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Bulgarien führt den Euro ein: Nutella für 10 Euro, Milchpreise verdoppelt
Mit der Euro-Einführung in Bulgarien verteuern sich importierte Produkte wie Nutella auf fast 10 Euro. Das erinnert an die spanische Rundungspraxis.
Bulgariens Euro-Einführung: Preise übersteigen bereits deutsches Niveau
Ein Glas Nutella für knapp zehn Euro. Diese Zahl dominiert die Debatte um Bulgariens Beitritt zur Eurozone. Es ist kein Zufall teurer Regale: Dasselbe Produkt, das in Deutschland nur einen Bruchteil kostet, wird im bulgarischen Supermarkt zu überraschend hohen Preisen angeboten. Die gemeinsame Währung hat gerade Einzug gehalten, und der erste sichtbare Effekt ist der unangenehmste: Bei internationalen Markenprodukten liegen die bulgarischen Preise bereits über denen in Deutschland.
Der oft zitierte Vergleich ist kein Zufall. Ein deutsches Produkt, gekauft in Deutschland und im Angebot, ist günstiger als dasselbe importierte Produkt jenseits der Grenze. Milch, Gurken, Schokolade. Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Bei Gurken zieht sich der Kontrast sogar bis nach Spanien: Was in Deutschland 1,45 oder 1,19 Euro kostet, liegt hier nicht unter 3,45 Euro.
Warum kosten Importe in Bulgarien mehr als in Deutschland?
Die gängige Erklärung verweist auf eine Mischung aus Faktoren. Deutsche Produkte sind im Herkunftsland im Angebot, verlieren diesen Status aber bei der Einfuhr. Der bulgarische Markt ist kleiner, Vertriebsmargen unterscheiden sich und auch die Steuern sind nicht harmonisiert. Das Ergebnis ist ein Binnenmarkt, der praktisch nur in eine Richtung funktioniert: zulasten der Einkaufskorb des Verbrauchers.
Hinzu kommen Bürokratie und europäische Normangleichung, die von manchen Analysten als zusätzliche Kosten gesehen werden, die am Ende im Produktpreis landen. Theoretisch sollte die Preiskonvergenz für alle nach oben gehen. In der Praxis spüren einige es früher als andere.
Das Aufrunden, das Spanien mit dem Euro bereits erlebte
„In den zwei Jahren vor dem Euro stieg der Kaffee pro Jahr um 20 Peseten, von 100 auf 140, und mit dem Euro auf einen Euro. In drei Jahren ein Anstieg von 66 Prozent.“ Diese Rechnung wird wiederholt, weil sie schwer zu widerlegen ist: 140 Peseten waren 0,84 Euro, der Kaffee kostete dann 1 Euro. Das Aufrunden nach oben tat den Rest. Die genaue Berechnung ergibt 66 Prozent Steigerung in nur drei Jahren.
Dasselbe Muster galt für andere Grundnahrungsmittel. Milch stieg von 55 Cent pro Liter auf 1 Euro innerhalb eines Jahres, ein Schlag von 100 Prozent. Die Preise zogen viel schneller an als die Löhne, genau das befürchten viele jetzt in Bulgarien.
Preise steigen, Löhne stagnieren
Der entscheidende Punkt der Diskussion ist die Entkopplung von Preisen und Gehältern. „Es ging rasend schnell, praktisch innerhalb eines Jahres. Aber bei den Löhnen passierte nichts. Wer 200.000 Peseten verdiente, bekam ein Jahr später 1.200 Euro, nicht 2.000.“ Dieser Satz fasst den Mechanismus zusammen: Der Warenkorb wird nach oben angepasst, während das Gehalt beim Umrechnungskurs eingefroren bleibt.
Demgegenüber steht das rein makroökonomische Argument. Die bulgarische Staatsverschuldung liegt bei rund 24 Prozent des BIP, eine der niedrigsten in Europa und weit unter denen der Südländer. Die Fundamentaldaten sind solide. Die Gegenreaktion an der Supermarktkasse ist simpel: Fiskalische Solidität kann man nicht essen. Und genau dieser Kontrast irritiert: Ein Land mit gesunden Finanzen, aber einem Luxuspreis für Nuss-Nougat-Creme.
Proteste und das ausgefallene Referendum
Ein Teil der Analyse behauptet, in Bulgarien habe es massive Proteste gegeben, um ein Referendum über den Euro-Beitritt zu erzwingen, was mehrfach abgelehnt wurde. Der gezogene Vergleich mit Spanien ist bitter: Hier, so heißt es, wurde alles ohne großen Widerstand durchgewinkt. Falls das stimmt, könnte der aktuelle Ärger deutlich größer sein als damals.
Bulgarien führt den Euro ein mit einer Staatsverschuldung von etwa 24 Prozent des BIP, einer der niedrigsten in Europa, und einer Nutella für zehn Euro. Die besten Zahlen der Makrofotografie und das schlechteste Gefühl an der Kasse. Niemand hat bisher erklärt, wie diese beiden Dinge nebeneinander bestehen können.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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