Ceuta, Melilla und die Geopolitik von morgen

Ceuta und Melilla entstanden als Freihäfen und wurden später zu Militärstützpunkten gegen die Überfälle berberischer Korsaren. Marokko erhebt heute seinen "historischen Anspruch".

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ceuta und Melilla sind spanisches Gebiet in Afrika, und zwar schon lange vor der Gründung des Königreichs Marokko. Doch ihr strategischer Wert hat sich gewandelt: von Handels Häfen zu Militärstützpunkten zur Kontrolle der Straße von Gibraltar. Marokko erhebt erneut Anspruch auf sie.

Ceuta und Melilla sind keine Kolonien. Es sind spanische Gebiete an der nordafrikanischen Küste, die lange vor der Entstehung des Königreichs Marokko existierten. Dieser Unterschied ist wichtig, denn er verlagert die Debatte auf ein anderes Terrain als das derjenigen, die von noch zu entkolonisierenden Gebieten sprechen. Portugal besaß sie vor Spanien, und darauf geht ein großer Teil ihrer Geschichte zurück.

## Der kommerzielle Ursprung, an den sich kaum jemand erinnert

Beide Städte entstanden als Freihäfen. Sie waren der natürliche Ausgangspunkt für Karawanen aus Nordafrika, die an der gesamten Küstenlinie ein Tor zum Mittelmeer suchten. Dieser Handel war über Jahrhunderte hinweg ihre Daseinsberechtigung.

Als dieser Handel verschwand, verlor der Besitz der Gebiete seinen wirtschaftlichen Sinn. Wahrscheinlich deshalb ließ Portugal sie in spanische Hände übergehen: Sie lohnten sich nicht mehr.

## Vom Freihafen zum Militärstützpunkt

Spanien wollte sie aus defensiven und militärischen Gründen. Die Überfälle berberischer Korsaren an den Küsten des südlichen Festlandes machten die Kontrolle des anderen Ufers zur Notwendigkeit. Ceuta, Melilla und die spanischen Inseln vor Nordmarokko fungierten als Vorposten in feindlichem Gebiet, um diese Überfälle einzudämmen.

Die spanischen Bombardierungen von Algier beseitigten das Problem der muslimischen Piraterie in der Region. Diese militärische, nicht die kommerzielle Logik erklärt, warum Spanien blieb. Die Spanische Sahara erfüllte eine ähnliche Funktion in Bezug auf die Kanarischen Inseln.

## Die Straße von Gibraltar als Schachfigur

Die Kontrolle über die Meerenge bleibt der Kern der Sache. Ceuta und Gibraltar sind die beiden Ufer. Wer diesen Streifen beherrscht, kontrolliert eine der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt.

Marokko beruft sich erneut auf sein "historisches und geografisches Recht" auf Ceuta und Melilla und fordert Spanien auf, die "Frage" anzugehen. Das ist keine isolierte Geste. Die gemeinsame WM 2030, die Spanien, Portugal und Marokko ausrichten, fügt eine Ebene gemeinsamen Interesses hinzu, die manche als Druckmittel und andere schlicht als Geschäft deuten.

## Signale, die sich häufen

Die Unruhen in Frankreich, der Brexit und die Probleme mit subsaharischen Migranten am Ärmelkanal bei Calais zeichnen ein Szenario, das manche als Vorbereitung eines hybriden Krieges deuten. Das sind Interpretationen, keine bewiesenen Fakten.

Der PSOE (spanische Sozialistische Partei) in Melilla stimmte gegen einen Antrag für die spanische Zugehörigkeit Ceutas. Diese konkrete Tatsache nährt den Verdacht, dass sich etwas bewegt. Die spanische Zugehörigkeit von Ceuta, Melilla und den Kanarischen Inseln steht rechtlich nicht zur Debatte: Sie gehören seit Jahrhunderten zum Staatsgebiet.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver