verwaltung von Cherson setzt den Rubel ab dem 1. Mai fest und gewährt der Hrywnja vier Monate vor der Aussetzung aus dem Umlauf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Cherson wechselt die Währung: Vier Monate zur Pensionierung der Hrywnja

Die Region Cherson hat eine neue Währung und ein Verfallsdatum für die alte. Kirill Stremoussow, der als Gouverneur der unter prorussischer Kontrolle stehenden Zone ernannt wurde, kündigte an, dass ab dem 1. Mai die Region in die Rubelzone eintritt, wo der Rubel bereits faktisch im Umlauf war, und dass die Hrywnja in vier Monaten aus dem Verkehr gezogen wird. Die Rückkehr Chersons zur Ukraine sei ausgeschlossen, fügte er hinzu. Bezüglich einer hypothetischen Republik Cherson mit ihrem Unabhängigkeitsreferendum gab es keinerlei Planungen.

Das Schema war keine spontane Eingebung. Die Ankündigung selbst präsentierte es als das Rezept, das bereits in den selbstproklamierten Republiken des Donbas angewandt wurde: Zuerst zirkuliert die starke Währung faktisch, dann wird eine Übergangsfrist festgelegt, und schließlich verschwindet die lokale Währung. Generalprobe mit allem Drum und Dran.

Was bedeutet der Ersatz der Hrywnja durch den Rubel?

Den Wechsel der Währung ist weit mehr als nur das Papier in der Tasche zu ändern. Es ist der vorbereitende Schritt hin zu einer eigenen Steuerhoheit, eigenen Renten und praktisch zum Bruch der wirtschaftlichen Bindung an den Staat, dem die Region völkerrechtlich weiterhin angehört. Die prorussische Verwaltung hatte auf diesem Gebiet bereits Fakten geschaffen: Die Renten in Rubel begannen in den Bezirken Genitschsk und Nowotroizk organisiert zu werden.

Der Übergang wirft Fragen ohne einfache Antworten auf. Wer Bargeldersparnisse in Hrywnja hatte, zu welchem Kurs würden diese umgetauscht? Und Bankguthaben bei ukrainischen Instituten? Die Ankündigung detaillierten keines dieser Mechanismen, und um diese Abwesenheit drehte sich ein großer Teil der Diskussion: zwischen dem Verdacht, dass Ersparnisse beim Tausch verdampfen würden, und dem Vertrauen, dass der neue Rahmen am Ende die Guthaben absorbieren würde.

Der historische Vergleich, der sich durchsetzte: Elsass-Lothringen

Ein Teil der Analyse griff auf ein unbequemes Parallelen zurück: Das von Nancy-Deutschland annektierte Elsass-Lothringen, wo die deutsche Mark die einzige offizielle Währung war und die Verwendung des Französischen verboten wurde. Man nannte das "Entfranzösung". Schilder, Straßennamen, Ortsnamen und sogar Nachnamen wurden germanisiert, so die zitierten historischen Dokumente. Das Beispiel diente dazu, zu unterstreichen, dass eine Besetzung nicht nur durch Panzer gefestigt wird: Sie braucht Währung, Briefmarken und Schule.

Es ist kein unschuldiges Mittel. Das Handbuch des nationalsozialistischen Deutschlands herbeizuziehen, kommt der Behauptung gleich, dass das Geschehen in Cherson keine Verwaltungsoperation ist, sondern der Wiederaufbau eines Besatzungsapparats. Dort wurde der Austausch verbissen, denn wer den Währungswechsel als einfachen Akt eigener Souveränität darstellte, musste sich mit diesem Spiegelbild auseinandersetzen.

Der Plan, der nicht gut gealtert ist

Aufschlussreich ist, wie sich die Konversation mit der Zeit veränderte. Die Rubel-Ankündigung wurde damals als fester Schritt Richtung De-facto-Annexion gelesen. Später eroberte die Ukraine die Oblast-Hauptstadt Cherson zurück, und Verweise auf den Gouverneur, der die Ankündigung unterzeichnete, wurden in den schärfsten Erwiderungen fast zu einem Nachruf. Die Region blieb durch den Fluss und die Frontlinie geteilt; nicht die Währung, sondern der Krieg entschied, was auf jedem Ufer zirkulierte.

Die Begriffe verschoben sich von allein. Von der Hrywnja in Cherson sprang man zu Bachmut und der Situation in Kursk, was darauf hindeutete, dass der Krieg viel schneller voranschritt als jeder monetäre Kalender. Ein Vier-Monats-Plan zur Zurückziehung einer Währung wurde von Ereignissen überrollt, die nicht im Drehbuch standen. Eine weitere Prognose, die vor der Währung ablief.

Gab es ein Unabhängigkeitsreferendum in Cherson?

Nein, zumindest vorerst nicht. Die offizielle Kommunikation stellte klar, dass Referenden über die Unabhängigkeit der Republik Cherson noch nicht geplant waren. Dieses Detail verwirrte Beobachter: Wenn die Region bereits die Währung wechselte und eine Rückkehr zur Ukraine ausschloss, warum wurde dann keine Konsultation einberufen, um den Bruch zu formalisieren? Die kritische Lesart war, dass der Rubel der Politik vorausging und dazu diente, einen vollzogenen Tatsachenakt zu schaffen, bevor man jemanden zum Abstimmen bat.

Vom Rubel zum Yuan: Der Kampf der Währungen

Der Währungswechsel wurde in eine größere Diskussion über die Finanzordnung eingebettet. In derselben Konversation tauchte der erste Kohletransport Russlands nach China auf, bezahlt in Yuan, präsentiert als Riss im Status des Dollars als führende Reservewährung. Die Nuance war wichtig: Manche behaupten, bilaterale Zahlungen in lokaler Währung erodieren die Hegemonie des Greenbacks nicht allein, während andere darin den Beginn einer multipolaren Welt sehen.

Für den Nachbarn von Cherson wog die Geopolitik des Yuan jedoch weniger als eine häusliche Frage: Womit kauft man Brot und ob eine Stadt mit mehr als zweihunderttausend Einwohnern mit welcher auch immer Wiederaufgebaut werden kann.



Die Ankündigung hatte zudem ihre eigene Choreografie: Ein Datum, eine Währung und einen Zeithorizont festlegen und lassen die Schlagzeile die Feinarbeit machen. Das Detail, dass der Rubel bereits vor seiner offiziellen Einführung zirkulierte, diente als Argument und Erinnerung daran, dass vollzogene Tatsachenakte nicht auf Dekrete warten.

Der offizielle Kalender gewährte vier Monate, um die Hrywnja zu begraben. Die Realität sorgte dafür, den Kalender früher zu begraben. Was bleibt, ist das Foto einer feierlichen Ankündigung, ein Gouverneur, der nicht mehr da ist, und eine geteilte Region, in der die Währung aufgehört hat, das Hauptproblem zu sein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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